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Keine Gottesdienste mehr: Jetzt kommt die Video-Predigt

Der Gottesdienstbesuch in der Kirche ist nicht mehr möglich, diverse Feiertage und die Konfirmationen stehen an, Menschen brauchen zusätzliche gegenständliche und seelische Hilfe – religiöse Institutionen stehen derzeit vor neuen Herausforderungen. Pfarrer Samuel Burger berichtet, was die reformierte Kirchgemeinde Konolfingen jetzt macht.

Not macht erfinderisch: Pfarrer Samuel Burger bastelte diesen Teleprompter. Die hineingeklebte Glasscheibe reflektiert den auf einem in der Kiste liegenden Tablett laufenden Text... (Bild: zvg)
...von der Rückseite her filmt ein Handy durch ein Loch in der Kiste und die Glasscheibe hindurch die sprechende Person. Hier Pfarrer Daniel Meister beim Aufnehmen der Predigt für kommenden Sonntag. (Bild: zvg)

Was die Gottesdienste anbelangt, hat sich die Kirche Konolfingen mit den anderen Kirchgemeinden aus dem oberen Kiesental – Biglen, Grosshöchstetten, Oberdiessbach, Schlosswil und Walkringen – zusammengeschlossen. „Für jeden Sonntag wird eine neue Predigt aufgenommen, welche wir dann online verbreiten“, sagt Pfarrer Samuel Burger aus Konolfingen.

 

Selbstgebasteltes Hilfsmittel

Dafür hat er aus einem Tablet-Computer, einer Kartonkiste, einer Glasscheibe und einem Handy einen Teleprompter gebastelt. Damit kann die sprechende Person den vorbereiteten Text ablesen und gleichzeitig immer in die Kamera blicken.

 

Die Pfarrpersonen wechseln sich mit dem Halten der sogenannten „Regio-Predigt“ ab. „Alle kommen dafür nach Konolfingen, ich filme sie, schneide das Video und lade es auf YouTube hoch“, sagt Burger.

 

Wie alle erreichen?

Das Video kann via die Webseite der Kirchgemeinde Konolfingen und via Swisscom-TV gefunden und angeschaut werden. Dass damit nicht alle erreicht werden können, ist Burger bewusst. „Die Schwierigkeit ist, es an ältere Leute zu bringen, die sich nicht auskennen mit digitaler Technologie“, sagt er. Allenfalls könnten hier aber technisch bewanderte Helfer und Helferinnen in die Bresche springen.

 

„Die erste Predigt wurde 125 mal angeschaut. Das ist noch nicht so viel, und wir hoffen, dass es noch etwas mehr werden“, sagt Burger. Morgen Sonntag ist Pfarrer Daniel Meister aus Oberdiessbach an der Reihe.

 

Farbiger Baum für Ostern

Darüberhinaus hat die reformierte Kirche Konolfingen weitere Angebote entwickelt, welche die versammlungslose Krisenzeit überbrücken helfen sollen. „Für Ostern stellen wir einen grossen Baum in einem Topf vor die Kirche, an den die Leute am Ostersamstag etwas zum Schmuck dranhängen können“, sagt Burger. So solle der Baum als österliches Symbol für das Licht farbig werden.

 

Bereits erfolgreich angelaufen sei die Aktion „Denk an mich“. „Es gibt viele Leute im Altersheim, die keinen Besuch mehr bekommen dürfen oder zuhause alleine sind“, sagt Burger. Für diese hat die Kirchgemeinde zum Basteln und Briefeschreiben aufgerufen. „Die Sachen kann man uns schicken und wir leiten sie dann an die Senioren und Seniorinnen weiter“, erklärt Burger. Vermerke man seine eigene Adresse, könnten die Empfänger und Empfängerinnen auch auf die Post antworten, was ihnen Abwechslung bringe und Freude bereite.

 

"Mobile Boten" für Hilfebedürftige

Weiter hat die Kirche mit den „Mobilen Boten“ eine freiwillige Helfer- und Helferinnengruppe aufgebaut. „Es bestand schon eine WhatsApp-Hilfsgruppe in Konolfingen, mit der wir uns zusammengeschlossen haben“, so Burger. Zuständig dafür ist nun sein Pfarrkollege Simon Zwygart, welcher die Freiwilligeneinsätze koordiniert.

 

„Wir machen Botengänge, Einkäufe und Rotkreuzfahrten, um bedürftige Personen zum Beispiel zum Arzt fahren“, sagt Burger. Letzteres sei nötig geworden, weil viele Rotkreuzfahrerinnen und -fahrer selber zur Risikogruppe zählten. So habe das Rote Kreuz bei Ihnen um Aushilfen angefragt.

 

Kirche besuchen und Beerdigungen möglich

Die Kirche ist zudem wie gewohnt offen. „Wir haben eine grosse Pinnwand aufgestellt, an der man Wünsche deponieren kann“, so Burger.

 

Und auch Beerdigungen im engsten Familienkreis auf dem Friedhof würden stattfinden. „Hier gilt eine Ausnahme von der Beschränkung auf maximal fünf Personen in einer Gruppe, wenn die Beerdigung draussen stattfindet“, sagt Burger.

 

Konfirmationen in der Schwebe

Die Frage, was im Falle einer Beerdigung einer sozial stark vernetzten Person mit potenziell vielen Besuchenden geschehen würde – vielleicht später eine zweite Feier? – ist noch genauso offen, wie die nach den Konfirmationen. „Hier ist die Situation noch sehr unsicher“, sagt Burger. Der Höhepunkt der Epidemie werde mit Mitte Mai genau in der Zeit erwartet, in der die Konfirmationen stattfinden würden.

 

„Wir haben nun mal zwei mögliche Ersatzdaten gesetzt, einmal vor und einmal nach den Sommerferien “, sagt Burger. Unterdessen gebe es auch Fernunterricht für die Konfirmandinnen und Konfirmanden.

 

Seelsorge: "Leute melden sich selten selber"

Ein Angebot, welches die Kirche ebenfalls weiterpflegt ist die Seelsorge, ausgenommen der Spitalseelsorge. „Wir haben schon sehr früh einen Flyer mit unseren Kontaktangaben in alle Haushalte verschickt“, sagt Burger. Seine Erfahrung habe aber gezeigt, dass die Leute sich selten von sich aus meldeten. „Darum rufen nun wir bei bestimmten Leuten, die alleine sind an und fragen nach, wie es ihnen geht“, so Burger.

 

Noch habe er nicht viel davon gemerkt, dass die aktuelle Situation die Leute besonders belaste. Auf dem Land funktioniere die Nachbarschaftshilfe sehr gut. „Jetzt ist es noch nicht dramatisch, aber wenn die Zeit länger wird, könnte sich dies ändern“, sagt er. Bisher begleitet er nur einen Fall, der in Zusammenhang mit dem Coronavirus stehe.

 

[i] Zur Webseite der Kirchgemeinde Konolfingen mit der Regio-Predigt, einer Anleitung zum Anschauen des Videos auf Swisscom-TV und den weiteren alternativen Angeboten.

 

[i] Auch andere Kirchgemeinden in der Region Bern-Ost bieten Alternativprogramme und Hilfe an. Sie finden die entsprechenden Informationen auf deren Webseiten und Publikationen, sowie eine Übersicht im Anzeiger Konolfingen.

 

[i] Die „Mobilen Boten“ sind eine Initiative der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn. Auf ihrer Webseite werden die Hilfsangebote der verschiedenen Kirchgemeinden zusammengefasst.


Autor
Isabelle Berger, isabelle.berger@bern-ost.ch
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Erstellt: 28.03.2020
Geändert: 28.03.2020
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