Aron Fahrni

Oberthaler auf Erfolgswelle

Der Emmentaler Snowboarder Aron Fahrni erlebt derzeit eine aussergewöhnliche Saison: Gesamtweltcupsieg im Para-Snowboardcross, mehrere Podestplätze im Europa- und Weltcup und nun auch eine Bronzemedaille an den Paralympics.

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Aron Fahrni hat weiterhin Grund zum jubeln. (Bild: Archiv BERN-OST)

Für den 27-jährigen Emmentaler Aron Fahrni reihten sich in den vergangenen Wochen die Höhepunkte aneinander. Nach starken Resultaten im Europa- und Weltcup sicherte er sich in Big White in Kanada den Gesamtweltcup im Para-Snowboardcross seiner Kategorie und damit die Kristallkugel der Saison 2025/2026. Kurz darauf gewann Fahrni an den Paralympics im Snowboardcross die Bronzemedaille.

 

Die Medaille stand für ihn jedoch nicht im Zentrum. «Mein persönliches Ziel war, gelassen zu bleiben», sagt er. «Ich wusste aber, dass vieles möglich ist.»

 

Kaum angekommen, schon im Wettkampfmodus

Fünf Tage vor dem Wettkampf reiste Fahrni mit dem Team nach Cortina. Von da an folgte ein Termin dem nächsten. «Noch bevor ich meine Koffer geöffnet hatte, stand der Dopingkontrolleur auf der Matte», erzählt er schmunzelnd. Nur einmal habe er während den ersten Tagen einen freien Nachmittag gehabt. Diesen verbrachte er mit seinem Bruder und dessen Partnerin im Athletendorf. «Das hat mir sehr gutgetan und mich etwas aus der paralympischen Bubble herausgenommen.»

 

Angespannte Qualifikation

In der Qualifikation merkte Fahrni schnell, dass er angespannt war. «Der Kurs war so angelegt, dass man es richtig ziehen lassen musste. Da bin ich eher im Nachteil, weil ich etwas zu leicht bin.» Mit den Zeiten der Konkurrenz mitzuhalten fiel ihm zunächst schwer. Trotzdem blieb er ruhig. «Ich wusste, am nächsten Tag ist der Wettkampf und dort kann alles passieren.»

 

Schlau gefahren bis in den Final

Im Rennen ging seine Taktik auf. Runde für Runde arbeitete sich Fahrni nach vorne. Besonders auf dem schnellen Abschnitt versuchte er, den Windschatten der Gegner zu nutzen. «Ich hatte während des ganzen Rennens viel Spass und war sehr locker.»

 

Im Final gelang ihm der Start besonders gut. «Fast etwas zu gut», sagt er lachend. Weil er schneller als erwartet war, verpasste er ein Hindernis und verlor kurzzeitig Tempo. Dadurch konnten ihn die drei chinesischen Fahrer wieder einholen. Für Fahrni war dies aber keine schlechte Ausgangslage. «Ich wusste, dass sie um den Sieg kämpfen würden. Deshalb konzentrierte ich mich auf meine Linie.»

 

Als einer der Konkurrenten in der Mitte des Kurses einen Fehler machte, war klar, dass Fahrni die Bronzemedaille sicher hatte. Für mehr fehlte am Ende rund eine Sekunde. Es ist die erste paralympische Medaille für die Schweizer Snowboardcrosser.

 

Trubel nach dem Rennen

Kaum war Fahrni im Ziel, folgten bereits die nächsten Termine. Interviews, Medaillenzeremonie und weitere Verpflichtungen reihten sich aneinander. «Teilweise war es ein ziemliches Durcheinander», erzählt er lachend. «Plötzlich sagen dir ganz viele Leute, wo du als Nächstes hin musst.»

 

Auch die Zeremonie selbst war speziell. «Wenn auf einmal 100 Kameras auf dich gerichtet sind, ist das schon ungewohnt. Aber eigentlich muss man nur dastehen und lächeln.»

 

Am Abend wurde er  im House of Switzerland feierlich empfangen und gefeiert. Dort konnte der Snowboarder mit seiner Familie, Freunden und Teamkollegen anstossen.

 

Die Emotionen des Teams

Emotional verarbeitet hat er den Erfolg noch nicht vollständig. «Die Medaille an sich bedeutet mir gar nicht so viel», sagt er. «Aber zu sehen, was sie im Team auslöst, diese Freude gemeinsam zu erleben, das ist unglaublich.»

 

Das Team sei während der ganzen Spiele eng zusammengerückt. Besonders bewegt hat Fahrni der Sturz seines Teamkollegen Fabrice von Grünigen im Training. Der Schweizer Medaillenanwärter musste danach pausieren. «Das hat uns alle sehr getroffen, da sind auch mir ein paar Tränen gekommen.» Glücklicherweise habe sich von Grünigen «nur» eine Gehirnerschütterung zugezogen und erhole sich gut. Vielleicht könne er bereits beim nächsten Rennen im Banked Slalom wieder starten.

 

Kaum Zeit zum Durchatmen

Für Fahrni bleibt nur eine kurze Pause. Danach geht es bereits mit dem Training für den Banked Slalom weiter. Die Zeit vergehe momentan unglaublich schnell, sagt er: «Erst wenn ich wieder zu Hause bin, habe ich wohl Zeit, alles richtig zu verarbeiten.»

 

Mit dem Gesamtweltcupsieg im Para-Snowboardcross, dem Weltmeistertitel 2023 im Banked Slalom und nun auch einer paralympischen Medaille hat der 27-jährige Emmentaler jedoch bereits jetzt eine aussergewöhnliche Saison hinter sich.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 10.03.2026
Geändert: 10.03.2026
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