Sorglospaket im Angebot. Und Sorgen im Anmarsch?
Drei Jahre nach dem grossen Eklat haben sich die Wellen rund um die Energie Grosshöchstetten AG (ENGH) nur teilweise gelegt. Jetzt informiert die ENGH über ein neues Angebot für lokale Energiegemeinschaften. Und auch über den Fernwärmeverbund. Soeben ist bei der Gemeinde eine Initiative zur Prüfung eingereicht worden, nach der die Firma verkauft werden soll.
Die Energie Grosshöchsten AG und ihr Fernwärmeverbund Neuhauspark haben in den letzten drei Jahren viel Kritik eingesteckt. Das hat den Schwung des Verwaltungsratspräsidenten Magnus Furrers Schwung bisher nicht gebremst: Er ist guter Dinge und freut sich auf den Informationsabend, an dem er die Gemeinde über die aktuellen Entwicklungen der ENGH informieren wird.
«Einzigartiges neues Angebot»
Vor allem will er ein «einzigartiges neues Angebot» vorstellen: Die lokale Energiegemeinschaft à la ENGH. Lokale Energiegemeinschaften (LEG) können seit diesem Januar gegründet werden, wenn sich mindestens ein:e Produzent:in und ein:e Verbraucher:in derselben Gemeinde zusammenschliessen. Auf der Webseite der lokalen Elektrizitätsgemeinschaften wird erklärt, wie solche Gemeinschaften gegründet werden können.
Anbietende und Verbrauchende, heisst es dort, müssen im gleichen Netzgebiet und auf derselben Netzebene zusammengeschlossen werden und mit Smart Metern ausgerüstet sein. Die Vorteile einer LEG liegen laut diesen Infos auf der Hand: «günstigere Energiekosten» und «eine nachhaltige Energieversorgung». Um eine solche Gemeinschaft zu gründen, braucht es jedoch einiges an Abklärungen und Vorbereitungsarbeiten, und nach dem Start sind auch Betrieb und Abrechnung aufwendig.
«Rundum ausgearbeitet»
Deshalb habe die ENGH ein neues Produkt geschaffen. «Wir bieten jetzt bei Bedarf eine rundum vorbereitete und ausgearbeitete lokale Energiegemeinschaft an», erklärt Magnus Furrer. «Ein fixfertiges Sorglospaket.» Und ein positives Thema, das Furrer den Interessierten nur zu gerne im Detail präsentieren wird.
Daneben wird er am Informationsabend die Wärmeleitung thematisieren, die für den Wärmeverbund Neuhuspark durch das Dorf verlegt wird. «Das Ganze ist eine tolle Lösung für die Gemeinde», ist Furrer nach wie vor überzeugt: «Bei Bedarf können auch die im Versorgungsperimeter liegenden Grundstücke angeschlossen werden.» Nur: In Grosshöchstetten teilen nicht alle seine Begeisterung.
Im Hintergrund wirbelt es
Einige sind sogar so heftig dagegen, dass sie letztes Jahr ein Referendumskomitee gründeten und ein Referendum einreichten. Dieses Referendum hat schliesslich dazu geführt, dass am 29. November 2026 an der Urne über den Anschluss diverser Gemeindeliegenschaften abgestimmt werden muss (siehe Kasten).
Damit hat sich der Ärger nicht erledigt: Bei der Gemeinde, so wurde soeben offiziell mitgeteilt, sei inzwischen das Initiativbegehren «Gemeindeinitiative für den Verkauf der ENGH AG» zur Vorprüfung eingereicht worden. Hinter dem Initiativkomitee stecken die gleichen Köpfe wie hinter dem Referendum, und wenn die Vorprüfung zeigt, dass die Initiative rechtsmässig ist, stehen die Mitglieder schon zum Unterschriftensammeln bereit.
Abstimmungen finden wie geplant statt
Für die Gemeinde hat dies zurzeit keine Folgen: «Das eingereichte Initiativbegehren betrifft ausschliesslich den Verkauf der ENGH AG und hat keine direkten Auswirkungen auf das anstehende Urnengeschäft vom 29. November 2026 über den Heizungsersatz der Gemeindeliegenschaften (Anschluss Fernwärme)», teilt sie mit.
Und weiter: «Da weder der Ablauf noch die Entscheidungsgrundlagen der Urnengänge tangiert sind, finden die Abstimmungen wie geplant statt.»
Möglichst attraktive Angebote
Auch Verwaltungsratspräsident Magnus Furrer sieht einer allfälligen Unterschriftensammlung gelassen entgegen. «Unsere Richtschnur sind regulatorische Vorgaben und vor allem die Eigentümerstrategie der Gemeinde», sagt er. Die ENGH tue ihr Bestes, um dieser zu genügen und der Bevölkerung möglichst attraktive Angebote bereitzustellen. «Politik findet auf einer anderen Ebene statt.»
Die ENGH lädt zum Informationsabend
Themen sind:
- Schaffung von Mehrwert von lokal erzeugtem PV-Strom für Produzierende und Verbraucher:innen mittels lokalen Energiegemeinschaften (LEG) und Hausstromplus
- Einblick ins Stromnetz (Meldewesen, Messwesen, Projekte)
- Anschluss Wärmeverbund Neuhuspark (Wärmeleitung Dorf)
Dienstag, 3. November 2026, 19:30 Uhr, Aula Schulhaus Schulgasse, Schulgasse 3, 3506 Grosshöchstetten
Wirbel um die Energie Grosshöchstetten AG
Rund um die Energie Grosshöchstetten AG (ENGH) ist es in den letzten Jahren teilweise wild zu- und hergegangen. Zwischendurch hat sich die Aufregung ein bisschen gelegt, jetzt schwappen die Wogen wieder höher. Eine Chronologie.
Dezember 2023: Kurz vor der Gemeindeversammlung kam es bei der Energie Grosshöchstetten (ENGH) AG zum grossen Knall. Der Gemeinderat hatte vier der fünf Mitglieder des Verwaltungsrats abberufen, weil sie der Errichtung eines Wärmeverbunds Neuhuspark defensiv gegenüberstanden: Der Gemeinderat habe entscheiden müssen, weil der Neuhuspark mit einer Zusage betreffend Wärmeverbund nicht mehr länger warten konnte.
Februar 2024: Nach dem Paukenschlag an der Gemeindeversammlung kam es zum nächsten Paukenschlag: Die geschassten VR-Mitglieder wehrten sich mit einem offenen Brief.
November 2024: Mehr als zwei Drittel der Stimmenden lehnte das Geschäft «Energie Grosshöchstetten AG – Gewährung nachrangiges Darlehen und Finanzierungsrahmen für Darlehen und Bürgschaften» ab. Heisst, der beantragte 4-Millionen-Kredit wurde abgelehnt.
Juni 2025: An der Gemeindeversammlung Grosshöchstetten zeigte die Debatte um den Kredit für den Anschluss zweier Schulhäuser: Die Energie Grosshöchstetten AG ENGH wird ihren ramponierten Ruf nur harzig wieder los, einige werden nicht warm mit der Fernwärme. Beide Verpflichtungskredite wurden trotzdem überraschend deutlich angenommen.
Oktober 2025: Die Energie Grosshöchstetten AG reagiert auf anhaltende Kritik aus der Bevölkerung und spaltet ihr Wärmegeschäft vom Stromgeschäft ab: Mit der Gründung der Tochtergesellschaft ENGH Wärme AG werden die beiden Bereiche organisatorisch und finanziell klar getrennt. Das soll bessere Voraussetzungen für einen weiteren Ausbau schaffen.
Dezember 2025: Der Gemeinderat Grosshöchstetten zieht die Abstimmung über die Heizungserneuerung mehrerer Gemeindeliegenschaften und den Anschluss an den Wärmeverbund Neuhuspark zurück. Grund sind unterschiedliche Einschätzungen bei den Kosten und offene Fragen zur Berechnung der Betriebskosten. Total 276 statt der 153 nötigen Unterschriften werden eingereicht. Deshalb muss demnächst das Stimmvolk über den Anschluss dieser Liegenschaften an den Fernwärmeverbund Neuhuspark entscheiden.
29. November 2026: Urnenabstimmung