Prügel, Pfefferspray und Polizei
Nachbarschaftsstreitigkeiten kommen überall vor, und gemäss einem Bericht der Tageszeitung Blick eskalierte unlängst in Boll ein jahrelanger Nachbarschaftsstreit. Im Spiel waren Prügel und Pfefferspray, zwei Hunde und die Polizei. Jetzt wird zu klären sein, wer zuerst attackiert und wer sich nur verteidigt hat.
Wie Nachbarn miteinander umgehen sollten, ist im Zivilschutzgesetz festgehalten: Alle müssen sich einander gegenüber rücksichtsvoll verhalten, heisst es im Artikel 684 vereinfacht ausgedrückt: «Verboten sind insbesondere alle schädlichen und nach Lage und Beschaffenheit der Grundstücke oder nach Ortsgebrauch nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Luftverunreinigung, üblen Geruch, Lärm, Schall, Erschütterung, Strahlung oder durch den Entzug von Besonnung oder Tageslicht.» Das ist so weit verständlich.
Zu laut, zu stinkig, zu hundig
Nur: Was ist gerechtfertigt? Darüber scheiden sich allzu oft die nachbarlichen Geister, und was die eine noch völlig angemessen findet, ist für den anderen schon heftige Lärmbelästigung. Ein zu schattiger Baum, Grillrauch, bellende Hunde. Gelingt es nicht, sich über solche Punkte zu einigen, ist der Ärger vorprogrammiert. So hat sich gemäss einem Artikel auf Blick.ch in den letzten drei Jahren in Boll ein Streit hochgeschaukelt, bei dem es bis hin zu beiderseitigen tätlichen Angriffen und Anzeigen kam.
Die zerbrochene Flasche ...
Die Hauptpersonen des Dramas: Marcel Imhof, seine Freundin und ihr kleiner Hund zum einen, die Nachbarsfamilie mit dem neuen Partner der Mutter und dessen Rottweilerhund zum anderen. Auslöser des ersten Streits: Eine zerbrochene Flasche. Imhof befahl dem Sohn der Nachbarsfamilie, die Scherben aufzuheben, die er verursacht habe. Es kam zu einem ärgerlichen Wortabtausch, in den sich auch der neue Partner der Mutter, 2023 eingezogen, einmischte: Er verteidigte seinen Stiefsohn, griff Imhof verbal an, und am Ende soll er ihm gar mit einem Stein auf den Kopf gehauen haben.
... und ihre Folgen ...
Zu strafrechtlichen Folgen kam es offenbar nicht. Aber die Situation wurde auch nicht friedlich: In einem weiteren Streit soll Imhof seine Nachbarin im Gesicht verletzt haben. Sie zeigte ihn wegen Körperverletzung an, er bestritt. Dennoch wurde Imhof dafür per Strafbefehl verurteilt. Schon bald darauf jedoch erstattete er selbst Anzeige: Jetzt sei er vom Partner der Nachbarin angegriffen worden, dieser habe ihm mit einem Stein von hinten auf den Kopf geschlagen.
... bis hin zum Pfefferspray
Auch damit nicht genug, wie der Beitrag auf Blick.ch zeigt: Ende April spitzte sich die Situation zu, diesmal waren die Hunde die Auslöser. Zuerst ärgerte sich Imhof über den Nachbarn und seinen Rottweiler, später pöbelte der Nachbar ihn und seine Freundin auf dem Weg zum Abendspaziergang mit ihrem Hund an. Diesmal endete der verbale Schlagabtausch mit einer Ladung Pfefferspray in die Gesichter von Imhof und seiner Freundin.
Anzeige wegen Körperverletzung
Diese stürzte beim Versuch, ihren Hund vor dem Rottweiler zu beschützen, über die Hundeleine, es wurde laut, und schliesslich zogen sich beide Parteien in ihre Wohnungen zurück. Als Polizei und Sanitäter eintrafen, beschuldigte jede Partei die andere, sie hätten angefangen und das Pfefferspray sei nur zur Notwehr eingesetzt worden. Zeugen für diesen Vorfall gab es keine. Imhof und seine Freundin haben bei der Kantonspolizei Bern eine Anzeige wegen Körperverletzung eingereicht, diese hat die Ermittlungen aufgenommen.
Und ein Auszug
Ein Ende wäre vielleicht nicht abzusehen, wenn nicht ohnehin Imhof und seine Freundin im September ausziehen müssten: Der Vermieter hat ihnen gekündigt. Die Nachbarsfamilie sei für eine Stellungnahme nicht erreichbar gewesen, heisst es im Blick-Beitrag. Und wenn dann auch der Streit zwischen diesen Nachbarn zu Ende ist – wirkliche Sieger gibt es keine.