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Rössli Zäziwil: "Unhaltbare Zustände"

Seit dem vergangenen Juli werden im traditionellen Zäziwiler Gasthof zum Weissen Rössli wieder Zimmer vermietet. Ein ehemaliger Mieter meldete sich bei BERN-OST und sprach von unhaltbaren Zuständen.

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Zimmer im Weissen Rössli. (Bild: BERN-OST)
Im Juli berichtete BERN-OST, dass im ehemaligen Gasthof zum Weissen Rössli in Zäziwil Zimmer ausgeschrieben sind. Ein Leser befürchtete in einem Kommentar zum Artikel eine "anderwertige" Nutzung der Zimmer, da das Rössli für ein seriöses Hotel zu wenig gut im Schuss sei.

Wo er recht hatte: Vor dem Rössli parken tatsächlich viele Autos mit Nicht-BE-Kennzeichen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Ausserkantonale, die in Zäziwil diskrete Dienstleistungen beanspruchen. Die neuen Mieter sind männlich und leben im Rössli, während sie in der Schweiz arbeiten (BERN-OST berichtete). Ab 600 Franken gibt es ein Einzelzimmer mit Mitbenützung von Dusche und Küche.

Flucht nach zwei Nächten

Was den Zustand des ehemals herrschaftlichen Gasthofs angeht, meldete sich bei BERN-OST letzte Woche ein ehemaliger Mieter. B.M.* war schockiert über den Zustand des Rössli. Er habe in einem Bretterverschlag geschlafen, der in den Saal des Gebäudes gebaut war. Er fand die Zimmer schäbig, die Infrastruktur mangelhaft bis fahrlässig. "Nach zwei Nächten habe ich den Ort fluchtartig verlassen. Ich glaube nicht, dass man Schweizer so wohnen lassen würde."

Auch "nicht so gute" Zimmer

BERN-OST sprach mit Rössli-Besitzer Hermann Birrer und Pächter Thomas Rutschi und nahm den Gasthof in Augenschein. Birrer bestätigte, dass es im Rössli auch „nicht so gute“ Zimmer gebe. Ihm sei bekannt, meinte er auf den Bretterverschlag im Saal angesprochen, dass Rutschi den Plan habe, „mehr zu machen aus den grossen Räumen.“ Zurzeit habe es 23 Zimmer und zwei 2-Zimmer-Wohnungen, es lebten wohl 30 – 40 Leute da.

Pächter Rutschi spricht auf der Hausführung durchs Rössli von rund 40 Zimmern und 45 Mietern. Die Leute seien froh um die Zimmer. Seit den Artikeln in den Medien sei er ausgebucht, also könne es so schlimm nicht sein. Er zeigt auf ein Loch in der getäferten Flurdecke: „Da hat es reingeregnet. Wir haben ein paar Dachziegel ausgewechselt, jetzt ist es wieder dicht.“

Notzimmer im Rössli-Saal

Den Verschlag im Saal gibt es tatsächlich. Er ist aus Dachlatten und Spanplatten gezimmert. Er werde aber nur als „Notschlafstelle“ genutzt, für maximal zwei Nächte. „Ich wollte den ganzen Saal so machen.“ Offenbar war mit dem Verschlag aber trotz grosser Zimmernachfrage eine Grenze erreicht. „Die Leute wollen nicht darin wohnen. Also reisse ich ihn wieder ab.“ 


Akteptabel, aber zu teuer


Würden Schweizer im Rössli wohnen?
BERN-OST meint: Ja, aber. 

Die Zimmer sind einigermassen sauber, aber klein und tatsächlich nicht Schweizer Hotelstandard, auch nicht für ein einfaches Hotel. Vergleichbare Angebote im Internet - Dauermiete von Hotelzimmern für Arbeitsreisende - bieten zu ähnlichen Preisen schön eingerichtete Zimmer mit eigener Dusche, TV und wöchentlichem Putzservice.

Doch auch unter Schweizern gibt es eine Nachfrage nach einfachem und dafür billigem Wohnraum. Und unerträglich sind die Verhältnisse im Rössli nicht. Es bietet als ehemaliger grosser Landgasthof auch Vorteile: Viele und grosse Aufenthaltsräume, eine riesige Gastroküche und genug Platz im Kühlschrank. Die Gäste sind teilweise nur kurze Zeit im Land und tagsüber auf der Arbeit, da braucht man keine Luxusbleibe. Allerdings sollten dann auch die Preise entsprechend tief sein. Selbst Rössli-Besitzer Birrer räumt ein: "Für die nicht so guten Zimmer sind die Preise vielleicht ein wenig zu hoch."


[i] Zum BERN-OST Inserat...

*Name der Redaktion bekannt

Autor*in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 17.09.2013
Geändert: 24.06.2018
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