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The Voice of Switzerland - Gabriela Grossenbacher: "Mami, spinnst du? Das ist eine Castingshow!"

Quelle
Der Bund

Gabriela Grossenbacher ist die letzte Berner Hoffnung in der SRF-Castingshow «The Voice of Switzerland». Die 19-jährige Maturandin hat sich trotz ersten Zweifeln gut mit dem Casting-Format arrangiert.

Die letzte Berner Hoffnung bei «The Voice»: Gabriela Grossenbacher. (Bild SRF/Der Bund)
Gabriela Grossenbacher, Casting-Shows werden musikalisch oft nicht ernst genommen, die Kandidaten belächelt. Was trieb Sie dazu, bei «The Voice» anzutreten?

Der Vorschlag kam von meiner Mutter, meine erste Reaktion war: «Mami, spinnst du? Das ist eine Castingshow!». Mein Schwager, von dem ich eine sehr hohe Meinung habe, konnte mich dann von der Teilnahme überzeugen. Mir gefällt das Format. Und weil ich gerade ein Zwischenjahr mache, hat es auch vom Timing her sehr gut gepasst. Wäre ich noch in der Schule gewesen, hätte ich nicht mitgemacht.

Haben Sie denn keine Angst, in Zukunft als Casting-Teilnehmerin abgestempelt zu werden?

Es gibt immer Leute, die Casting-Shows doof finden und sie als professionelles Blossstellen oder Geldmacherei abtun. Von jemandem, der nicht hinter die Kulissen sieht, kann ich diese Kritik nicht ernst nehmen. Ich konzentriere mich auf die Leute, die mir helfen können, weiterzukommen.

Die «Schweizer Illustrierte» hat über Sie geschrieben: «Wie kann so jemand weiterkommen? Sie hat weder eine grosse Stimme noch genug Ausstrahlung.»

Die «Schweizer Ilustrierte» hat uns fast alle in den Dreck gezogen. Das haben wir alle mitbekommen und es machte uns auch zu schaffen. Auch wenn ich schlechte Kritik akzeptieren kann, solche Aussagen sind zu relativieren: Diese Leute haben uns bis zur ersten Live-Show etwa drei Minuten singen gehört. Das reicht nicht für ein fundiertes Urteil.

Und wie sind die Reaktionen aus Ihrem privaten Umfeld?

Aus dem persönlichen Umfeld erhalte ich nur Hilfe und grosse Unterstützung.

Sie haben im letzten Jahr das Gymnasium in Köniz abgeschlossen, schwanken zwischen einem Medizin- und einem Musikstudium. Wie beeinflusst die Casting-Show Ihre Berufswahl?

Ich habe beschlossen, noch ein zweites Zwischenjahr anzuhängen, um meine Zukunft «büschelen» zu können. Ich muss herausfinden, ob es mir genügt, die Musik nur als Hobby zu betreiben, oder ob ich das Ganze doch professionell angehen will.

Wozu tendieren Sie?

Unter dem Eindruck von «The Voice» klar zur Musik.

Ist eine Casting-Show für solche Pläne förderlich? Die Schicksale von Casting-Show-Teilnehmern gleichen sich. Kaum jemand erinnert sich an die «grössten Schweizer Talente» Eliane Müller oder Maya Wirz. «Musicstar» Salome Clausen arbeitet in ihrem Coiffeursalon in Brig, wer Carmen Fenk ist, wissen nur noch wenige.

Im Moment habe ich noch keine konkreten Pläne für meine Musikkarriere, ich habe auch noch viel zu wenig Einblick ins Business. Aber die Show hilft sicher, weil ich sehr viele tolle Leute kennenlernen kann und die Möglichkeit erhalte, mit vielen neuen Musikern zusammenzuarbeiten. Das mit den «Schicksalen» der Ex-Castingshow-Kandidaten wird oft falsch verstanden. Es ist ja nicht so, dass sie alle einfach verschwinden. Viele machen auch danach etwas mit Musik, aber sie sind halt nicht mehr auf allen Titelblättern zu finden und verkaufen auch keine zwei Millionen CDs.

Casting-Shows leben von Gefühlen, es werden möglichst emotionale Momente inszeniert. Etwa wenn sich die Zuschauer für einen von zwei Kandidaten entscheiden müssen und der Entscheid grafisch dargestellt wird. Wie stehen Sie zu dieser Inszenierung?

Bei „The Voice“ wird sehr wenig inszeniert, es werden keine Geschichten erfunden und Tränchen «rausgedrückt». Aber Emotionen gehören dazu. Während der Show fällt immer ein grosser Druck ab, der sich in der Woche vor der Show durch den Probenstress aufgebaut hat. Die Gefühle kommen von Herzen. Ich habe durch die Show gelernt, dass es okay ist, Emotionen zuzulassen. Es würde auch seltsam wirken, wenn ich die Gefühle vor der Kamera unterdrücken würde.

Am Samstag steht die nächste Entscheidung an. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich versuche, nicht zu viel daran zu denken, keine zu starken Erwartungen aufzubauen. Ich will die Show als Spiel sehen können. Man hat nur zwei Minuten Zeit und muss dann eine Bestleistung zeigen. Da kann auch was schief laufen. Ich will vor allem mit Freude dabei sein. Alle verbliebenen Kandidaten sind so gut, jeder hätte es verdient, in die nächste Runde zu kommen. Aber natürlich wünsche ich mir schon, dass ich weiterkomme.

Gabriela Grossenbacher

Die 19-jährige Maturandin und gebürtige Bowilerin Gabriela Grossenbacher lebt in Bern. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählt sie unter anderen Whitney Houston, Beyoncé oder Christina Aguilera. Mit energiegeladenen Interpretationen von Songs wie Cee-Lo Greens «Forget you» oder «Higher Ground» von den Red Hot Chili Peppers vermochte in den ersten Runden von «The Voice of Switzerland» sowohl ihren Coach Stefanie Heinzmann als auch das Publikum zu begeistern.


Autor
Christian Zellweger / Der Bund
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Erstellt: 06.03.2013
Geändert: 06.03.2013
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