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Samuel Burger: Der singende Pfarrer von Konolfingen

"Ich brauche eine Band, die mich zwingt, jede Woche zu üben", sagt Samuel Burger mit einem Augenzwinkern. Diese Situation hat der Konolfinger Pfarrer seit rund anderthalb Jahren nach einigen, immer wieder eingeschlafenen Musikprojekten wieder. Diesen Freitag gibt die Band ihr offizielles Konzertdebüt an den Konolfinger Liedertagen.

Mit neuer Band unterwegs: Samuel Burger (Zweiter von links, Gitarre, Gesang) mit Armand Glauser (links, Schlagzeug), Alexander von Kiparski (Zweiter von rechts, Gitarre) und Stefan Küttel (Bass). (Bild: zvg)
Wolken als Spiegel der Seele: Samuel Burgers Lieder sind voller Bilder. (Bild: zvg)

Seit er 18 war, macht Samuel Burger Musik. Singen und Gitarre spielen brachte er sich grösstenteils selber bei, schaute bei anderen ab. Seine Lieder schreibt er in Mundart. "Ich stehe hoffentlich am Anfang", sagt er nun zu seinem neuen Projekt.

 

Im Laufe der Jahre spielte er in unterschiedlichen Bands und Formationen. Im letzten Studienurlaub 2008 schrieb er zuletzt neue Stücke, nahm ein Album auf und spielte auch live. "Verschiedene Umstände führten immer wieder zur Aufgabe der Projekte", sagt Burger. Nun, da die Kinder ausgeflogen seien, habe er wieder mehr Zeit.

 

Burger: "Ihr müsst meine Songs spielen"

So kam es, dass Burger vor anderthalb Jahren in die aktuelle Band seines früheren Bandkollegen Alexander von Kiparski einstieg, die einen Sänger suchte. Allerdings unter einer Bedingung: "Ich komme, aber ihr müsst meine Songs spielen", zitiert Burger sich selbst mit einem Schmunzeln. Die Band akzeptierte dies, wie auch die damit verbundene Änderung des Bandnamens von "Misty Monday" in "Burger".

 

Seit da haben Samuel Burger (Gesang, Gitarre), Armand Glauser (Schlagzeug), Stefan Küttel (Bass) und Alexander von Kiparski (Gitarre) ein Repertoire aufgebaut und ein paar kleinere Auftritte absolviert. Im Juli veröffentlichten sie unter dem Titel "mängisch..." vier neue Songs.

 

Amerikanische Vorbilder

Jazzig, aber dennoch sehr zugänglich tönt die Band. "Meine Vorbilder sind vorwiegend aus der amerikanischen Singer-Songwriter-Szene, welche hierzulande nicht besonders bekannt ist", sagt Burger über seine musikalischen Einflüsse. Wichtig seien ihm Originalität, ein eigener Stil und dass die Lieder textlich authentisch seien.

 

Burgers Texte klingen tiefgründig und nachdenklich, sind voller Träume und grosser Fragen, mit einem kritischen Blick auf das eigene Leben. "Meine neueren Lieder sind sehr persönlich", sagt Burger. Er glaube aber, dass andere Menschen ähnliche Probleme und Gedanken hätten.

 

Suche nach Bildern

Besonders gerne packt er seine Ideen in Bildsprache. "Im neuesten Text verarbeite ich ein Erlebnis von einer Wanderung, auf der ich Wolken sah, und in denen sieht man ja immer das, was einem grad selber beschäftigt", gibt Burger ein Beispiel.

 

Eine Textzeile aus dem Song "Mängisch zart u mängisch wild" beschreibt dies mit den poetischen Worten "I ha uf der Wält uss Bilder gseh, wo z’innerscht y mir sy". Solche Bilder suche er und hoffe, dass sich auch andere darin sehen könnten. "Ein Text, der berührt, ist gut", findet Burger.

 

Der Glaube im Hintergrund

Seien die Lieder auf seinem im Studienurlaub aufgenommenen Album "12 Songs" noch direkter aus seinem Alltag als Pfarrer – "Abschied nehmen, um Antworten ringen" – entstanden, so stehe seine Religiosität in den neuen Stücken nicht im Vordergrund.

 

"Weil ich das beruflich mache, muss ich es vielleicht nicht auch noch in der Musik ausleben", reflektiert Burger. Im Hintergrund sei sein Glaube aber sicher präsent, "zum Beispiel in einer positiven Haltung trotz ernüchternder Erlebnisse." Insofern werde er auch nicht von der Kanzel Werbung für das kommende Konzert machen, sagt Bruger halbironisch. Dennoch kenne er viele Leute, die er zum Konzert einlade sowohl von der Kirchgemeinde als auch privat.

 

Erstes Konzert, letzte Liedertage

Burger freut sich auf das Konzert. "Mein Ziel ist, dass es Full House gibt", sagt er. Ein ehrgeiziges Ziel, sagt Burger doch auch: "Es sind die letzten Konolfinger Liedertage, da jeweils zu wenig Besucher kamen."

 

Und geht die Band bald wieder ins Aufnahmestudio? Burger: "Ein neues Album ist noch nicht geplant, aber Material wäre da."


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 22.11.2018
Geändert: 22.11.2018
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