Bauernhof in Utzigen

Wenn das Gras nicht mehr wächst

Mai, Juni und Juli waren aussergewöhnlich trocken. Die Bauernfamilie Oberli in Utzigen spürt das bei der Ernte sowie wenn die Kühe gemolken werden. BERN-OST hat die Familie im Bächi besucht.

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Gisela und Hansjürg Oberli: «Das Wasser reicht noch, um den Garten zu bewässern.» (Foto: rb)

Wir treffen uns auf dem Hof der Familie Oberli in Utzigen. Hansjürg Oberli spritzt sich die Stiefel ab, während sein Sohn Bernhard Mist auf den Mistzetter lädt. In der modern umgebauten Küche setzen wir uns mit seiner Frau Gisela an den Tisch. Grund des Besuchs ist die Trockenheit.

 

Weizen kleiner als normal

Bei Oberlis hat der heisse Sommer Spuren am Weizen hinterlassen. «Die Körner sind deutlich kleiner als in anderen Jahren», sagt Hansjürg Oberli. Der Grund sei der Wassermangel. Die Pflanzen seien wegen der Trockenheit früher als üblich abgereift und hätten das Wachstum vorzeitig abgeschlossen.

 

Deshalb wurde der Futterweizen dieses Jahr zwei bis drei Wochen früher geerntet als sonst. «Auch wenn es noch geregnet hätte, wäre beim Weizen nichts mehr passiert», gibt sich Oberli überzeugt.

 

Die Felder haben unterschiedlich stark gelitten. Gerste und Triticale haben gute Erträge gebracht. Entscheidend sei der Boden. «Auf Flächen mit viel Humus wächst es gut. Auf Hängen mit Chiesböden kommt deutlich weniger.»

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Der Hang auf Humus dem Maisfeld (hinter der Strasse) ist noch grün, der Hoger dahinter gelb. (Foto: rb)

Wiesen trocknen rasch aus

Die Trockenheit macht sich auch auf den Wiesen bemerkbar. Zu Beginn des Jahres sei die Situation noch gut gewesen. «Wenn der Frühling trocken ist, bilden die Pflanzen tiefere Wurzeln», so Oberli. Doch auf den höher gelegenen Flächen sehe es anders aus.

Unser Hoger speichert praktisch kein Wasser. Dort wird es schnell rot.

Statt wie in anderen Jahren drei Mal, konnten Oberlis die Wiesen bisher erst zwei Mal mähen. Die Felder zu bewässern ist für sie kein Thema. Zwar gibt es auf dem Hof einen Bach und eine Quelle, doch auch dort fliesst weniger Wasser als sonst. «Es reicht noch, um den Garten zu bewässern», sagt Gisela Oberli lachend.

Winterfutter wird bereits verfüttert

Auch die Milchkühe spüren den heissen Sommer. «Normalerweise werden die Kühe etwa zu 80 Prozent satt, wenn sie auf der Weide sind. Dieses Jahr müssen wir deutlich mehr zufüttern.»

 

Dafür greift die Familie auf Heu und Silage zurück, die eigentlich für den Winter vorgesehen waren. «Wir hoffen immer noch auf Regen, damit sich die Vorräte wieder auffüllen. Aber zurzeit ist es wie bei einem Wasserreservoir, in das nichts mehr nachfliesst.» Noch reicht das Futter. Zusätzliches Heu einzukaufen sei momentan schwierig, sagt Hansjürg Oberli. 

Die Preise sind hoch. Alle behalten ihr Futter für sich.

Man wolle nichts dramatisieren, betonen beide, aber wenn die Kühe von den abgegrasten, dürren Wiesen zurückkommen, geben sie natürlich auch weniger Milch. «Wir kommen schon durch, wir haben einen gesunden Betrieb», fügt Gisela Oberli an.   

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Bernhard Oberli hilft mit auf dem Bauernhof. (Foto: rb)

Futter kaufen oder Kühe schlachten

Finanziell sei die kleinere Weizenernte verkraftbar. Der Futterweizen wird an die Futtermühle Kohler in Bigenthal geliefert und zu Viehfutter verarbeitet. «Wenn wir weniger liefern, erhalten wir von dort weniger verarbeitetes Futter und müssen mehr bezahlen», so Oberli.

 

Grössere Sorgen bereitet ihm der Blick nach vorne. 

Wir haben erst Mitte Juli. Was ist, wenn der August auch noch trocken wird?

Sollte sich die Situation weiter verschärfen, müssten schwierige Entscheidungen getroffen werden. «Es wird der Punkt kommen, an dem wir uns fragen müssen: Kaufen wir Futter oder lassen wir Kühe schlachten? Wir hängen an den Tieren. Die gibt man nicht einfach so her.»

Regen ist dringend nötig

Positives kann Hansjürg Oberli der Trockenheit dennoch abgewinnen. Die Kühe hinterlassen auf den trockenen Weiden kaum Schäden, und der Mais wachse bisher gut.


Damit sich die Lage entspannt, brauche es aber mehr als einen kurzen Schauer.

Drei bis vier Tage Landregen wären gut. Mindestens. Das bisschen Regen dieser Tage ist schon wieder weg.

Humusreiche Böden könnten zwar viel Wasser speichern. «Aber wenn der Speicher leer ist, dauert es eine Weile, bis er wieder gefüllt ist.»

 

Wenn sie zurückschauen, habe sich schon etwas verändert. «Früher gab es auch heisse Phasen. Aber danach kam wieder Regen. Dieses Jahr waren der Mai, der Juni und jetzt auch der Juli trocken. Das macht schon ein wenig Angst.»

 

Für diese Woche sind zwar mildere Temperaturen angesagt, aber Regen ist vorerst keiner in Sicht.

Der Hof Oberli am Bächi in Utzigen

Gisela (53) und Hansjürg (59) Oberli führen in Utzigen den Hof in fünfter Generation. Sohn Bernhard arbeitet bei der Olwo und hilft in seiner Freizeit auf dem Hof mit. Später will er den Betrieb übernehmen. Auf den rund 20 Hektaren wachsen unter anderem Gerste, Triticale (Mischung aus Weizen und Roggen), Futterweizen und Silomais. Zum Betrieb gehören 20 Milchkühe, vier eigene Pferde, vier Pensionspferde sowie Hühner.


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 22.07.2026
Geändert: 22.07.2026
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