Urs Schweizer mag nicht mehr
Vor drei Jahren sprang der parteilose Urs Schweizer in die Bresche und stellte sich als Kandidat für das Gemeindepräsidium von Biglen zur Verfügung. Jetzt gibt er sein Amt auf Ende Jahr wieder ab. Es seien aber keineswegs die Anliegen der Bevölkerung, die ihm zu viel werden, betont er: Sein Unmut gilt etwas anderem.
Knapp drei Jahre lang hat sich Urs Schweizer als Gemeindepräsident von Biglen für seine Gemeinde ins Zeug gelegt: Er hat die grosse Sanierung der Rohrstrasse begleitet und für vorbildliche Information gesorgt, er hat mit Informationsanlässen die Bevölkerung ins Boot geholt und er hat diesen Sommer den harten Brocken «Ortsplanungsrevision» beim Stimmvolk durchgebracht. Jetzt mag er nicht mehr: Per Ende Jahr gibt er sein Amt ab.
Gemeindepräsidium zu vergeben
Ein kurzer Blick zurück zeigt: Jemanden für das Gemeindepräsidium von Biglen zu finden, war vor drei Jahren alles andere als einfach. Im Sommer 2023, nachdem die Anmeldefrist verstrichen war, ohne dass sich jemand gemeldet hätte, stellte sich der parteilose Schweizer als Kandidat zur Verfügung. «Mir ist es wichtig, dass eine Gemeinde wie Biglen einen Vorsitzenden des Gemeinderates hat», sagte er damals. Und: ihm lägen viele Themen am Herzen, von Finanzen über Bildung bis Soziales.
Er wolle etwas tun, ergänzte er seinerzeit, damit diese Gemeinde mit ihrer schönen Lage und der guten Lebensqualität auch in Zukunft für Familien attraktiv bleibe. Das nahm das Stimmvolk für ihn ein, und er wurde haushoch gewählt, obwohl in letzter Minute noch 26 andere Namen genannt wurden. Was also hat ihm in den letzten drei Jahren die Luft rausgelassen?
«Nicht mehr die gewünschte Wirkung»
In der offiziellen Mitteilung zu seinem Rücktritt ist zu lesen: «Wenn der eigene Beitrag nicht mehr die gewünschte Wirkung entfalten kann, ist es gemäss Urs Schweizer der richtige Schritt zurückzutreten.» Er wolle damit seiner Nachfolgerin, seinem Nachfolger die Chance geben, das Jahr 2027 «mit voller Kraft und neuen Perspektiven» zu gestalten. Da klingt ein gutes Stück Frust zwischen den Zeilen mit. Hat Urs Schweizer genug von den Diskussionen und Anliegen seiner Gemeindemitglieder?
«Nein, nein, auf gar keinen Fall», wehrt der 65-Jährige vehement ab. «Ich habe sehr, sehr gern etwas für die Gemeinde getan.» Die Anliegen der Bevölkerung seien für ihn immer noch ein grosses Thema, und er wolle allen eine Plattform geben, damit sie ausdrücken können, was ihnen Sorgen bereitet. Schliesslich verstehe er gut, dass bestimmte Punkte für Einzelpersonen ein grosses Problem darstellen können. «Daher habe ich immer alle ernst genommen, bin ihnen auf Augenhöhe begegnet, habe ihnen zugehört, ihre Ideen mitgenommen und im Gemeinderat vorgebracht.»
Die Strukturen haben es ihm verleidet
Schweizer, der nach wie vor keiner Partei angehört und daher letztlich von allen Parteien unterstützt wird, möchte auch heute für seine Bevölkerung da sein. Genau das könne er aber längst nicht genug: «Ich habe genug von den schwerfälligen Strukturen», erklärt er. Von Geschäften, die zuerst in einer Arbeitsgruppe oder einer Kommission «hingertsi u füretsi diskutiert» worden sind, im Gemeinderat weiterbearbeitet und dann noch von einem Amt geprüft werden – und von dort noch einmal zur Anpassung zurückgeschickt werden: Das sei schwierig und ermüdend.
Und es liegt Urs Schweizer so gar nicht: Er gestalte und entscheide sehr gern, betont der pensionierte Leiter des Katastrophenmanagements der Stadt Bern. Verwalten und Administrieren hingegen sei gar nicht sein Ding: «Ich möchte Projekte zielstrebig und flexibel angehen und irgendwann zu einem Ende kommen.» Wenn es zu endlosen Diskussionen und Verzögerungen kommt, wenn wieder und wieder überprüft wird, dann wird er ungeduldig. «Erst recht, wenn auf Ämtern zu viele Leute mitreden, die aus meiner Sicht von der Materie keine Ahnung haben.»
Nicht optimale Abläufe in kleinen Gemeinden
Das sei zwar in Biglen nicht anders als in vielen kleinen Gemeinden, aber: «Die Strukturen und Abläufe sind alles andere als optimal und benötigen viel zu viele Zwischenschritte.» Daher gibt Urs Schweizer das Präsidium ein Jahr vor Ablauf der Amtszeit ab. Das wird wohl nicht einfach für eine Gemeinde, die schon vor drei Jahren bei einem Haar niemanden gefunden hätte, der das Amt übernehmen möchte.
Bis Ende Jahr ist Urs Schweizer noch im Amt. Bereits geht aber die Suche los nach einer Nachfolge, nach jemandem, der oder die sich für die Ersatzwahl des Gemeindepräsidiums stellt. Das Vorgehen, so teilt der Gemeinderat mit, werde er zusammen mit den politischen Ortsparteien von Biglen definieren: «Eine sorgfältige und geordnete Übergabe des Gemeindepräsidiums hat oberste Priorität.»
«Miteinander etwas erreichen»
Urs Schweizer seinerzeit hofft, dass sich jemand findet, der das Amt mit einer ähnlichen Haltung ausübt wie er: «Man muss einen Konsens finden, denn in einer so kleinen Gemeinde wie Biglen muss man miteinander etwas erreichen», hatte er vor seiner Wahl im Mai 2023 gesagt. Nach den drei Jahren im Amt attestiert ihm der Gemeinderat auch tatsächlich «sehr viel Engagement und grosses Verantwortungsbewusstsein». Das Engagement für die Bevölkerung von Biglen hätte er gerne weitergemacht, sagt Schweizer, denn für sie habe er das Amt gern und motiviert ausgeübt: «Ich war immer gern ein Gemeindepräsident der Bevölkerung!»
Interessiert am Gemeindepräsidium Biglen?
Wer sich vorstellen kann, das Amt eines Gemeindepräsidenten, einer Gemeindepräsidentin auszuüben, kann sich von Urs Schweizer, Telefon 079 622 79 02, informieren lassen, was alles zum Tätigkeitsfeld gehört. Auskunft gibt auch die Gemeindeschreiberin Marlene Schwarz-Rüegsegger, Telefon 031 701 37 17 (Montag, Dienstag, Donnerstag).