«Tempo 30 mit Augenmass»
Ende März wählen wir den Berner Grossrat neu. Allein aus der Region Bern-Ost bewerben sich 155 Männer und Frauen um einen der insgesamt 160 Sitze. Bei uns stellen sich von jeder Partei eine Kandidatin und ein Kandidat aus der Region vor. Heute GLP-Grossrat Simon Buri aus Konolfingen.
Name: Simon Buri
Alter: 30 Jahre
Wohnort: Konolfingen
Beruf: Betriebsökonom
Arbeitgeber: Bundesamt für Raumentwicklung ARE
Familienstand/Kinder: In langjähriger Partnerschaft
Bisherige politische Ämter: Gemeinderat Hochbau/Planung und Vizegemeindepräsident Konolfingen, Grossrat und Mitglied der Bau-, Energie-, Verkehrs- und Raumplanungskommission
Wie wurden Sie politisiert, was ist Ihre früheste Erinnerung an Politik?
Bei uns war Politik schon am Familientisch ein Thema. Meine Eltern nahmen mich und meine Brüder bei diesen Gesprächen schon früh ernst, wir diskutierten auf Augenhöhe miteinander. Das hat mich geprägt und ist mir bis heute wichtig: Dass alle frei ihre Meinung sagen können. Meine früheste politische Erinnerung war die Wahl von Doris Leuthard zur Bundesrätin. Da war ich in der vierten Klasse.
Warum sind Sie bei der GLP gelandet?
Wegen Smartvote. Das ist die Online-Plattform, bei der man Fragen beantwortet und dann sieht, mit welcher Partei man am meisten übereinstimmt. Als Bauernsohn war mir schon früh wichtig, dass wir zu unseren Lebensgrundlagen Sorge tragen. Gleichzeitig brauchen wir eine starke Wirtschaft, sie ist die Basis einer guten Lebensqualität für alle. Die GLP steht genau für dieses Miteinander von Wirtschaft und Umwelt, weshalb sie bei mir im Smartvote den klaren 1. Platz machte.
Welche drei Begriffe beschreiben Ihre politische Haltung am besten?
Brückenbauer, Sozialliberaler, Optimist. Ich suche parteiübergreifend gute Lösungen für die Bevölkerung, politisiere mit sozialem Herz und liberalem Verstand und glaube an das Gute in dieser Welt.
In welchem Politikbereich sehen Sie im Kanton Bern den dringendsten Handlungsbedarf?
Bei der Gesundheitsversorgung. Wir brauchen genug Hausärzt:innen, Gemeinschaftspraxen und Notfallzentren in den Regionen, damit alle Menschen nahen Zugang zum Gesundheitssystem haben. Parallel dazu sollten wir in bessere Arbeitsbedingungen für die Pflege investieren und teure Spitalstrukturen hinterfragen. So können wir die Qualität für eine alternde Bevölkerung sichern und das Wachstum der Krankenkassenprämien dämpfen.
Soll die Schweiz Waffen in die Ukraine liefern?
Ja. Die Ukraine ist ein demokratisches Land, das völkerrechtswidrig überfallen wurde. Die Schweiz sollte ihren Beitrag leisten, damit sich die Ukraine verteidigen kann. Wer keine Waffen liefern und sich ganz «neutral» verhalten will, ist nicht neutral, sondern hilft Putin und nimmt in Kauf, dass künftig nur noch das Recht des Stärkeren gilt. Die Putins, Trumps und Xis dieser Welt könnten dann schalten und walten, wie sie wollen. Da bin ich entschieden dagegen. Das heutige Völkerrecht entstand aus dem Horror des Zweiten Weltkriegs. Wir tun gut daran, es standhaft zu verteidigen.
Wie stehen sie zum Thema Tempo 30 innerorts?
Tempo 30 innerorts fördert die Lebensqualität und Attraktivität unserer Dörfer und erhöht gleichzeitig die Verkehrssicherheit, besonders für Schulkinder. Umsetzen sollte man es mit Augenmass, so wie wir es in Konolfingen gemacht haben: Begrenzt auf den Ortskern, wo am meisten Menschen unterwegs sind. Ansonsten soll der Verkehr zügig fliessen können.
Was können Sie, das niemand von Ihnen denken würde?
Ich kann bei Rock- und Metalkonzerten so richtig abgehen.
Was ist das Wildeste, was Sie je gemacht haben?
Meine ersten eigenen Ferien vom KV-Lehrlingslohn zusammen mit ein paar Berufsschulkollegen in Nizza. Ich mag Alkohol ja auch, aber alles hat ein Mass. Ich merkte schnell, dass wir da unterschiedliche Ansichten hatten und schwor mir nach diesen zu wilden Ferien, dass ich meine Feriengspänli künftig sorgfältiger aussuche :-)
Welches Lied können Sie auswendig?
«Trybguet» von Patent Ochsner.
Was war als Kind Ihr Traumberuf?
In der fünften Klasse schrieb ich «Bauer oder General» auf, als der Lehrer eine Umfrage zum Traumberuf machte. Heute freut es mich, dass mein jüngerer Bruder mit mehr landwirtschaftlichem Talent als ich den Hof übernimmt und bin dankbar, dass die Schweiz keinen General braucht.