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Schlosswil - Neuer Dorfverein will keine Konkurrenz sein

Seit dem 1. Januar 2018 gibt es keine Gemeinde Schlosswil mehr. Mit der Fusion ging das Dorf in der Nachbargemeinde Grosshöchstetten auf. Nun wollen Leute aus Schlosswil einen Dorfverein gründen. Nicht alle sind begeistert.

20. Schlosswiler Moschtete im 2017. Diese Tradition will der neue Dorfverein erhalten. (Bild: Archiv BERN-OST)

Der erste Aufruf zur Gründung eines Schlosswiler Dorfvereins ging schon Ende letztes Jahr, kurz vor der Fusion mit Grosshöchstetten raus. Der Gemeinderat verschickte eine Information, nach der sich melden kann, wer Lust hat,  sich zu engagieren.

Nach dem Aufruf des Gemeinderats formierte sich eine kleine Gruppe, die Statuten vorbereitete, Ideen sammelte und für heute Abend zur Gründungsversammlung einlädt. Das Ziel des zu gründenden Vereins sei, den Zusammenhalt in der Schlosswiler Dorfgemeinschaft zu stärken. Unter anderem soll dies durch "Pflege und Förderung von Traditionen" und "Anregung gemeinnütziger Arbeit" geschehen. Das schreibt die Vorbereitungsgruppe in einem Communiqué.

 

Verein will eine Lücke schliessen

Konkret erwähnt ist darin die Mithilfe bei Anlässen wie der 1.-August-Feier oder der Moschtete. Beides wurde bisher unter anderem vom Gemeinderat Schlosswil organisiert. Der neue Verein will die Lücke schliessen, die durch die Auflösung des Gemeinderats bei der Fusion entstanden ist.

Nicht alle in Schlosswil finden den Dorfverein aber eine gute Idee. So schrieb etwa Markus Bürki in einem Kommentar auf BERN-OST: "Eigentlich müssten wir Schlosswiler eher einen Verein gründen mit dem Ziel, uns rasch in unserer neuen Gemeinde Grosshöchstetten zu integrieren, statt uns als "alte Gemeinde" abzukapseln und zu isolieren."

 

Eigene Bundesfeier steht im Fusionsvertrag

Andreas Zingg, Pfarrer der Kirchgemeinde Schlosswil-Oberhünigen, ist in der Vorbereitungsgruppe. Er betont, dass es nicht um Separatismus gehe. "Es gibt ja viele gemeinsame Anlässe mit Grosshöchstetten. Es spricht nichts dagegen auch eigene Traditionen zu pflegen." Die Gruppe bestehe auch keineswegs aus Fusionsgegnern oder -gegnerinnen.

Auch Markus Geist, Ex-Gemeindepräsident von Schlosswil und Gemeinderat von Grosshöchstetten, will von Separatismus nichts wissen. Dass Schlosswil am 1. August weiterhin eine eigene Bundesfeier ausrichte, sei immer klar gewesen, das sei sogar im Fusionsvertrag festgehalten. "Das ist eine tolle Feier." Da Grosshöchstetten schon am 31. Juli feiere, spreche auch nichts dagegen, beide Anlässe zu besuchen.

Öfter habe er aber sowieso die Kritik gehört, ein zusätzlicher Schlosswiler Verein sei unnötig, wo es doch schon den bestehenden oft schwerfalle, genügend Leute zu finden, sagt Zingg: "Wir wollen niemanden konkurrenzieren. Unsere Idee ist, dass sich der Dorfverein eher punktuell engagiert."

 

Dorfverein als Wahlplattform?

Auch einer letzten Kritik von Markus Bürki widerspricht er. Dieser äusserte den Verdacht, einige "Würdenträger" könnten versuchen, sich durch den Dorfverein eine politische Plattform zu schaffen im Hinblick auf künftige Wahlen in der fusionierten Gemeinde. "Wir sind kein politischer Verein. Das schreiben wir auch explizit in der Einladung", sagt er. Der Vorwurf passe auch überhaupt nicht zu den Leuten, die bis jetzt aktiv seien.

 

Tatsächlich sind mit Stefan Graf und Andreas Gerber ein aktueller Gemeinderat von Grosshöchstetten und ein ehemaliger von Schlosswil in der Vorbereitungsgruppe. Auch Markus Geist sei am ersten Treffen dabeigewesen, sagt Zingg.

 

Markus Geist will den Plattformgedanken denn auch nicht absolut auschliessen. "Es kann sein, dass der Dorfverein bei den nächsten Wahlen jemanden aus Schlosswil portiert." Von den bisherigen Gemeinderäten hege aber niemand diese Absicht. Geist und Stefan Graf sitzen als Vertreter im temporär von fünf auf sieben Mitglieder vergrösserten Gemeinderat von Grosshöchstetten. In vier Jahren wird dieser wieder verkleinert, was je nachdem zu einem Gerangel um die Sitze führen könnte. Geist weiss noch nicht, ob er dann wieder kandidieren wird. "Wenn, dann aber nicht über den Dorfverein, sondern auf der Liste der FDP."

 

"Wir müssen Interesse merken"

Noch gibt es den Verein aber nicht, Pfarrer Andreas Zingg und seine Mitstreiter wollen ihn nur gründen, wenn sich an der heutigen Versammlung genügend interessierte Mitglieder einfinden. "Wir müssen schon ein Interesse merken, damit wir aktiv werden", sagt er. "In der Vorbereitungsgruppe sind wir zu fünft. Um als Verein zu funktionieren braucht es sicher fünf bis zehn zusätzliche Leute."

 

[i] Die Gründungsversammlung ist heute, 20 Uhr im Gemeindehaus Schlosswil. Anschliessend geht es für einen kleinen Umtrunk ins Kreuz.
 


Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 13.06.2018
Geändert: 18.06.2018
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