Steuern sollen runter – trotz Bauprojekten
Vechigen will die Steuern senken, obwohl dieses Jahr ein Defizit droht. Das letzte Wort hat das Stimmvolk. Dieses kann Ende November über die Steuersenkung abstimmen.
Der Gemeinde Vechigen geht es gut. Der Gemeinderat schreibt in seiner Botschaft: «Neue Siedlungen sind entstanden, das Ortsbild hat sich verändert und viele neue Einwohnerinnen und Einwohner haben in Vechigen ihren Lebensmittelpunkt gefunden.» Dies führe zu mehr Steuereinnahmen für die Gemeinde. «Eine Senkung des Steuerfusses ist aus heutiger Sicht finanziell möglich und verantwortbar», so der Gemeinderat.
Die Steueranlage soll nächstes Jahr von 1,54 auf 1,49 sinken. Mit diesem Schritt würden die Steuerzahlerinnen und -zahler entlastet, gleichzeitig werde die Standortattraktivität der Gemeinde gestärkt. Die Liegenschaftssteuer soll bei einem Promille bleiben.
Was die Senkung im Portemonnaie bringt
Ein Ehepaar mit einem steuerbaren Einkommen von 80’000 Franken würde bei einem Ja zur tieferen Steuer jährlich rund 144 Franken sparen. Für eine alleinstehende Person mit demselben steuerbaren Einkommen wären es 170 Franken. Die Entlastung betrifft lediglich die Gemeindesteuern, Kantons- und Bundessteuern bleiben unverändert.
Was die Senkung für die Gemeinde bedeutet
Der Gemeinde entgehen durch die Senkung der Steuern jährlich rund 600’000 Franken. Im steuerfinanzierten Haushalt rechnet Vechigen für das nächste Jahr mit einem Defizit von 68’000 Franken. Dieses soll aus den Reserven gedeckt werden.
Schulen und Hochwasserschutz kosten Millionen
Für nächstes Jahr sind zudem Nettoinvestitionen von 9,2 Millionen Franken vorgesehen. Der grösste Betrag wird mit sechs Millionen für die Sanierung der Schule Utzigen-Littewil verwendet. Eine weitere Million ist für die energetische Sanierung und den Heizungsersatz im Schulhaus Vechigen eingeplant.
In zwei Jahren muss Vechigen Geld aufnehmen
Auch danach stehen hohe Ausgaben auf dem Programm, darunter die Sanierung des Oberstufenschulhauses, der neue Kindergarten Sinneringen und Hochwasserschutzprojekte. «Die eigenen flüssigen Mittel werden 2028 aufgebraucht sein», schreibt die Gemeinde. Laut Finanzplan muss sie deshalb in zwei Jahren Geld aufnehmen. Bis Ende 2031 wird ein Fremdkapitalbedarf von 28 Millionen Franken erwartet.
Abstimmung Ende November
Sollen die Steuern bleiben wie sie sind oder runter? Die Einwohnerinnen und Einwohner von Vechigen können darüber am 29. November an der Urne abstimmen. Der Gemeinderat empfiehlt, das Budget mit der Steuersenkung anzunehmen. Eine Garantie für dauerhaft tiefere Steuern gibt er nicht: «Wie lange der reduzierte Steuerfuss aufrechterhalten werden kann, lässt sich heute nicht abschliessend beurteilen.»
Vechigen und die Steuern
In den letzten 25 Jahren hat Vechigen die Steuern fünf Mal angepasst. Vier Mal hat die Gemeinde die Steuern gesenkt, einmal erhöht. Der Steuersatz sank zwischen 2002 und 2026 von 1,71 auf 1,54.
Im Jahr 2026 beträgt der Mittelwert der Steueranlagen im Verwaltungskreis Bern Mittelland 1,63 Einheiten der einfachen Steuer. Mit einer Steueranlage von 1,49 haben noch 12 von 82 Gemeinden im Verwaltungskreis Bern Mittelland eine tiefere Steueranlage als Vechigen. (Quelle: Botschaft Budget 2027, Gemeinde Vechigen)