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Abbruch Sägerei Boll - "Aus den Balken mache ich mir jetzt ein Bett"

Die Abbrucharbeiten haben begonnen. Die Sägerei von Peter Brand in Boll muss dem Projekt  Boll-Süd weichen. Brand hat sich schon jahrelang auf diesen Moment vorbereitet, nun trifft es ihn dennoch hart, zu sehen, wie seine Bude und sein Elternhaus zerstückelt werden. Einige Balken möchten er und seine Kinder retten und sich zum Andenken Möbel daraus bauen. 

Seine Sägerei in Boll wird abgerissen. Peter Brand auf der Baustelle. (Bilder: Annalisa Hartmann)
44 Jahre hat Peter Brand in der Sägerei gearbeitet.
Am Montag sind die Bagger aufgefahren.
Auch Brands Elternhaus muss weichen. Noch dient es den Bauarbeitern als Büro, später wird es, wie die Sägerei, abgerissen.
Der Grund dafür: Die neue Doppelspur-Zuglinie, deren Strecke quer durch die ehemalige Sägerei führt.
Brands Wohnhaus bleibt bestehen. Allerdings führt die Zuglinie direkt am Haus vorbei.
Der letzte Baumstamm wurde mit einem Café de Paris gefeiert. (Bild: zvg)
Das Bett und das Sofa haben die Söhne von Peter Brand selber gebaut. (Bild: zvg)
Das Bett und das Sofa haben die Söhne von Peter Brand selber gebaut. (Bild: zvg)

"Jetzt ist es soweit", sagt Peter Brand. Er sitzt auf einer Bank vor seinem Wohnhaus an der Moosgasse in Boll. Von nebenan hört man Baulärm. Anfang Woche sind die Bagger aufgefahren. Brands Familienbetrieb, die 100-jährige Sägerei, die sich direkt neben dem Wohnhaus befindet, wird abgerissen. Der Grund: das Bauprojekt Boll-Süd, das einen neuen Bahnhof und eine neue Überbauung umfasst. Damit man das Projekt realisieren kann, muss die Bahnlinie verlegt werden. Künftig führt sie direkt über das Gelände der Sägerei.

 

Von dem Projekt weiss Brand schon seit einigen Jahren. Zunächst sei es ein Schock gewesen (wir berichteten). "Ich musste schon dreimal leer schlucken", sagt Brand. Vor 42 Jahren hat er die Sägerei übernommen und "mit Herzblut" sechs bis sieben Tage die Woche darin gearbeitet. Für den Unternehmer sei aber schnell klar gewesen: Das Bauprojekt ist von öffentlichem Interesse. "Da kann man gar nichts machen. Entweder man gibt das Haus oder sie nehmen es einem." Die Familie Brand musste sogar mehr als ein Haus geben. Die Sägerei und das Elternhaus gleich oberhalb, das den Geschwistern von Peter Brand gehört. "In dem Haus bin ich geboren und aufgewachsen", sagt Peter Brand. Die Zeit des Abbruchs sei für ihn nun schon sehr emotional. Um sich ein bisschen abzugrenzen, fährt er nächste Woche in die Ferien. 

 

Prosecco zum letzten Baumstamm

Peter Brand ist nun 65 Jahre alt. Dass er zum Zeitpunkt des Abbruchs gerade das Pensionsalter erreicht hat, erleichtert ihn. Wann die Abbrucharbeiten stattfinden, war lange nicht richtig klar. Erst hiess es 2016. Dann 2017. Der Start verzögerte sich immer wieder. Ein bisschen arbeiten wolle er weiterhin, aber nicht mehr im gleichen Rahmen. 

 

Die Baustelle neben seinem Haus wird nun etwa zwei Jahre bestehen, wie Brand weiss. Zu den Bauarbeitern habe er ein gutes Verhältnis. "Sie geben mir schöne Balken. Daraus mache ich mir jetzt ein Bett", sagt er. Das Bett soll ein Erinnerungsstück werden. Seine 16-jährigen Zwillingssöhne haben auch schon Möbel aus den Balken der Sägerei hergestellt: ein Bett und ein Sofa. Dabei habe das Schreinern nicht zu seiner eigentlichen Tätigkeit gehört, sagt Brand. stattdessen hat er Holz verarbeitet und an Zimmermänner, Dachdecker und Privatpersonen geliefert. Den letzten Baum hat er am ersten April durch die Maschine gelassen. Brand hat diesen Moment bewusst zelebriert, eine Proseccoflasche für sich an das Ende des Baumstammes gestellt. Damit durfte er auf den Abschluss anstossen. 

 

In der Nähe bleiben

Trotz aller Veränderung und trotz des Zuges, der unmittelbar neben dem Haus durchfahren wird, will Brand mit seinen Kindern im Haus in Boll wohnen bleiben. Für später hat er sich bereits einen anderen Plan zurecht gelegt: eine Wohnung in der Nähe der alten Sägerei. Aus diesem Grund hat er ein Stück Land gekauft und einen Wohnblock bauen lassen. Im November sei er bezugsbereit. "Aber ich habe alle Wohnungen vermietet", sagt Brand. "Vorerst bleibe ich, wo ich bin." 


Autor
Annalisa Hartmann, annalisa.hartmann@bern-ost.ch
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Erstellt: 12.07.2019
Geändert: 12.07.2019
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