Riesenerfolg mit Riesenkaninchen
Das Jahr hat gut angefangen für drei Kaninchen-Züchter aus der Region: Gleich etliche Siege haben die Züchter Alain Rubin aus Utzigen, Christoph Wälti aus Vechigen und Michael Braun aus Utzigen an der Schweizermeisterschaft der Französischen Widder gewonnen. Wir wollten wissen: Was ist denn das Besondere an dieser Kaninchenrasse?
Kaninchen der Riesensorte «Französisch-Widder» scheinen bestens zu gedeihen in der Region Bern-Ost: Gleich mehrere Schweizermeister-Titel holten sich drei Züchter aus Utzigen und Vechigen an den Schweizermeisterschaften in Bütschwil SG anfangs Januar. Quasi ein Riesenerfolg für die Riesenkaninchen.
Bis zu acht Kilogramm
Wer sich näher mit den Tieren befasst, sieht rasch: Französische Widder sind nicht herzige kleine Kaninchen, nein, es sind Riesenkarnickel mit einem Gewicht bis zu acht Kilogramm. Ihr Kopf mit den hängenden Widderohren, so gibt das Zuchtreglement vor, ist «verhältnismässig gross, markant und dicht an den Schultern anliegend». Auch der Körperbau ist kräftig – die ursprünglich aus Frankreich stammenden Kaninchen sollten vor allem schnell viel Fleisch und Fell liefern.
Selbstversorgung und Nachhaltigkeit …
Das, erklärt Michael Braun aus Utzigen, sei auch heute noch so: «Die Nutzung der Tiere zählt immer noch, Selbstversorgung und Nachhaltigkeit werden grossgeschrieben.» Seit 120 Jahren stellt man die Tiere in Wettbewerben aus. So können noch schönere Fellfarben und -muster gezüchtet werden und Inzucht wird vermieden.
… und Gesundheit und Vitalität
Michael Braun, ausgebildeter Tierpfleger, hat mit seiner Kaninchengruppe – «Kollektion» heisst die Gruppe aus sechs Tieren – in der Farbe Grau den dritten Platz hinter Wälti belegt. Beim Züchten, betont er, gehe es aber um weit mehr als um Fleisch und Fell: «Primär geht es um Gesundheit und Vitalität.» Er sagt, «Frohwüchsigkeit» sei das Wichtigste überhaupt, und das bedeutet «gesundes Wachstum in passender Zeit».
Abwechslungsreiche Nahrung …
Als Grundnahrung für die Riesenchüngel dienen Heu, Kraftfutter und frisches Wasser. Daneben erhalten sie frisches Gemüse wie Fenchel, Rüebli oder Randen, Kräuter von Oregano und Thymian bis Brennnesseln und Löwenzahn sowie einheimische Stauden. «Gesunde, vitaminreiche Ernährung aus der Natur», fasst Braun zusammen. Das bedeutet ein gutes Stück Arbeit, wenn er von seinen anfangs 35 Zuchttieren im Frühjahr auf einmal 60 bis 80 Jungtiere mehr hat. Er nickt: «Ein so gutes Resultat wie wir dieses Jahr in der Region erreicht haben, kommt nicht von nichts – das Züchten dieser Rasse ist ein aufwendiges Hobby.»
… und aufwendige Pflege
Schon als Sechsjähriger hat Michael Braun mit Züchten angefangen und in drei Jahrzehnten viel Erfahrung gesammelt, inzwischen hat er die dreijährige Ausbildung zum Kaninchenexperten abgeschlossen und gibt Tierpflege-Lernenden Kurse über Ernährung. «Man muss täglich zu den Tieren schauen und ist sehr angebunden, man kann ja nicht einfach wie beim Sport einmal ein Training ausfallen lassen», sagt er. Darum stiegen nur wenige Junge in dieses Hobby ein, er sei mit seinen 36 Jahren einer der jüngsten Züchter.
Ausnutzung oder Hingabe?
Vorwürfe von Tierschützern über unzeitgemässe Haltungsbedingungen oder Ausnutzung wehrt Braun ab: «Wir kümmern uns hingebungsvoll um unsere Tiere und sorgen für wohlgesundes Wachstum», sagt er. Dazu gehören grosse Käfige, viele mit Häuschen oder Etagen darin, und die gesetzlichen Vorgaben – doppelter Platzbedarf von Zwergkaninchen – würden immer eingehalten. Viele hätten wie er eine Freilauffläche, auf der die Tiere rennen können, teils mit einem Häuschen drin, und frische Hasel- oder Buchenzweige zur Beschäftigung.
Mütter und Jungtiere in Gruppen …
Nur so gelinge es, dass die Tiere an Ausstellungen ruhig und sichtlich an Menschen gewohnt seien. Auch die Einzelställe seien keine Quälerei, denn Kaninchen seien zwar soziale Tiere, benötigten aber auch ihren Rückzug. «In gewissen Phasen erhalten sie dann den nötigen Kontakt mit anderen Tieren», erklärt Michael Braun. «Muttertiere lasse ich so lange wie möglich mit ihren Jungen zusammen», erklärt Michael Braun.
… so lange es geht
«So lange wie möglich» dauere je nachdem zwei, drei Monate, danach begännen die Mütter, ihre Jungen zu vertreiben. Die Jungtiere lässt er dann noch eine Weile in der Gruppe, bis sie als Haustiere an Familien oder als Zuchttiere weiterverkauft werden. Und dann sei Rückzug angesagt: «Wenn sie geschlechtsreif werden, vertragen sie sich nicht mehr untereinander.»
Am Ende dann doch: Der Metzger
Namen erhalten die Tiere bei Michael Braun wie bei vielen anderen Züchtern nicht – ausser den paar Tieren, die nach langer Zucht bei ihm in Pension bleiben dürfen: «Diese wachsen mir auch ans Herz». Aber – jetzt kommt die Antwort auf die grosse Frage: «Ja, klar, ich metzge auch.» Das möge einige erstaunen, für ihn macht es Sinn: «Ich esse gerne Fleisch, und so weiss ich, dass es von Tieren kommt, die gesund aufgewachsen sind, ein glückliches Leben hatten und ohne lange Transportwege von einem Metzger in der Umgebung stressfrei geschlachtet wurden.»
Fleisch und Fell verwertet
Das sei die beste Herkunftsdeklaration, und auch die Nachhaltigkeit sei so gewährleistet. Denn von einem Kaninchen könne man fast alles verwerten: «Das Fleisch kann sogar verwendet werden, wenn der Chüngel nicht mehr ganz jung ist – dann gibt’s halt Würste und Hamburger.» Pfoten und Ohren werden zu Hundekauartikeln, die er in seinem Shop vertreibt. Weggeworfen werde so wenig wie möglich, sagt Braun, und im Verein gebe es glücklicherweise Fellnähgruppen: «Diese produzieren aus den Fellen Ohrenwärmer, Finken, Gilets, Handschuhe und kleine Felltierchen.»
«Schweizermeister – das Schönste!»
Hier zählt also nebst dem Fleisch wieder das schöne Fell. Christoph Wälti aus Vechigen züchtet die Tiere seit 25 Jahren und in verschiedenen Farben, und er freut sich: Dieses Jahr gewann er mit seiner Gruppe der Grauen, die ein besonders schönes Fell zeigten. «So wurde ich zum ersten Mal Schweizermeister», strahlt er. «Das ist der schönste Erfolg!»
Sogar mehrere Siege …
Alain Rubin aus Utzigen hat mit seinen Tieren sogar drei Siege geholt: Einen ersten Platz mit einer Gruppe in Schwarz, einen zweiten Platz mit einer Gruppe in Blau und dann noch einen ersten Platz mit einer Farbenschlagsiegerin in Blau. Diese Siege waren nicht seine ersten, und sie kommen nicht von nichts: Rubin züchtet Kaninchen, seit er ein Unterstufenschüler war.
… dank viel Zuwendung
Ob hinter seinem Zuchterfolg ein Geheimnis steckt? Rubin überlegt nicht lange und antwortet, für den Erfolg brauche es viel Zeit und Geduld, ausserdem viel Pflege und eine ausgewogene Ernährung. Und ein Geheimtipp sei sicher: «Viel Liebe und Zuneigung für die Kaninchen!»
Informationen über Kleintierzucht
Bei Michael Braun in Utzigen gibt es viele wichtige Infos rund um Kaninchenzucht und andere Kleintiere.
Das waren die siegreichen Züchter aus der Region
Schweizermeister Kollektion Französische Widder, schwarz
Rubin Alain, 3068 Utzigen, Total 96.3
Kollektion Französische Widder, blau
2. Rang Rubin Alain, 3068 Utzigen, Total 96.0
Schweizermeister Kollektion Französische Widder, grau
Wälti Christoph, 3067 Vechigen, Total 96.0
3. Rang Braun Michael, 3068 Utzigen, Total 95.9
Farbenschlagsiegerin Französische Widder, blau
Rubin Alain, 3068 Utzigen, 97.0