Unbekannte Geschichten

Wie es Rubigen in die «New York Times» schaffte

Vor 50 Jahren schaffte es Rubigen bis in die USA. Die «New York Times» veröffentlichte 1976 eine seitenlange Reportage über das Dorf. Der Journalist Curt Leviant schilderte Rubigen als idyllischen Ort und lobte die Gastfreundschaft. Grundlage des Artikels waren Leviants Ferien in Rubigen.

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In diesem Bauernhaus in Rubigen verbrachte der US-Journalist seine Ferien. (Foto: zvg)

Eigentlich suchte die fünfköpfige Familie Leviant ein Ferienchalet im Berner Oberland Zufällig landete sie aber in Rubigen. Im Sommer 1975 wohnte sie im Häberli-Bauernhaus unterhalb der «Krone» und des «Café Berger».

 

Die Times-Reportage trug den Titel «Sie liessen sich in einem 300 Jahre alten Bauernhaus nieder». Das stimmt nach heutigem Wissensstand allerdings nicht mehr. Der Archäologische Dienst des Kantons Bern datierte  das Gebäude später auf das Jahr 1827. Früher ging man wegen einer eingemeisselten Jahreszahl im Keller von 1675 aus.

 

Überall freundliche Menschen

Zu diese Idylle schien dem amerikanischen Besucher auch zu passen, dass der Rubiger Bahnhofvorstand «Mister Bigler» ein «affionado of the bible» sei, also «leidenschaftlicher Anhänger der Bibel». Als die Familie von Paris kommend in Rubigen eintraf, wurde sie auf dem Bahnhofplatz von Gemeindeschreiber Hermann Bichsel und seiner Frau Trudi mit einem Leiterwagen für den Gepäck-Transport empfangen. Leviant bezeichnet Bichsels als «sehr freundliche Leute» («they were so kind to us» ).

Ferien auf dem Bauernhof

Die Familie Leviant genoss die «geräumige» Ferienwohnung, «mit Velos und Spielzeugen, der Bahnhof nur drei Minuten entfernt und die Bäckerei gleich über der Strasse». Die Gäste erkundeten Rubigen und die nähere Umgebung. Was ihnen auffiel: «Überall grüne Hügel und die Skyline der schneebedeckten Alpen». Schriftsteller und Journalist Leviant schwärmt «vom vielen Weideland, grossen Kornfeldern, Gärten und Blumen, vom öffentlich zugänglichen Wald, von Bauernhäusern mit Dächern fast bis zum Boden».

 

Und vor allem: «Überall in Rubigen sind die Menschen freundlich.» Dem US-Journalisten fiel aber auch auf, dass sich das Bauerndorf Rubigen im Umbruch befand. Die grossen Wohnbauten an der Worbstrasse und das neue Schulhaus, umgeben von Landwirtschaftsland, bezeichnet er als «Suburb», also als städtischen Vorort.

Belpberg mit weiter Aussicht

Ein Rubiger, der sich noch gut an die Leviant-Ferien in Rubigen erinnern kann, ist Otto Rüfenacht, damals SBB-Stationsbeamter. Otto Rüfenacht sagt heute: «Er war ein sehr freundlicher Herr, kam zu mir, sprach amerikanisch mit deutschem Akzent, und wollte Fahrpläne für schöne Tagesausflüge. Ich suchte Ziele aus, Jungfraujoch, Gornergrat, Niesen, Stockhorn, Niederhorn, Rigi, Pilatus, und nach ihrem Wunsch auch Bern, Freiburg, Murten, Aarberg.»

 

Otto Rüfenacht weiter: «Da ich nebenan wohnte, nahmen wir öfters zusammen den Apéro bei Häberlis im Garten und besprachen die Reisen. Was mich erstaunte, sie schwärmten auch vom Belpberg und von der superweiten Aussicht, die sie von dort oben geniessen konnten.»

Häberli-Haus abgerissen

Diesen Sommer wurde das Bauernhaus, das Rubigen in den USA in die Schlagzeilen brachte, abgebrochen. Es soll zwei neuen Wohnhäusern weichen. Beworben werden sie mit der Kombination aus ländlicher Ruhe, Nähe zur Stadt sowie der Aussicht auf das Berner Oberland und den Belpberg.

Der Artikel von Martin Christen erschien zuerst im Rubiger Kurier. 


Autor:in
Martin Christen, Rubiger Kurier
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Erstellt: 03.08.2026
Geändert: 03.08.2026
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