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Traube Bleiken: Schon wieder neue Pächter gesucht

Der frische Wind in der Traube Bleiken wehte nur kurz, Pächter Erkan Abdulli, erfahrener Pizzaiolo mit Gastro-Erfahrung, hat nach nicht einmal einem halben Jahr wieder aufgehört: Er geriet offenbar zu tief in die Minuszahlen und zog die Notbremse. Besitzer Stefan Röthlisberger sucht jetzt neue Pächter: Er gibt nicht auf und will dem Dorf seine Beiz erhalten.

Stefan Röthlisberger und seine Traube in Bleiken: Er hofft immer noch auf stabile Pachtverhältnisse. (Foto: zvg)
Stefan Röthlisberger, Präsident der Schweizerischen Kaninchenexperten-Vereinigung, möchte nicht selbst in die Gastronomie einsteigen. (Foto: zvg)
Mit diesem Foto von der Traube Bleiken wirbt der Besitzer um neue Pächter. (Foto: Stefan Röthlisberger)

Es ist nicht einmal ein halbes Jahr her, seit wir vermeldet haben, dass ein junger Pächter die Traube Bleiken übernehme und frischen Wind in das Traditionsrestaurant bringe. Jetzt das Inserat: «Per sofort oder nach Vereinbarung suchen wir für das Restaurant Traube in Bleiken einen neuen Pächter.» Was ist passiert?

 

Wegen zu geschlossen

Ein Anruf bei Stefan Röthlisberger bringt Überraschendes zutage. Röthlisberger lacht auf die Frage ein bisschen bitter auf und antwortet: «Passiert ist ein klassischer Fall von ‘nach den Ferien nicht mehr zurückgekommen’.» Konkret heisst das, Pächter Erkan Abdulli wird nach den August-Ferien am 1. September nicht mehr wie an sich geplant wieder eröffnen. So hat er das Röthlisberger in einer WhatsApp-Nachricht mitgeteilt.

 

Eine dumme Situation …

Damit steht jetzt Stefan Röthlisberger dumm da. Schon Abdullis Vorgängerin Ljuba Jovanovic hat den fünfjährigen Pachtvertrag – er läuft noch bis März 2028 – nicht eingehalten: Aus familiären Gründen suchte sie schon auf diesen März einen Nachmieter, der ihren Vertrag übernehmen würde. Erkan Abdulli, mit seinen 31 Jahren voll im Saft und dennoch ein Pizzaiolo mit Erfahrung an anderen Stellen, sollte die Traube flott weiterführen, ein Sommer mit Ausflüglern und Motorradfahrern stand bevor. Und jetzt das.

 

… obwohl es zunächst gut aussah

Hat sich Röthlisberger in der Wahl seines Pächters vertan? «Nein, Ljuba hat ihn mir als Nachmieter vorgeschlagen.» Das bernische Mietrecht besagt, dass Mieter:innen das Mietverhältnis vor Ablauf einer festen Vertragsdauer beenden können, wenn sie eine:n Nachmieter:in vorschlagen, der oder die «den Mietvertrag zu den gleichen Bedingungen übernehmen will und zumutbar ist». Erkan Abdulli, erklärt Röthlisberger, habe diese Bedingungen erfüllt. «Ich hätte also gar nicht ablehnen können.» Das wollte er aber auch nicht – «Erkan schien aufgrund seiner Erfahrung durchaus geeignet».

 

Das ist die andere Seite

Was aber ist danach vorgefallen? Solche Geschichten sind meistens nicht schwarz oder weiss, deshalb wollten wir von Erkan Abdulli erfahren, was ihn zur abrupten Vertragsauflösung bewogen hat. Abdulli antwortet zurückhaltend: «Der Ort ist sehr abgelegen und ich musste oft stundenlang warten, bis ein einziger Tisch besetzt wurde.» Da die Rechnungen für Strom und Ware dennoch eintrudelten, habe er beschlossen, einen Stopp zu reissen, bevor er noch mehr ins Minus gerate. «Gegenwärtig bin ich aber intensiv auf der Suche nach einem Nachmieter.»

 

Wie weiter?

Und was macht Stefan Röthlisberger aus der Situation? Er schweigt kurz, dann sagt er: «Machen kann ich nicht viel – eine Betreibung mag ich nicht einleiten, denn wenn jemand nicht zahlen kann, gibt es auch nichts zu holen.» Ihm geht es auch nicht in erster Linie darum, mit seinem abgängigen Mieter zu streiten. Viel lieber möchte er, dass endlich eine ruhige, beständige Pächtersituation eintritt und er sein Ziel erreicht: Vor sieben Jahren hat er die Traube Bleiken gekauft, um dem Dorf die Beiz zu erhalten.

 

Schade um die feinen Pizzen

Zudem bedauert er Abdullis Abgang nicht nur als Besitzer, sondern auch als Gast: «Er hat sehr gute Pizzen gebacken – ja, eigentlich die besten, die ich je gegessen habe!» Er überlegt kurz, dann ergänzt er: «Aber die Gastronomie ist ein hartes Pflaster, und um ein Geschäft gut zu führen, braucht es noch etwas anderes, als gut kochen zu können.»

 

Selbst führen? Keinesfalls!

Ob Stefan Röthlisberger die Traube nach so vielen Turbulenzen – allein in der letzten Zeit ein Pächterwechsel nach drei Jahren, einer nach knapp zweieinhalb Jahren und einer nach fünf Monaten – nicht lieber gleich selbst übernehmen möchte? Er lacht spontan auf: «Nein, nein, auf keinen Fall, das ist nicht mein Ding.» Dafür hat er als Präsident der Schweizerischen Kaninchenexperten-Vereinigung und Vize-Präsident vom Verband Kleintiere Schweiz zu viel um die Ohren, und Gastro sei nicht sein Ding.

 

Günstige Miete, Inventar inklusive

Nein, vielmehr möchte er, dass gastroerfahrene Pächter etwas Neues anpacken. Damit diese eine realistische Chance erhalten, hat er schon vor zwei Jahren den Mietzins für die Sechszimmer-Wirte-Wohnung im oberen Stock auf 1500 Franken heruntergesetzt. Zusammen mit dem Pachtzins von 1000 Franken für das Restaurant ergibt das eine Miete, die an sich erschwinglich ist – wenn das Restaurant einigermassen läuft. Vor allem, weil sämtliches Inventar vorhanden und im Pachtzins inbegriffen ist.

 

Chance für ein «Ehepaar mit Eigeninitiative»

Könnte Röthlisberger wünschen, sähe die beste Lösung für ihn so aus: «Es ist ein idealer Betrieb für ein Ehepaar, das mit viel Eigeninitiative und guten Ideen etwas kreieren möchte und mit Aushilfen auskommt.»

 

[i] Hier geht’s zum Inserat


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 27.08.2025
Geändert: 27.08.2025
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