Von James Bond und verrückten Freitagen
Edith Simen war frisch pensioniert, als sie in Münsingen ihre eigene Tanzschule Line Dancers Aaretal eröffnete. Am 1. November feiert sie bereits ihr 15-Jahr-Jubiläum. Kurz vorher hat sie uns verraten, was Schlittschuhe, ein Filmset und Tanzfüdlis mit ihrer Geschichte zu tun haben.
Line Dance für sie als Eiskunstläuferin und Tänzerin? Eher widerstrebend liess sich Edith Simen vor Jahren zu einem Schnupperabend überreden. Dann aber verliebte sie sich schlagartig in den amerikanischen Reihentanz. «Ich gab den kleinen Finger, und es nahm mich mit mit Haut und Haaren hinein», lacht sie heute. Und es prägte ihr Leben massgeblich: Am 1. November 2011 gründete sie ihre eigene Tanzschule Line Dancers Aaretal, heute feiert sie deren 15-jähriges Bestehen.
Mit sechs Jahren auf dem Eis
Als junge Frau hätte sich Edith Simen das noch nicht vorstellen können. Zuerst galt ihre grosse Leidenschaft noch dem Eis: Mit sechs Jahren stand sie erstmals auf Schlittschuhen, «einen Kopf grösser als die anderen Kinder und ein ‘Gschtabi’», wie sie heute sagt. Bald trainierte sie jeden Mittwochnachmittag beim Schlittschuhclub Bern, wo schnell ihr grosses Talent auffiel. Sie erhielt Privatunterricht und holte später einen Vize-Schweizermeistertitel bei den Junioren.
Bis sie zwanzig Jahre alt war, blieb sie Amateurin, dann brachte ein einschneidendes Erlebnis die Wende. Fast beiläufig erzählt Edith Simen, wie sie als Eiskunstläuferin vor der Filmkamera tanzte – beim Dreh des James-Bond-Films «Im Auftrag Ihrer Majestät». Gedreht wurde unter anderem auf der Natureisbahn in Grindelwald, die Dreharbeiten dauerten zwei Monate, «eine intensive Zeit».
Und dann kam James Bond
Noch heute erinnert sich Edith Simen genau, wie Schauspielerin Diana Rigg für eine Filmszene als James Bonds Ehefrau Tracy auf dem Eis fixiert wurde: «Sie stand zwar für die Filmszene nur still und schaute zu James Bond hinüber, aber das Filmteam musste dennoch sicherstellen, dass sie nicht ausrutschte.» Wer dann im Film kunstvoll über das Eis glitt, war nicht die bekannte englische Schauspielerin, sondern die schweizerische Eiskunstläuferin. «Ein grosser Einsatz – und im Film waren davon gerade mal ein paar Sekunden zu sehen», winkt sie heute bescheiden ab.
So kurz der Filmabschnitt wurde, der Auftritt veränderte ihr Leben, privat und beruflich: Am Filmset lernte sie ihren Mann kennen, mit dem sie heute 53 Jahre verheiratet ist. Und sie musste vom Amateurstatus zu den Profis wechseln, wo sie als Showläuferin in der Schweizer Eisrevue und als Eislauf-Trainerin Karriere machte. Später wurde das Tanzen immer wichtiger, nach klassischem und modernem Ballett, Jazz- und Moderndance lernte sie auch Stepptanzen.
Später auch Line Dance …
Über ihre Stepptanzlehrerin Ruth Kobi kam Edith Simen 2002 schliesslich auch zum Line Dance. Sie liess sich eher widerstrebend zu einer Schnupperstunde überreden – und war begeistert. «Von dem Moment an gab es für mich nichts anderes mehr!» Edith Simen liess sich ebenfalls zur Line Dance Lehrerin ausbilden und unterrichtete bald einen Abend pro Woche an Kobis Schule.
Dabei entstand die Showgruppe Crazy Fridays, eigentlich als Notlösung: Eine Line Dance-Gruppe, die bei einer Ballnacht der Tanzschule auftreten sollte, sagte ab, und Edith Simen wurde gefragt, ob sie einspringen könne. Entsetzt winkte sie ab: «Meine Anfängergruppe tanzt erst ein knappes Jahr, viel zu wenig für einen Auftritt.» Dennoch liess sie sich überreden. Allerdings nur, wenn die Gruppe bereit sei zu einem intensiven zusätzlichen Training am Freitagabend.
… und die Crazy Fridays
Der Auftritt, so verrückt er zustande gekommen war, wurde ein Erfolg, und damit waren die «Crazy Fridays» geboren: Ein Team, das noch heute besteht, regelmässig Auftritte gibt, 2019 sogar den Europameistertitel holte und 2021 Vize-Europameister in «ShowTime – European Online Competition» wurde. Es lief gut für Edith Simen, und so entschied sie kurz vor der Pensionierung, nicht kürzerzutreten, sondern eine eigene Schule zu eröffnen.
Rasch fand sie einen geeigneten Standort mitten in Münsingen, deren Besitzer ihr unkompliziert erlaubte, für das Tanzstudio eine Wand zu entfernen sowie eine Spiegelwand und einen Parkettboden einzubauen. Zwei Wochen vor der Eröffnung war Edith Simen nach einer Knieoperation noch auf Krücken unterwegs. Trotzdem eröffnete sie ihre Schule am geplanten Datum, «am Elften Elften Elf».
Streng und peinlich akkurat
Auch der Name des Showteams blieb: Crazy Fridays. Anfangs tanzte Edith Simen selbst mit, inzwischen kümmert sie sich vor allem um die Musik und die Choreografien. Und sie fordert die acht bis zehn Leute des Teams. Sie weiss selbst: «Ich bin eine strenge Lehrerin und peinlich akkurat bei den Details.» Auch wenn die Truppe manchmal darüber jammert – der Erfolg gibt ihr recht.
Was aber macht in ihren Augen den Line Dance so besonders? Sie überlegt nicht lange: Neben dem tänzerischen Können seien auch Charakter, Teamfähigkeit und ein unterstützendes familiäres Umfeld wichtig, sagt sie. «Wer auftritt und an Meisterschaften teilnimmt, braucht nicht nur Schrittfolgen und Taktgefühl, sondern auch Menschen, die mitziehen.» Ausserdem biete Line Dance einen gewaltigen Vorteil gegenüber anderen Tanzarten: «Man muss nicht paarweise in den Kurs kommen.»
Tanzfüdlis tanzen in der Reihe
Das sei ein wichtiger Grund dafür, dass Line Dance überall boome, jener Tanz, bei dem alle gemeinsam rhythmisch in der Reihe tanzen: «So viele Frauen sind Tanzfüdlis und so viele Männer sind Tanzmuffel – beim Line Dance können die Frauen auch ohne Tanzpartner mitmachen.» Deshalb will auch Edith Simen unbedingt mit ihrem Studio weitermachen, solange es geht. «Alter hin oder her, ich mache das mit Herzblut.»
Line Dancers Aaretal und die Crazy Fridays
Die Corona-Pandemie bremste die Tanzschule Line Dancers Aaretal aus, seither hat sie wieder an Schwung gewonnen. Heute bieten Edith Simen und ihre Stellvertreterin je einen Kurs am Montagabend und zwei Kurse am Mittwochabend und am Donnerstag an. Ausserdem einen Abend für die Showtanzgruppe Crazy Fridays. Am 1. November 2026 feiert die Schule ihr 15-jähriges Bestehen mit einem Apéro und einer kleinen Show, allerdings nur im Kreis der Schule.
Tanzstudio Line Dancers Aaretal, Bernstrasse 22b, Münsingen.
Lust auf eine Schnupperstunde? Auskunft erteilen edith@linedancers-aaretal.ch, Telefon 079 470 81 67 oder corinne@linedancers-aaretal.ch, Telefon 078 912 36 08