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Riem, Daepp, Kiesen: "Es läuft katastrophal"

Bei der Weinkellerei Riem, Daepp in Kiesen geht was. Wie BERN-OST bei einem Besuch erfuhr, waren die letzten Monate eine Katastrophe. Dennoch wird ein neues Ladenlokal gebaut und ab heute Freitag kann sogar degustiert werden.

Herbert Riem: "Im letzten Jahr brach der Umsatz um 85 Prozent ein." (Bilder: Rolf Blaser)
Alles bereit für die 10-tägige Degustation.
Ein bisschen Bea-Flair darf nicht fehlen.
Im künftigen Ladenlokal soll "der Weg von der Rebe ins Glas" zelebriert werden.
Im Vordergrund des künftige Ladenlokal, links das Weinlager aus Holz gebaut mit Solaranlage auf dem Dach. Rechts Kellerei Riem, Daepp.

Herbert Riem ist ein guter Gastgeber. Als erstes zeigt er mir seinen Betrieb. Wer wie ich noch nie bei einem Weinproduzenten war, kommt aus dem Staunen fast nicht mehr raus. In Kartons, Harassen und Fässern stehen tausende Weinflaschen im Keller. Wer soll all den Wein trinken? Das frage ich mich - und auch ihn. Während er mir einen Schluck Pinot anbietet, erzählt Riem, wie es zu diesem Lager gekommen ist.

 

Ein Keller mit 10'000 Weinflaschen

"Unsere Lager sind übervoll. Wir sind moralisch verpflichtet bei den Weinbauern einzukaufen." Die Weinbauern könnten die Trauben nicht einfach wegwerfen, deshalb habe er weiter Wein eingekauft. Obwohl er diesen nicht an Restaurants verkaufen konnte. "Das vergangene Jahr war eine Katastrophe", sagt Riem, "von den letzten 14 Monaten liefs nur gerade während vier Monaten gut."

 

Er füllt zwei weitere Gläser mit einem Pinot aus einem Eichenfass. Das Lustige dran ist, der Hahn, von dem er den Wein einschenkt, schaut aus einer Wand hervor. Eine Wand, aus der Wein fliesst. Degustieren war noch nie mein Ding. Entweder der Wein schmeckt oder nicht. Dieser schmeckt. Riem nimmt einen Schluck: "Mein Geschmack ist noch nicht richtig zurück." Er habe Corona gehabt und das mit dem Geschmack dauere wohl noch einen Moment.

 

Neues Ladenlokal im Herbst

Wir gehen weiter durch den Keller und stehen vor einer Baustelle. "Oben wird ein Ladenlokal auf 300 Quadratmetern gebaut. Hier unten werden wir Keller-Führungen anbieten. Im Oktober feiern wir Eröffnung." Riems Kellerei füllt selbst Wein ab. Sei es ein Primitivo aus Apulien oder ein Hättenberger aus Ostermundigen.

 

Per Laster kommt der Wein nach Kiesen und wird danach abgefüllt. Seinen Wein verkaufte er bisher nur an die Gastronomie. Da die Nachfrage immer grösser wurde, wird nun ein Ladenlokal für den Direktverkauf gebaut.

 

Degustieren trotz Corona

"Wir haben einen Riesenschaden, den wir nicht verursacht haben." Riem scheint mit dem Lockdown auf Kriegsfuss zu stehen. "Immerhin dürfen jetzt die Terrassen wieder öffnen." Nachdem klar war, dass die Bea nicht stattfindet, fällte Riem einen Entscheid. Weil er die letzten Monate buchstäblich auf seinem Wein sitzenblieb, organisierte er eine Degustation im Freien. Sein Motto: "D'Bea chunnt nid! Aber deguschtiere isch erloubt."

 

Es sei ein Spiessrutenlauf gewesen, bis er das durchgebracht hatte. Zuletzt hatte ihm Regierungspräsident Pierre-Alain Schnegg persönlich versichert, dass er die Degustation machen könne. Die Zeit um die Lager zu leeren, kommt langsam zurück. "Gleich lang wie die Bea ginge, kann man bei uns degustieren. Selbstverständlich alles draussen, coronakonform."

 

Als weitere Gemeinsamkeit zur Bea hats auch noch ein paar junge Säuli. Noch kommen sie freudig, dahergerannt als wir zu ihrem Stall gehen. Schon bald werden sie zu Salami verarbeitet. Diese schmecke übrigens sehr fein.

 

[i] Degustieren im Frühling: Freitag, 30.4. bis Sonntag, 9. Mai 2021 jeweils von 11:00 bis 20:00 Uhr.

[i] Weinkellerei Riem, Daepp & Co. AG, Professoreistrasse 8, Kiesen existiert seit 150 Jahren. Herbert Riem führt den Betrieb in fünfter Generation.

 


Autor*in
Rolf Blaser, rolf.blaser@bern-ost.ch
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Erstellt: 30.04.2021
Geändert: 04.05.2021
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