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Rössli Richigen: Gewerbe kämpft für Dorfbeiz

Das Rössli Richigen leidet unter der Corona-Krise. Abgesagte Anlässe und fehlende Gäste bereiten dem Wirt grosse Sorgen. Zwei Handwerker aus dem Dorf wollen ihn unterstützen und machen ihm ein Geschenk.

Wirt Oski (rechts) erhielt Hilfe von Maler Thomas Lehmann und Zimmermann Andreas Bergmann. (Bilder: Adrian Kammer)
Im Speisesaal hängen Plexiglas-Scheiben zwischen den Tischen.
Frisch gestrichene Trennwände (Bild: zvg)

Auf den ersten Blick sind sie gar nicht als Corona-Massnahmen erkennbar. Die mit Tapetenmuster und passender Farbe verzierten Trennwände fügen sich perfekt in das Bild der Gaststube im Rössli ein. "Das war eine schöne Überraschung", sagt Wirt Arunasalam Malaichchelvan, genannt "Oski",  über den Moment als er die neuen Trennwände erhielt.

 

Als Anfang Oktober die Massnahmen für Restaurants verschärft wurden, fragte Oski umgehend beim Zimmermann Andreas Bergmann um Hilfe. Er wollte Plexiglasscheiben wie man sie von anderen Gastrobetrieben kennt als Trennwand zwischen den Tischen. Eine kurze Recherche zeigte, dass diese Lösung teuer und die Lieferfristen lang sind. Sechs bis acht Wochen hätte man auf die Ware warten müssen. Zu lange für Oski.

 

"Das muss schöner aussehen"

Provisorisch stellte Bergmann rohe Sperrholzplatten zwischen die Tische. Der Richiger Maler Thomas Lehmann war nicht begeistert, als er das Gasthaus betrat und die Wände das erste Mal sah. "Mir war klar: Das muss schöner aussehen, damit sich die Gäste wohl fühlen", sagt der Maler. Daraufhin habe er Andreas Bergmann angefragt, um gemeinsam schönere Trennwände für das Rössli zu fertigen. Der habe sofort zugesagt.

 

Die beiden selbstständigen Handwerker suchten die passenden Holzplatten aus, schnitten sie zu, strichen sie und beklebten sie mit der Tapete. Dann wurde noch ein Fuss montiert und fertig war die neue Trennwand. Oski selbst war nur am Rande involviert in das Projekt. Er wusste einzig, dass Lehmann die Wände streichen wollte.  Um so mehr staunte der Wirt, als die Elemente am letzten Samstag geliefert und installiert wurden. Der Maler und der Zimmermann teilten sich die Kosten und schenkten ihm das Werk.

 

Einziger sozialer Treffpunkt

"Uns geht es darum, die Dorfbeiz in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen. Sonst haben wir nichts mehr für das soziale Leben hier in Richigen", meint Lehmann.  "Ich bin sehr froh um diese Unterstützung", sagt Oski. Und er braucht sie dringend. Die ganze Corona-Situation bringt ihn in eine schwierige Lage. Es fehlen die Gäste und er kann keine Anlässe im grossen Saal durchführen. 

 

An diesem Wochenende hätte das traditionelle Lotto der Hornusser stattgefunden. Das ist einer von vielen Anlässen, die wichtig für die finanzielle Sicherheit im Rössli sind. So sitzt der Wirt nur auf den Kosten. Dazu kommt die schwierige Planung für das Restaurant. Zwischendurch sei die Gaststube auch einen ganzen Vormittag leer und dennoch müsse er bereit sein, falls plötzlich eine Gruppe auftaucht, erklärt Oski. Wieviel Essen soll er bestellen? Soll er noch Personal kommen lassen? Solche Fragen beschäftigen den Wirt. Im schlimmsten Fall wird das Essen schlecht, das Personal hat nichts zu tun und alles muss noch bezahlt werden.

 

Kampf ums Überleben

"Ich schaue von Woche zu Woche", sagt Oski. Am einfachsten wäre es, das Restaurant vorübergehend zu schliessen. Das wolle er aber wenn möglich vermeiden. "Das Rössli ist die einzige Beiz hier in Richigen. Die Leute hätten keine Alternative", so der Wirt. Die Stammgäste kommen schliesslich immer noch. Dafür bleiben die Vereine fern. Viele der Mitglieder sind schon älter und gehören der Risikogruppe an. Auch Gäste von ausserhalb finden nur noch selten den Weg nach Richigen.

 

Es sei vor allem die Angst, die die Leute von einem Restaurantbesuch abhalte, sind sich Oski und die beiden Handwerker einig. "Wir müssen den Leuten klar machen, dass sie solche Betriebe bewusst unterstützen müssen. Sonst sind sie bald nicht mehr da", meint Maler Lehmann. Und Oski sagt: "Ich habe Angst, wenn ich an die Wintersaison denke." Er fürchtet um seine Existenz und fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Deshalb hofft der Wirt auf mehr Gäste. So auch Lehmann. Er sagt: "Richigen ohne Rössli kann ich mir nicht vorstellen."

 

 

 

[i] Das Rössli Richigen bietet derzeit auch Take-Away an. Mehr Infos unter roessli-richigen.ch


Autor*in
Adrian Kammer, adrian.kammer@bern-ost.ch
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Erstellt: 19.11.2020
Geändert: 19.11.2020
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