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Volleyball - Eine Herzensangelegenheit

Quelle
Berner Zeitung BZ

Der mexikanische Nationalspieler Gustavo Meyer verstärkt in dieser Saison den NLB-Klub Oberdiessbach. Eine Bernerin hat den Emmentalern zu diesem Transfercoup verholfen.

Harmonischer Familienvater: Gustavo Meyer entspannt sich zu Hause in Belp, Ehefrau Sarah und Sohn Jason zeigen ihr fotogenes Talent. (Bild: Christian Pfander)
Aggressiver Volleyballer: Gustavo Meyer (rechts) schmettert gegen Münchenbuchsee einen Ball gekonnt ins Feld. (Bild: Markus Grunder)

An der Volleyball-Weltmeisterschaft in Polen jubelten Gustavo Meyer 6500 Zuschauer zu. Mexiko verlor das Gruppenspiel gegen Kanada vor zwei Monaten zwar 0:3, die Kulisse in Danzig war dennoch atemberaubend. Am Samstag hätte der 35 Jahre alte Mexikaner die Anwesenden in der Primarschule Oberdiessbach alle einzeln per Handschlag begrüssen können. Gerade mal 31 Personen, 210 Mal weniger als in Danzig, verliefen sich in die Turnhalle, um den international bekannten Volleyballer im NLB-Spiel gegen Münchenbuchsee in Aktion zu sehen.

«Es hat Spass gemacht. Ich konnte den Match geniessen und ab und zu einen Witz machen», sagt Meyer nach dem 3:1-Erfolg (19:25, 25:21, 25:18, 25:18) im Kantonalderby. Der Aussenangreifer steuerte 12 Punkte, 8 Schmetterbälle und 4 Blocks, zum Sieg bei. «An der WM in Polen lastete ein enormer Druck auf uns. Das war stressig.» Mexiko verlor im Rahmen der Welttitelkämpfe gegen Bulgarien (0:3), China (1:3), Russland (1:3) und Kanada (0:3). Einzig gegen Ägypten resultierte ein Sieg (3:2), was in der Endabrechnung Platz 17 bedeutete.

Die Liebe hat diesen aussergewöhnlichen Transfer möglich gemacht. 2004 hatte Gustavo Meyer anlässlich des Supercups in Lausanne Sarah Schmocker kennengelernt. «Ich spielte damals in Näfels, Sarah für den RTV Basel. Beim Nachtessen kamen wir uns näher», sagt Meyer mit einem Schmunzeln. Vor fünf Jahren heiratete das Volleyball-Paar. Die 30 Jahre alte Bernerin ist einem breiten Publikum auch als Beachvolleyballerin und Zwillingsschwester von Tanja bekannt. Sarah Meyer lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn Jason, 2 Jahre alt, in Belp. «Meine Prioritäten haben sich verschoben», sagt der 1,93 Meter grosse und 84 Kilogramm schwere Athlet in perfektem Englisch. Meyer studiert Betriebswirtschaft. Als Logistiker besetzt er bei Intersport International in Bern eine 100-Prozent-Stelle. Volley Oberdiessbach ist seine erste Station nach seiner Profikarriere.

Teamkollegen sind beeindruckt

Roger Thierstein, Captain des NLB-Teams von Oberdiessbach, machte Meyer im vergangenen Mai den Wechsel von Cupsieger Näfels zu den Emmentalern schmackhaft. «Gustavo spielt gratis bei uns. Er fühlt sich wohl im Kreis dreier Familienväter.» Der 35 Jahre alte Thierstein bezeichnet Mexikos Nationalspieler als «Persönlichkeit mit grosser Erfahrung». Im Training falle seine stupende Technik auf. Er sei kein Haudrauf, sondern platziere die Angriffsbälle mit viel Geschick. Führungsspieler Mirco Gerson, mit 23 Punkten herausragender Akteur im Vergleich gegen Münchenbuchsee, lobt: «Gustavo ist ein begnadeter Volleyballer und ziemlich cool. Wenn er einmal etwas sagt, hat das Hand und Fuss.»


Ein weiterer Transfercoup?

Nach drei Meisterschaftsrunden sei es noch zu früh, ein Saisonziel auszugeben, meint Thierstein. Angestrebt werde eine Klassierung in den Top 4, meint der Oberdiessbacher Routinier. «Vor den Playoffs werden wir uns dann entscheiden, wohin die sportliche Reise geht.» Und dann gibt es ja noch den Schweizer Cup. Vor knapp zwei Jahren sorgten die Emmentaler mit dem Einzug in den Halbfinal gegen Lugano schweizweit für Schlagzeilen.

Vielleicht wiederholt sich die Geschichte. In Oberdiessbach hält sich ein weiterer mexikanischer Volleyballstar fit: Carlos Guerra, Meyers Freund und Schwager. Guerra ist mit Tanja Schmocker verheiratet. Das Ehepaar lebt in Aarberg. Der 33 Jahre alte Angreifer stand zuletzt beim NLA-Klub Chênois unter Vertrag. Er hat seinen Kontrakt mit den Genfern nicht verlängert. Guerra arbeitet ebenfalls bei Intersport International in Bern. Und auch der ehemalige Schweizer Beachvolleyball-Nationalspieler Roman Sutter trainiert gegenwärtig unter den Fittichen von Teamchefin Claudia Laciga. Ob die Klubverantwortlichen von Volley Oberdiessbach für ihre illustren Trainingsgäste dereinst eine Lizenz lösen, steht noch aus.

Autor
Thomas Wälti, Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 04.11.2014
Geändert: 04.11.2014
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