Hightech in der Landwirtschaft

Wenn Drohnen säen, düngen und spritzen

Mit einer Drohne statt mit dem Traktor übers Feld: Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, gehört heute auch in der Region Bern immer häufiger zum landwirtschaftlichen Alltag. Die Landi Aare bietet die Dienstleistungen der Agrarpiloten seit diesem Jahr an.

«Wir sind seit diesem Jahr ein regionaler Stützpunkt der Agrarpiloten», sagt Remo Schenkel von der Landi Aare. Für die Einsätze arbeitet die Landi Aare mit einem Lohnunternehmer aus der Region zusammen. Die Landi Aare übernimmt sämtliche Flüge in der Region vom Emmental über das Berner Oberland bis ins Oberwallis sowie Richtung Schwarzenburg.

 

Angefangen hat alles mit Schlupfwespen

«Eigentlich hat alles mit den Trichogramma begonnen», erzählt Schenkel. Bereits 2016 wurden die winzigen Schlupfwespen mithilfe von Drohnen über Maisfeldern verteilt. Die Nützlinge schlüpfen aus biologisch abbaubaren Kapseln aus Maisstärke und bekämpfen den Maiszünsler auf natürliche Weise. Rund ein halbes Kilogramm dieser Kapseln wird pro Hektare ausgebracht.

«Die Drohne wirft die Kapseln automatisch in den richtigen Abständen ab. Sobald die Trichogramma schlüpfen, suchen sie die Eier des Maiszünslers und bekämpfen den Schädling ganz ohne chemische Mittel.»

 

Aus einer Idee entstand ein breites Angebot

Was mit der biologischen Schädlingsbekämpfung begann, entwickelte sich rasch weiter. «Ab 2020 wurde die Drohnentechnik laufend verfeinert und weiterentwickelt», sagt Schenkel.

 

Heute übernehmen die Drohnen Übersaaten und Untersaaten, bringen Pflanzenschutzmittel, Dünger oder Schneckenkörner aus und erfassen auf Wunsch sogar Bodenparameter.

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Der Einsatz über Rebbergen ist ein häufiger Einsatzort. (Bild: zvg)

Seit 2024 gehören die Agrarpiloten zur Fenaco. Weil die Nachfrage stetig zunahm, entstand ein Franchisesystem. «Die Landis konnten sich als regionale Stützpunkte bewerben. So können wir die Aufträge viel effizienter abdecken.» Seit 2026 gehört auch die Landi Aare dazu.

 

Die Technik übernimmt einen grossen Teil der Arbeit

Für ihre Einsätze setzt die Landi Aare eine Drohne mit einer Tragkraft von 20 Kilogramm ein. Die grösseren Modelle mit bis zu 50 beziehungsweise 100 Kilogramm Nutzlast stehen am Hauptstandort in Lyssach. «Für landwirtschaftliche Arbeiten ist sie das kleinste professionelle Modell», erklärt Schenkel. Klein ist dabei Ansichtssache. Die kleinste Drohne der Agrarpiloten benötigt zusammengesetzt ausgeklappt knapp 10 Quadratmeter Platz und braucht damit bereits eine beachtliche Fläche für Start und Landung.

Je nach Auftrag wird sie unterschiedlich ausgerüstet. «Beim Pflanzenschutz arbeiten wir mit Spritzdüsen. Wenn wir Dünger oder Schneckenkörner ausbringen, montieren wir einen Streuteller.»

 

Vor dem Flug zeichnet der Pilot die Fläche ein. «Danach plant die Drohne ihre Route selbst. Wird der Behälter leer, fliegt sie automatisch zurück, wird nachgefüllt und arbeitet genau dort weiter, wo sie aufgehört hat.» Über GPS wird gleichzeitig dokumentiert, welche Flächen bearbeitet und wie viele Mittel ausgebracht wurden.

 

Dort im Einsatz, wo Traktoren an Grenzen stossen

Gerade in schwierigem Gelände spielt die Drohne ihre Vorteile aus. «Unsere häufigsten Einsätze haben wir an Orten, an denen kaum eine Maschine arbeiten kann», sagt Schenkel. Besonders im Emmental würden viele Verbuschungen behandelt oder Einsaaten vorgenommen.

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Gerade an Steilhängen und bei Reben ist die Arbeit mit einer Drohe hilfreich. (Bild: zvg)

Ein weiterer Vorteil sei die Schonung des Bodens. «Wir verursachen keine Fahrspuren und keine Bodenverdichtung. Das ist für viele Betriebe ein wichtiges Argument.» Zudem könne häufig früher gearbeitet werden als mit einem Traktor. «Hat es vor zwei Stunden geregnet, können wir oft schon wieder fliegen. Mit einem Traktor müsste man warten, bis der Boden genügend trocken ist.»

 

Auch bei der Arbeitszeit zeigt sich der Unterschied. «Für das Ausbringen von Schneckenkörnern benötigen wir rund acht Minuten pro Hektare», erklärt Schenkel. «Beim Ausbringen von Dünger dauert es etwa 55 Minuten pro Hektare, weil wir häufiger nachfüllen und die Akkus wechseln müssen.»

Günstig ist die Dienstleistung allerdings nicht. «Im Vergleich zum Traktor kostet ein Drohneneinsatz ein Mü mehr», sagt Schenkel. Dem stünden jedoch Vorteile wie die fehlende Bodenverdichtung, der Einsatz in steilem Gelände oder auf nassen Böden sowie die hohe Präzision gegenüber. Die Preise unterscheiden sich je nach Einsatzart und Flächengrösse, kann jedoch online bereits berechnet werden.

 

Manchmal ist die Drohne die einzige Lösung

Wie flexibel die Technik ist, zeigte sich bei einem Landwirt, dessen Mais ungewöhnlich schnell gewachsen war. «Er hatte schlicht vergessen, rechtzeitig zu düngen», erzählt Schenkel. «Als es ihm auffiel, war der Mais bereits so hoch, dass kein Traktor mehr durchs Feld fahren konnte. Mit der Drohne war das kein Problem.»

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So verstreut die Drohne ihre Ladung. (Bild: zvg)

Auch bei Spezialkulturen sieht er grosses Potenzial. «Bei Kürbissen müssen wir nicht durchs Feld fahren. Dadurch beschädigen wir keine Pflanzen.» Im Frühling beschichteten die Agrarpiloten ausserdem zahlreiche Gewächshäuser mit einer weissen Schattierungsfarbe. «Von Hand wäre das eine riesige Arbeit und gefährlich. Mit der Drohne geht es deutlich schneller und einfacher.»

 

Bauern zeigen sich offen

Die Resonanz sei bislang durchwegs positiv. «Das Interesse ist wirklich gross», sagt Schenkel. «Viele Landwirte möchten die Technik einfach einmal ausprobieren und sehen, wie sie funktioniert.»

 

Aktuell ist der Drohnenpilot ein bis zwei Tage pro Woche unterwegs. «Wir stehen noch am Anfang und haben durchaus noch freie Kapazitäten.» Die meisten Aufträge werden direkt über die Webseite der Agrarpiloten erfasst. Dort markieren die Landwirte ihr Feld auf einer Karte, was die Einsatzplanung deutlich vereinfacht.

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Mit einem Düsenabstand von vier Zentimetern ist die gezielte Anwendung von Pflanzenschutzmittel möglich. (Bild: zvg)

Künstliche Intelligenz erkennt Unkraut

Neben den Drohnen setzt die Landi Aare auch auf eine intelligente Feldspritze von Ecorobotix. Das System erkennt mithilfe künstlicher Intelligenz Unkräuter und behandelt ausschliesslich dieser Pflanzen. «Die Kamera vergleicht die Pflanzen laufend mit einer umfangreichen Bilddatenbank und entscheidet innert Sekunden, ob gespritzt werden muss oder nicht», erklärt Schenkel.

 

Dadurch lasse sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um 80 bis 95 Prozent reduzieren. «Unser Ziel ist klar: So wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich einsetzen und trotzdem die Kultur optimal schützen.» «Vor allem im Frühling und Herbst ist die Nachfrage nach dieser Technik sehr gross.»

 

Für Schenkel ist klar, dass das Potenzial der Drohnentechnik noch lange nicht ausgeschöpft ist. «Wir stehen mit dieser Technologie noch in den Kinderschuhen, doch die Aufträge werden immer mehr und die Arbeiten effizienter.»

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Mit einem Düsenabstand von vier Zentimetern ist die gezielte Anwendung von Pflanzenschutzmittel möglich. (Bild: zvg)

Weitere Informationen zu den Drohnenangeboten finden Sie hier.

Mehr Informationen übern den Ecorobotix findden Sie hier.


Autor:in
Pascale Groschel, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 02.08.2026
Geändert: 02.08.2026
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