Hornussergesellschaft Wichtrach

Von sechs Kindern zur eigenen Nachwuchsmannschaft

Vor vier Jahren übernahmen Christian Strahm gemeinsam mit Beat «Büdu» Schafroth die Nachwuchsabteilung der Hornussergesellschaft Wichtrach. Aus damals rund sechs Kindern ist inzwischen eine eigene Nachwuchsmannschaft entstanden. Die Entwicklung ist auch der Grund, weshalb der Verein 2030 das MWHV-Nachwuchsverbandsfest sowie das Interkantonale Nachwuchsfest organisiert.

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Christian Strahm mit seinem Haufen von Nachwuchsspieler:innen. (Bild: zvg)

Als Christian Strahm und Beat «Büdu» Schafroth die Nachwuchsabteilung der HG Wichtrach vor vier Jahren übernahmen, war diese noch klein. «Damals hatten wir etwa sechs Kinder. Heute sind es zwischen 18 und 20», sagt Büdu. Besonders erfreulich sei, dass inzwischen vier bis acht Nachwuchsspieler regelmässig in der B-Mannschaft eingesetzt werden. «Genau das ist unser Ziel. Der Nachwuchs soll den Schritt zu den Aktiven schaffen.»

 

Strahm bringt viel Erfahrung aus der Nachwuchsarbeit mit. Bereits bei der HG Wasen-Lugenbach engagierte er sich als Nachwuchstrainer, bevor er nach seinem Wechsel nach Wichtrach diese Aufgabe ebenfalls übernahm. Auch im Unihockey war er neun Jahre als Spieler und Nachwuchstrainer tätig. Dort habe er ebenfalls erlebt, wie wichtig die Förderung junger Talente ist. «Ich habe damals zum Beispiel Matthias Hofbauer an einem Grümpelturnier entdeckt und ihn für das Unihockey gewonnen. Ob er im Fussball ebenfalls erfolgreich gewesen wäre, weiss ich nicht», erzählt Strahm mit einem Schmunzeln.

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Das Training mit dem Nachwuchs ist Christian Strahm sehr wichtig. (Bild: pg)

Bei der HG Wichtrach war der Nachwuchs schon immer hoch geschrieben. «Renato Homberger und Stefan Jaun waren damals ebenfalls im Nachwuchs. Schon damals haben wir geschaut, dass wir gute Leute ausbilden können», sagt Strahm. Seit 2004 war er zudem Mannschaftsführer der A-Mannschaft und technischer Leiter.

 

Den Übergang in die Aktivmannschaften erleichtern

Der Schritt vom Nachwuchs in die Aktivmannschaften sei oft die grösste Herausforderung. «Viele hören in dieser Phase wegen Schule, Lehre oder Studium auf. Dazu kommt, dass sie die Spielerinnen und Spieler der Aktivmannschaften oft gar nicht kennen», erklärt Strahm.

 

Um diese Hürde zu verkleinern, hat die HG Wichtrach in dieser Saison ein neues Fördertraining eingeführt. Viermal jährlich trainieren die älteren Nachwuchsspieler gemeinsam mit der B-Mannschaft. «Letztes Jahr haben wir gemerkt, dass es für einzelne Spieler eine Hemmschwelle war, in der B-Mannschaft mitzumachen. Viele sagten: ‹Ich kenne dort ja gar niemanden.› Genau da wollen wir ansetzen.»

Beim Fördertraining absolvieren die Jugendlichen zuerst rund 30 Minuten Schlagtraining. Anschliessend trainieren sie gemeinsam mit der B-Mannschaft und deren Trainer. «So entsteht eine Bindung. Wenn später der Übertritt kommt, kennen sie die Leute bereits», sagt Strahm.

 

Die Entwicklung zeigt sich bereits heute. Viele Spieler der dritten Altersstufe können regelmässig in der B-Mannschaft eingesetzt werden. «Das ergänzt sich sehr gut. Während die älteren Herren den Nouss manchmal nicht mehr ganz so gut sehen, sehen ihn die Kinder umso besser.»

 

Auch Schafroth betont, dass der Übertritt wichtig ist. Seit dieser Saison spielt Christian Strahm selbst in der B-Mannschaft. «Christian macht mit seinem Abstieg in die B-Mannschaft Platz für den Nachwuchs in der A-Mannschaft», erklärt Schafroth. Strahm ergänzt lachend: «Ja, und wegen meinem Alter.» Schafroth widerspricht sofort: «Nein, du könntest locker noch mithalten. Es geht darum, Platz für den Nachwuchs zu schaffen und ihnen die Möglichkeit zu geben, den nächsten Schritt zu machen.»

 

Vielseitige Trainings für verschiedene Altersstufen

Die Nachwuchshornusser trainieren gemeinsam als Mannschaft, auch wenn sie in drei Altersstufen eingeteilt sind: Stufe eins bis zehn Jahre, Stufe zwei von elf bis 13 Jahren und Stufe drei von 14 bis 16 Jahren. «Die Wertung der Einzelschläger erfolgt getrennt nach Altersstufen», erklärt Schafroth.

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In den letzten Jahren sind viele Nachwuchsspieler dazugekommen. (Bild: zvg)

Gerade bei den jüngeren Kindern steht nicht nur das Hornussen im Mittelpunkt. «Wir machen sehr viel Polysportives», erzählt Strahm. In der Halle gehören unter anderem Parkour, Unihockey, Fussball oder Koordinationsübungen dazu. «Das macht den Kindern sehr viel Freude und hilft ihnen auch im Hornussen.» 

 

Bereits Kinder ab vier Jahren können in der Halle im Wintertraining erste Erfahrungen sammeln, ab sechs Jahren nehmen sie am Training auf dem Ries teil. Dabei sei die passende Ausrüstung entscheidend. «Ein drei Meter langer Stecken ist für ein kleines Kind schlicht zu gross», sagt Strahm lachend. «Wir müssen schauen, dass Stecken und Schläger zur Körpergrösse passen. Wenn die Kinder Erfolgserlebnisse haben, bleiben sie motiviert.»

 

Ein weiterer Höhepunkt für die Kinder sei das Trainingslager im März oder auch ein Schwingtraining, welche beide jährlich stattfindet. 

 

Nachwuchsarbeit braucht Engagement

Die HG Wichtrach setzt bei der Nachwuchsarbeit auf ein grosses Betreuerteam. Viele Mitglieder haben den J+S-Leiterkurs absolviert. «Nicht nur wir Betreuer, sondern auch einige Spieler. So können wir Ausfälle gut abdecken. Gerade in der Halle ist das sehr wichtig», sagt Strahm.

Um neue Kinder für den Sport zu gewinnen, hat der Verein verschiedene Wege ausprobiert. Der Ferienpass habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Besser funktioniere das jährliche «Gspändli-Hornussen». «Die Nachwuchsspieler dürfen einen Kollegen oder eine Kollegin mitbringen. Oft sind diese danach gleich Feuer und Flamme.»

 

Auch das jährliche Bräteln mit den Familien vor den Sommerferien sei wichtig. «Da kommen teilweise auch Geschwister oder Freunde mit. So konnten wir schon einige neue Mitglieder gewinnen», erzählt Strahm.

 

Trotzdem sei Nachwuchsarbeit eine langfristige Aufgabe. «Du bildest die Kinder aus und irgendwann springen einige trotzdem ab. Das ist aber allgemein im Sport eine Herausforderung», sagt Strahm. Wichtig sei deshalb, dass die Kinder Freude am Sport hätten. «Uns ist wichtig, nicht zu stark auf den Erfolg zu schauen. Der Erfolg kommt später.»

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Die Dankbarkeit für seine Arbeit wird von dem Nachwuchs sehr geschätzt. (Bild: zvg)

Das Hornussen biete dafür besondere Voraussetzungen. «Es ist spannend, weil es ein Mannschafts- und gleichzeitig ein Einzelwettkampf ist. Dass beides zusammen funktioniert, macht den Sport aus», findet Strahm. Auch Mädchen und Frauen seien in Wichtrach seit vielen Jahren selbstverständlich willkommen. «Frauen- und Mädchenhornussen findet mittlerweile ziemlichen Anklang.»

 

Höhepunkt im Jahr 2030

Die Entwicklung der Nachwuchsabteilung zeigt sich auch darin, dass die HG Wichtrach im Jahr 2030 Gastgeber des MWHV-Nachwuchsverbandsfests sowie des Interkantonalen Nachwuchsfests sein wird. «Zuerst waren einige Vereinsmitglieder etwas überfordert, weil wir erst 2024 ein Fest organisiert hatten», erzählt Strahm. «Dann haben sie aber gesehen, wie viel wir für den Nachwuchs machen und dass wir auch etwas zurückgeben möchten.»

 

Die Vorbereitungen laufen bereits. «Drei bis vier Jahre Vorlauf braucht es für ein solches Fest. Wir haben bereits ein OK zusammengestellt und das Land reserviert.» Für die HG Wichtrach ist der Anlass eine Anerkennung für die Arbeit der vergangenen Jahre und gleichzeitig eine Chance, den Nachwuchs weiter zu fördern. Aus einer kleinen Gruppe von sechs Kindern ist inzwischen eine feste Nachwuchsabteilung mit Perspektive entstanden.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 16.07.2026
Geändert: 25.07.2026
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