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Ritzele Münsingen: "Ihr habt unser Quartier geopfert"

Das Gebiet Ritzele/Stude in Münsingen wird zur Zeit ökologisch aufgewertet. Aufgrund der damit verbundenen Waldauslichtung zwischen Autobahn und Wohnquartier beklagen die Anwohner mehr Lärm und Abgase. An einer Begehung informierte die Gemeinde am Donnerstag über die Renaturierung. Die Behörden mussten massive Kritik einstecken.

Gemeindepräsident Beat Moser zur Renaturierung Ritzele/Stude. (Video: Res Reinhard/Tobias Kühn)
Anwohnerin Ursula Schmiemann über die Sorgen nach den Rodungsarbeiten. (Video: Res Reinhard/Tobias Kühn)
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Das Waldgebiet Ritzele/Stude soll künftig sowohl Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen als auch Naherholungsgebiet sein. (Bild: zvg)
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So soll das Waldgebiet nach der Aufwertung aussehen. Legende: 1 Permanenter Tümpel, 2 Temporärgewässer, 2 Dämme, 4 stark ausgelichteter Wald, 5 Holzhaufen, 6 Baumstämme, 7 Wasserspiegel Sommer, 8 Wasserspiegel Winter. (Skizze: zvg)
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Auf sechs Hektaren soll Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen werden, der auch als Naherholungsgebiet zur Verfügung steht. Die ökologische Aufwertung verfügt hat das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR), im Herbst 2017 wurde das entsprechende Baugesuch publiziert und vom Regierungsstatthalteramt anschliessend bewilligt.

„Gegen die Renaturierung als solches sind wir nicht. Es wird sicher schön“, sagt Anwohnerin Susanne Loosli gegenüber BERN-OST. Aufgrund der vorgenommenen Rodungsarbeiten sei jedoch der Lärm der Autobahn besser hörbar. „Nach dem Einbau des Flüsterbelags war es besser, nun ist es wie früher.“ Mehrere Anwohner hätten sich deshalb an die Gemeinde gewandt und Massnahmen gefordert.

Burglind lichtete Wald zusätzlich

Die Gemeinde bestätigt dies in einer Vorankündigung zur Informationsveranstaltung. Aufgrund der fehlenden Waldfläche hätten sich Anwohner über mehr Lärm durch die Autobahn beklagt. Forderungen zur Reduktion der Immissionen und entsprechende Massnahmen wie Sicht- und Lärmschutz seien eingegangen.

„Nach der geplanten Ausholzung kam der Sturm Burglind“, sagt Gemeindepräsident Beat Moser im Vorfeld der geplanten Begehung. Zusätzlich zu den rund 700 Kubikmetern Holz, die Ende Jahr in Zusammenhang mit der Renaturierung geschlagen wurden, fielen somit weitere 300 Kubikmeter Holz.

"Ihr habt uns angelogen"

An der Begehung vom Donnerstag mussten sich die Behörden massive Kritik anhören. Insbesondere wurde bemängelt, dass mehr Wald gerodet worden sei als geplant. Viele Leute wurden auch grundsätzlich: "Weshalb wurde diese Projekt überhaupt gemacht?" Und: "Ihr habt unser Quartier für ein paar Frösche geopfert."

Gemeinde will Anpflanzung zusätzlicher Bäume prüfen

Gemeindepräsident Beat Moser versprach den Anwohnern, das Anpflanzen zusätzlicher Bäume zu prüfen. Zusätzlich will das ASTRA neue Lärmmessungen vornehmen und allenfalls die Lärmschutzwand bei der Autobahn verlängern. Bis diese Massnahme realisiert sei, daure es allerdings mindestens 15 Jahre, sagten die Vertreter des ASTRA.


Autor*in
Res Reinhard / Eva Tschannen, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 06.04.2018
Geändert: 06.04.2018
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