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Super-GAU in Landiswil: Gemeindepräsident war "fuchsteufelswild"

Zwei Fehler eines Berner Cloud-Anbieters sorgen auf der Landiswiler Gemeindeverwaltung für Unverständnis, Mehrarbeit und eine verschobene Gemeindeversammlung.

Landiswil. Das Dorf hatte Pech mit seinen Daten. (Bild: Archiv BERN-OST)

Den Namen der fehlhaften Firma möchte Gemeindepräsident Samuel Wittwer (parteilos) nicht nennen. Weil die Zusammenarbeit weitergeht, aber auch weil sie sich kulant zeigte und die Verantwortung übernahm. "Es ist ein namhafter Berner Cloud-Anbieter", sagt Wittwer nur.

 

Die Vorgeschichte

Vor rund einem Jahr entschied der Gemeinderat Landiswil, dass die Verwaltungsdaten in Zukunft in einer "Cloud", also im Internet gespeichert werden, anstatt auf einem lokalen Server. Der Entscheid fiel nicht ganz leicht. "Ich hatte auch mit einem Server geliebäugelt. Da hat man etwas in der Hand", erzählt Wittwer. Allerdings sind auch Cloud-Lösungen sicher. Normalerweise. 

 

Das ist passiert

Laut Samuel Wittwer waren die Landiswiler Daten bereits in die Cloud hochgeladen, als die Cloud-Firma am Wochenende vom 20. März Updates durchführte. Dabei ging etwas schief, worauf man in Landiswil auf nichts mehr zugreifen konnte, das zwischen dem 4. Dezember 2020 und dem 21. März 2021 gespeichert wurde. "Zuerst hiess es, das sei kein Problem, weil alles zusätzlich gesichert sei", sagt Wittwer. Nur: Jemand bei der Cloud-Firma hatte vergessen, ein Häkchen zu setzen, um eine zusätzliche Sicherung zu aktivieren. Die Daten waren weg.

 

Die Folgen

In erster Linie bedeutet der Vorfall viel Mehrarbeit für die Angestellten der Verwaltung. Alle Daten und Dokumente sind weg. Protokolle, Korrespondenz, Abrechnungen, Neueinträge im Einwohner:innen- oder Stimmregister. Ein Verzeichnis der verlorenen Daten gibt es nicht. Von vielem gibt es keine Papierversion, vor allem wenn etwas noch in Arbeit ist. "Es kommt jeden Tag wieder etwas Neues ans Licht", so Wittwer.

 

"Es ist unglaublich, was das alles mit sich zieht." So habe man den Regierungsstatthalter informieren müssen und die Rechnungsprüfer:innen. Einer der grössten Verluste ist die Gemeinderechnung 2020, die in Arbeit und deshalb noch nicht im Papierarchiv abgelegt war. Die Gemeindeversammlung vom Mai hätte diese genehmigen sollen. Nun ist die Versammlung auf unbestimmte Zeit verschoben.

 

Wer ist schuld?

"Klar, der Cloud-Anbieter", sagt Wittwer. "Ich war zuerst fuchsteufelswild. Das ist ein Super-GAU für uns." Da die Firma die Verantwortung aber voll und ganz übernommen habe und auch für die Mehrarbeit aufkomme, werde die Gemeinde ihr treu bleiben. "An dem Montag, rasch nachdem wir den Verlust entdeckten, kamen zwei Chefs nach Landiswil, um den Schaden zu besprechen. Auch zuvor hat die Zusammenarbeit immer sehr gut funktioniert. Die Verantwortlichen taten mir fast ein bisschen leid." Keine Schuld treffe im übrigen die Firma NRM, die Landiswil so wie auch viele andere kleine Gemeinden mit Software versorge.

 

So geht es weiter

Nächste Woche wird der Gemeinderat das weitere Vorgehen beschliessen. Insbesondere muss er über ein Verschiebedatum für die Gemeindeversammlung diskutieren oder aber eine Urnenabstimmung ansetzen.

 

Für die Wiederherstellung der Daten und Dokumente werden einige Gemeindeangestellte kurzzeitig ihr Pensum erhöhen. "Die Firma hat uns auch angeboten, Personal zu stellen. Aber es ist besser, wenn das Leute machen, die sich in der Materie auskennen." Die Cloud-Firma wird die zusätzlichen Arbeitsstunden vollumfänglich bezahlen.


Autor*in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 16.04.2021
Geändert: 16.04.2021
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