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Schlossherrin Martine von Wattenwyl: "Die Kinder erinnern sich ein Leben lang daran"

Zum Ende des Jubiläumsjahres gibt es in Oberdiessbach mit «Son et Lumière» nochmals ein besonderes Highlight zu entdecken. Analog dem Vorbild grosser Städte wird die Fassade des Neuen Schlosses während vier Tagen - vom 7. bis 11. Dezember – zum Mittelpunkt einer Ton- und Lichtshow. Initiiert hat das Projekt Martine von Wattenwyl. Die Schlossherrin, die meist lieber im Hintergrund wirkt.

Martine von Wattenwyl vor dem Neuen Schloss, das Anfang Dezember im Mittelpunkt von "Son et Lumière" steht. (Bild: Eva Tschannen)
"Ich habe mich sofort wohl gefühlt": Martine von Wattenwyl beim Kaffee im Alten Schloss, wo sie seit 30 Jahren lebt. (Bild: Eva Tschannen)
Geschichte in Bild und Ton: An vier Abenden wird die Fassade des Neuen Schlosses in festliches Licht getaucht. (Bild: Philippe B. Zürcher)
"Der Hügel und die Mauern des Gemüsegartens werden auch beleuchtet", erzählt Martine von Wattenwyl. (Bild: Eva Tschannen)
Die von Martine von Wattenwyl für den Osterbrunnen kreierte Figur, schmückt nun den Schlosspark. (Bild: Eva Tschannen)

Die Auffahrt zum Schloss und das historische Gebäude selbst liegen unter einer Nebeldecke. Es ist kalt an diesem Morgen. Bis zur Premiere von «Son et Lumière» dauert es nicht mehr lange. «Es wird ein sehr emotionaler Moment», sagt Martine von Wattenwyl, während sie durch den Garten des Neuen Schlosses geht. Seit mehreren Monaten ist die Schlossherrin intensiv mit der Planung der Ton- und Lichtshow beschäftigt, deren Hauptelement ein vom Medienkünstler Marc-André Gasser an die Hauptfassade des Neuen Schlosses projiziertes Video-Mapping darstellt.

 

Wenn Geschichte zum Leben erwacht

«Die Idee dazu ist vor vier Jahren entstanden», sagt von Wattenwyl. Als sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Sigmund von Wattenwyl in Nancy war, habe sie erstmals an einem historischen Gebäude eine in Frankreich als «Son et Lumière» bekannte Ton- und Lichtshow gesehen. Sogleich sei der Gedanke aufgekommen, dies auch in Oberdiessbach umzusetzen. Aufgrund des geplanten Kunstführers und des kostenintensiven Unterhalts des Schlosses rückte das Projekt jedoch etwas in den Hintergrund. Pünktlich zum Ende des Doppeljubiläumsjahrs – 800 Jahre Oberdiessbach und 350 Jahre Neues Schloss – ist es nun soweit.

 

Vom 7. bis 11. Dezember wird das Schloss vier bis fünf Mal pro Abend in festliches Licht getaucht. Geschildert wird dabei aber nicht wie etwa bei «Le Petit Prince» beim Berner Bundeshaus eine bekannte Erzählung. Im Mittelpunkt steht die hauseigene Geschichte. Angefangen beim Erbauer Albrecht von Wattenwyl, untermalt von passender Musik und erlebbar für alle Generationen. «Die Kinder erinnern sich ein Leben lang daran», erhofft sich von Wattenwyl und fügt mit einem Lachen an. «Ich habe Sozialwissenschaften und Pädagogik studiert – vielleicht habe ich mir deshalb eine Lichtshow gewünscht.»

 

Wie sie beim Rundgang durch das Anwesen verrät, wird jedoch nicht nur die Fassade des Neuen Schlosses Teil des Lichtspektakels. Die Schlossscheune sowie die Mauern des Gemüsegartens werden mit Lichtinstallationen der Dresdner Künstlerin Claudia Reh bespielt und die beiden Alleen durch Elemente in Szene gesetzt, die üblicherweise beim Lichtfestival in Murten im Einsatz sind. «Die Besucher können herumgehen und haben so nicht kalt», freut sich die 55-Jährige auf dem Weg in die warme Stube im Alten Schloss, dem Wohnsitz von Sigmund und Martine von Wattenwyl.

 

Der Liebe wegen nach Oberdiessbach

Die gebürtige Waadtländerin lebt seit 30 Jahren in Oberdiessbach. Wie die meisten kleinen Mädchen träumte sie als Kind davon, Prinzessin zu werden. «Im Alter von sieben Jahren hatte ich einen Freund, der auf einem Schloss lebte. Gemeinsam mit einer Freundin fuhr ich jeweils auf dem Trottinett zu ihm – und war jeweils wahnsinnig beeindruckt von der grossen Küche dort», erinnert sie sich. Dass ihr heutiger Ehemann einst Schlossbesitzer würde, wusste sie jedoch lange Zeit nicht. Kennengelernt haben sich die Beiden auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Martine von Wattenwyls Eltern, wo der Oberdiessbacher ein Praktikum machte. «Bei einem Besuch bei ihm zu Hause haben meine Eltern dann das Schloss entdeckt», fügt sie mit einem sympathischen Lächeln an.

 

Auch wenn es nicht nur einfach gewesen sei, Familie, Sprache und Kanton hinter sich zu lassen und sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. «Ich habe mich sofort wohl gefühlt hier.» Geholfen habe ihr dabei auch, dass sie nach einem Deutsch-Kurs an der Migros-Klubschule angefragt worden sei, ob sie nicht Französisch-Unterricht geben möchte. «Und natürlich die Kinder», so die vierfache Mutter, deren leichter französischer Akzent noch auf die Herkunft verweist.

 

In die Aufgaben hineingewachsen

In all den Jahren ist sie in ihre Rolle als Schlossherrin hineingewachsen. «Ich sehe mich mehr als Unternehmerin. Wir machen enorm viel selbst», sagt sie. Während ihr Ehemann den Landwirtschaftsbetrieb führt und repräsentative Aufgaben wahrnimmt, wirkt sie eher im Hintergrund, übernimmt etwa Reinigungsarbeiten oder kreiert die Blumendekorationen für Anlässe. Gemeinsam machen sie Führungen durchs Schloss. «Die Rollen sind ähnlich verteilt wie in der Kindheit bei mir und meinem Zwillingsbruder. Mein Mann ist der Aussenminister, ich die Innenministerin. Das entspricht mir sehr.»

 

Verantwortung fürs Schloss

Die historischen Gebäude und deren Erhalt für die nächste Generation brächten eine grosse Verantwortung mit sich, wobei manchmal auch die eigenen Interessen in den Hintergrund geraten würden, gibt sie zu bedenken. Missen möchte sie diese dennoch auf keinen Fall, wie sie auf dem Rückweg durch den Park verrät. «Wenn ich abends hier durchgehe, bin ich jedes Mal verzaubert.»

 

Dass «Son et lumière» den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet, freut Martine von Wattenwyl denn auch besonders. «Das Engagement der Dorfbevölkerung für das Jubiläum ist grossartig. Mit der Lichtshow möchten wir ihr etwas zurückgeben.» Und auch wenn das kommende Jahr nach insgesamt elf verschiedenen und damit insgesamt 34 Jubiläumsanlässen in und ums Schloss vermutlich etwas ruhiger wird. Das nächste Projekt hat die engagierte und kreative Oberdiessbacherin bereits im Kopf. «Ich träume davon, hier einmal einen Anlass zu organisieren, bei dem alles mit Kerzen beleuchtet ist.»

 

[i]«Son et Lumière» Neues Schloss Oberdiessbach, Freitag, 7. Dezember bis Dienstag, 11. Dezember, 18 bis 21 Uhr. Freier Eintritt. Vor Ort stehen keine Parkplätze zur Verfügung, die Schlossallee ist aus Sicherheitsgründen für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt. Es wird deshalb empfohlen, mit dem ÖV anzureisen.


Autor
Eva Tschannen, eva.tschannen@bern-ost.ch
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Erstellt: 04.12.2018
Geändert: 04.12.2018
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