Informationsabend mit grosser Umfrage

Walkringen prüft ein Comeback für ein Dorflädeli

In Walkringen gibt es kein Geschäft mehr für Lebensmittel und frisches Brot. Nun wollte eine Projektgruppe herausfinden, ob ein neuer Dorfladen willkommen ist: Ein Infoanlass und eine Umfrage sollen zeigen, wie gross das Bedürfnis in der Bevölkerung ist. Und in welcher Form das Angebot daherkommen soll.

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Die IG Dorflädeli stellt ihr Projekt vor. Von links nach rechts: Stefan Röthlisberger, Kathrin Schneider, Ursula Röthlisberger, Karen Wiedmer, Ramona Wegmüller und Simon Gerber. (Foto: zvg)

Seit gut drei Jahren fehlt in Walkringen ein Dorfladen: Es gibt keinen Ort mehr, an dem man Lebensmittel aus der Region und frisches Brot kaufen kann, keinen Ort, an dem man sich spontan beim Einkaufen zum kleinen Schwatz trifft. Und so verkommt das Dorf nach und nach zum Schlafdorf. Das wirkt sich auf die Entwicklung der Gemeinde aus, und vor allem fehlen damit wichtige Voraussetzung für ein altersgerechtes Wohnen.

 

Idee für ein freundliches Dorflädeli

Dieses Manko wurde immer wieder an Versammlungen, Alters-Workshops und in Gesprächen erwähnt und hat schliesslich eine Projektgruppe auf den Plan gerufen: Vor anderthalb Jahren schlossen sich Ursula Röthlisberger, Stefan Röthlisberger, Simon Gerber, Kathrin Schneider, Karen Wiedmer und die heutige Gemeinderätin Ramona Wegmüller zur Interessensgemeindschaf (IG) Dorflädeli zusammen. Mit viel Einsatz hat die Gruppe ein Konzept für einen «freundlichen Dorfladen» erarbeitet: Der Laden soll lokale Produkte anbieten und von der lokalen Bevölkerung getragen werden.  

 

Was wünscht die Bevölkerung?

Jetzt hat die Gruppe das Projekt der Bevölkerung vorgestellt: Sie wollte von den Walkringerinnen und Walkringern wissen, ob sie überhaupt Interesse hätten: Ob sie bei einem Dorfladen dabei wären, was sie von diesem erwarten und ob sie allenfalls mithelfen würden. Denn rund um die Planung eines Dorfladens gibt es erstaunlich viel zu planen: Wo ist ein geeignetes Ladenlokal, hell, zentral und gut zugänglich? Dann stellen sich Fragen wie: Was soll der Laden bieten, Brot, Getränke, Früchte und Gemüse, Fleisch- und Milchprodukte, Dosen und Pasta, oder auch Kosmetika, Putzmittel und Haustierbedarf – und was ist mit Zigaretten und Alkohol?

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Doppelt so viele Anwesende wie erwartet: Das Interesse ist gross. (Foto: zvg)

Die Leute sassen sogar auf Tischen

Weiter stellt sich die Frage, ob der Dorfladen bedient oder unbedient sein soll, und wie er geführt werden kann, damit er wettbewerbsfähige Preise bieten kann, ausserdem müssen unzählige weitere technische und praktische Fragen geklärt werden. Viele dieser Fragen wurden am Anlass in die Runde gegeben. Und die Runde war gross: Mit 50 bis 70 Personen hatten die Veranstalterinnen und Veranstalter gerechnet, am Ende seien sämtliche 120 Stühle im Sternensaal besetzt gewesen, erzählt Karen Wiedmer von der IG Dorfladen begeistert. Einige hätten sogar auf Tischen am Rand sitzen müssen: «Es war ein voller Erfolg.»

 

Zahlreiche Fragen zu beantworten

Auch die vielen Anwesenden bekamen viele Fragen zum Beantworten: Auf einer Liste, die via QR-Code angeklickt werden konnte, stehen Punkte von «Ich unterstütze das Projekt Dorfladen Walkringen» bis «soll der Dorfladen Bio anbieten, Lokales oder einfach Günstiges?» und «welche Öffnungszeiten wünsche ich?». Auch Fragen, wie häufig man im Dorfladen einkaufen und ob man auch Tiefkühlware oder Haustierbedarf einkaufen würde, galt es zu beantworten – eine ganze Liste mit detaillierten Punkten. «Die Ergebnisse der Umfrage werden im Sommer-Infoheft und an der nächsten Gemeindeversamlung publiziert», informierte die IG Dorfladen am Anlass.

 

Eine Genossenschaft …

Die weiteren Schritte wollen sie gemeinsam mit anderen Interessierten angehen. Den Standortentscheid beispielsweise: Als sehr gut geeignete Standorte wurden bereits die Milchannahmestelle und das alte Schulhaus in Betracht gezogen, es stehen allerdings noch andere Orte zur Diskussion, und der Standortentscheid ist noch nicht gefallen. Aber auch die Finanzierungsfrage wird ein grosser Brocken: Der Walkringer Gemeinderat hatte bereits im Vorfeld bekanntgegeben, dass er die Idee eines Dorfladens ideell unterstütze, die Initiative jedoch der IG Dorfladen überlasse. Ob die Gemeinde eine finanzielle Unterstützung gewährt, ist deshalb noch offen. Damit sich das Risiko klein und die Finanzierung sicher gestalten, überlegt die IG Dorfladen deshalb, eine Genossenschaft zu gründen.

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Ramona Wegmüller erklärt: Via QR-Code gelangt man auf die grosse Umfrage. (Foto: zvg)

… wie in Guttannen?

Das Vorbildprojekt für eine solche Lösung stehe bereits in Guttannen, erklärt Karen Wiedmer: «Das Dorf ist so klein, dass fast jeder Haushalt mit einem Anteilschein von 200 Franken in der Genossenschaft dabei ist.» Die Mitglieder in Guttannen erhalten dafür einen persönlichen Zugangscode, damit sie auch ausserhalb der Ladenöffnungszeiten Zugang haben. «Dort funktioniert das gut.»

 

Die Frage nach dem Bedürfnis ist geklärt ...

Das Ziel des Anlasses hat die Projektgruppe jedenfalls erreicht: «Es ging darum zu sehen, ob ein Bedürfnis vorhanden ist», fasst Karen Wiedmer zusammen. Nach so langer Zeit ohne Dorfladen musste sich zeigen, ob man die Leute wieder dafür gewinnen kann, oder ob sich alle schon anders ausgerichtet haben. Diese Frage ist damit geklärt. Demnächst will die IG Dorfladen die Antworten auswerten, parallel dazu aber auch schon konkrete Schritte unternehmen, Finanzierungsquellen prüfen, sich um eine Genossenschaftsgründung kümmern und lokale Lieferanten und Produzenten kontaktieren.

 

... und eine Eröffnung mit Dorffest wäre schön

Es gibt noch viel zu tun, bis ein «Dorfladen Walkringen» die Türen öffnet. Aber vielleicht melden sich nach dem Infoabend Helferinnen und Helfer und Interessierte, die einer neu gegründeten Genossenschaft beitreten oder als Sponsoren mitwirken möchten. «Das wäre toll, denn das Ziel ist, dass der Dorfladen von vielen Leuten aus dem Dorf getragen wird», fasst Karen Wiedmer zusammen. Wenn alles nach Plan verläuft, so hofft das Projektteam, könnte die Eröffnung dereinst sogar im Rahmen eines Dorffests gefeiert werden.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 21.03.2026
Geändert: 21.03.2026
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