«Von A wie Autobahn bis Z wie Zebrastreifen gibt es Handlungsbedarf»
Ende März wählen wir den Berner Grossrat neu. Allein aus der Region Bern-Ost bewerben sich 155 Männer und Frauen um einen der insgesamt 160 Sitze. Bei uns stellen sich von jeder Partei eine Kandidatin und ein Kandidat aus der Region vor. Heute Rolph Müller von Aufrecht aus Vechigen.
Name: Müller Rolph
Alter: 50
Wohnort: 3067 Vechigen
Beruf: Verkaufsleiter
Arbeitgeber: JDE Professional
Familienstand/Kinder: Verheiratet aber seit fünf Jahren getrennt in einer neuen Partnerschaft lebend. Drei Kinder (14, 17, 19), zwei Katzen und einen Hund.
Bisherige politische Ämter:
Bis jetzt habe ich jede politische Option ablehnen müssen, weil meine Werte von keiner Partei grundlegend vertreten worden sind. Ich habe mich jedoch ehrenamtlich im Fussballverein und in der Pfadi nützlich gemacht und bin grundsätzlich ein sehr hilfsbereiter Mensch. Zudem habe ich mit Stolz als Panzergrenadier für die Schweizer Armee gedient und war in der freiwilligen Feuerwehr, ausgebildet im Atemschutz.
Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Meine Jugend war stark geprägt von traditionellem Karate, dem Film Top Gun und Heavy Metal. Eigentlich wollte ich Karatelehrer werden, doch mein Knie machte mir schon früh klar, dass dieses Ziel nicht realistisch war – ganz zu schweigen davon, dass ich von einem Top-Gun-Piloten meilenweit entfernt war. Musikalisch hat mich besonders die Vielseitigkeit von Axl Roses Stimmbandbreite von sechs Oktaven bei Guns N’ Roses fasziniert, auch wenn ich selbst zu keiner Zeit ein musikalisches Talent hatte.
Wie wurden Sie politisiert, was ist Ihre früheste Erinnerung an Politik?
Eine konkrete politische Schlüsselerinnerung habe ich nicht, mit Ausnahme der EWR-Abstimmung. Der damalige Sieg von Christoph Blocher hat die politische Weichenstellung der Schweiz massgeblich geprägt und wesentlich dazu beigetragen, dass unser Land heute wirtschaftlich erfolgreich und souverän dasteht. Ich bin glücklich über unsere direkte Demokratie finde jedoch, dass besonders in den letzten Jahren viele Volksentscheide nicht im Sinne des Volkes umgesetzt worden sind.
Warum sind Sie bei Aufrecht gelandet?
Während der Corona-Jahre engagierte ich mich wiederholt auf der Strasse für Freiheit und Selbstbestimmung. Zu diesem Zeitpunkt war für mich noch nicht absehbar, dass sich die Pandemie später weitgehend auflösen und sich vieles als übertriebene Panikmache herausstellen würde.
Im Vorfeld der letzten Nationalratswahlen trat die Parteileitung von Aufrecht an mich heran. In den Gesprächen stellte ich fest, dass ich mich mit einem grossen Teil des Parteiprogramms deutlich stärker identifizieren kann als mit jenem der etablierten Systemparteien. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass ich auch innerhalb der Partei einzelne Positionen kritisch hinterfrage und nicht in allen Punkten einer Meinung bin.
Welche drei Begriffe beschreiben Ihre politische Haltung am besten?
Direkt, pragmatisch, ehrlich.
In welchem Politikbereich sehen Sie im Kanton Bern den dringendsten Handlungsbedarf?
Im Kanton Bern gibt es in praktisch allen Bereichen Handlungsbedarf. Von A wie Autobahn bis Z wie Zebrastreifen sehe ich grosses Verbesserungspotential. Generell braucht es in der Politik weniger Diäten und mehr Respekt vor den Einzahlungen der Steuerzahler. Es kann nicht sein, dass sich Politiker das Portemonnaie mit Steuergeldern füllen, jede Banane über Spesen abrechnen, und dann mit privaten Mandaten nochmals übermässig zulangen.
Soll die Schweiz Waffen in die Ukraine liefern?
Nein, aber wir sollten unsere Armee wieder konsequent auf Vordermann bringen. In den vergangenen Jahren wurde zu viel weggespart, was uns heute spürbar fehlt.
Zudem wäre es sinnvoller gewesen, den kostengünstigeren Gripen Kampfjet zu beschaffen, da dieser für die luftpolizeilichen Aufgaben der Schweiz bei weitem ausgereicht hätte. Die Schweiz braucht nicht in jedem Bereich die teuerste Luxuslösung, nur weil wir uns diese leisten können. Was es stattdessen braucht, ist mehr Bodenständigkeit und Augenmass.
Bezüglich des Ukrainekrieges weiss ich, dass dieser seinen Ursprung vor dem völkerrechtswidrigen Angriff der Russen hat und das die NATO-Osterweiterung auch ihren Beitrag geleistet hat.
Wie stehen sie zum Thema Tempo 30 innerorts?
Tempo 30 erachte ich nicht als zielführend. Statt immer neue Einschränkungen einzuführen, sollten wir die Menschen wieder stärker für den Strassenverkehr sensibilisieren und die Eigenverantwortung fördern.
Ich störe mich insbesondere an Velofahrern, die die geltenden Verkehrsregeln nicht kennen oder missachten, sowie an Fussgängern, die – abgelenkt durch Mobiltelefone und Kopfhörer – unaufmerksam unterwegs sind.
Zudem bin ich der Meinung, dass die Polizei im Bereich der Verkehrssicherheit wieder deutlich präsenter und konsequenter auftreten sollte, ohne dabei Radarfallen zu stellen welche nur den Bürger abzocken und der Verkehrssicherheit nichts bringen.
Was können Sie, dass niemand von Ihnen denken würde?
Die Frage, was ich kann, was man mir nicht zutrauen würde, finde ich schwierig. Menschen, die mich gut kennen, schätzen mich vor allem als Schnelldenker. Ich erfasse auch komplexe Aufgabenstellungen rasch, erkenne Zusammenhänge und stelle die richtigen Fragen.
Was ist das Wildeste, was Sie je gemacht haben?
Ich habe in meinem Leben viele intensive und fordernde Erfahrungen gemacht. Dazu zählen anspruchsvolle Mountainbike-Touren, herausfordernde Wanderungen sowie mehrere Langdistanz-Schwimmevents, bei denen ich ab Distanzen von rund drei Kilometern zunehmend kompetitiv unterwegs war.
Zudem nahm ich als Karateka an verschiedenen internationalen Turnieren teil. Meine prägendste und schönste Erfahrung war die Teilnahme an der Karate-Weltmeisterschaft 1996 in Moskau, wo ich zahlreiche internationale Freundschaften knüpfen konnte, die ich bis heute pflege.
Welches Lied können Sie auswendig?
Ich bin nicht besonders romantisch veranlagt, doch wenn im Radio Klassiker wie «Schwan» von Gölä oder «Verdammt, ich lieb’ dich» von Matthias Reim gespielt werden, kann ich fehlerfrei mitsingen.