Wie viel Sportplatz soll dem Wohnen weichen?
Die IG Läbigs Chise will den Spiel- und Sportplatz dauerhaft erhalten. Der Gemeinderat möchte einen Teil davon für Wohnbauten nutzen und mit den Erlösen die Erneuerung öffentlicher Gebäude mitfinanzieren. Am 5. November entscheidet die Gemeindeversammlung über die Initiative.
Für die einen ist er ein Freiraum, den Kiesen nicht verlieren darf. Für die anderen ist er grösser als nötig und bietet die Möglichkeit, dringend benötigte Erneuerungen mitzufinanzieren. Beim Streit um den Spiel- und Sportplatz treffen zwei Vorstellungen davon aufeinander, wie sich das Dorf entwickeln soll.
Die von Hans Ulrich Graber lancierte und von der IG Läbigs Chise unterstützte Initiative verlangt, den bestehenden Platz dauerhaft zu erhalten, zu modernisieren und bei Bedarf mit neuen Angeboten zu ergänzen. Der Gemeinderat empfiehlt einstimmig ein Nein. Er will den Auftrag der Bevölkerung umsetzen und zwei Varianten zur Abstimmung bringen.
Am 5. November wird über diesen Erhaltungsauftrag abgestimmt. Über die beiden Zonenplanvarianten wird erst später entschieden.
Ein Platz für mehr als Sport
Die IG sieht im Spiel- und Sportplatz weit mehr als eine Rasenfläche. Für sie ist er ein frei zugänglicher Treffpunkt für Kinder, Jugendliche, Familien und ältere Menschen. Ein Ort, der ohne Reservation genutzt werden kann und Raum für Bewegung und Begegnungen bietet.
Diesen Freiraum will sie für kommende Generationen sichern und weiterentwickeln. Der Platz soll barrierefrei, sicher und umweltfreundlich gestaltet werden und Angebote für unterschiedliche Altersgruppen ermöglichen.
Die IG verbindet ihr Anliegen mit grundsätzlicher Kritik an der Dorf- und Schulentwicklung. Sie wirft dem Gemeinderat vor, frühere Versprechen zum Erhalt des Sportplatzes und zur Finanzierung der öffentlichen Gebäude nicht einzuhalten. Sie befürchtet einen zu starken Bevölkerungszuwachs und verlangt eine nachvollziehbare Darstellung der finanziellen Tragbarkeit. Mehr Wohnbauten bedeuteten aus ihrer Sicht zudem, dass auch mehr Grünraum gebraucht werde.
Der Gemeinderat setzt auf den Teilverkauf
Der Gemeinderat hält dagegen: Der heutige Sportplatz werde nur unregelmässig und selten vollständig genutzt. Für Schule und Freizeitsport reiche eine kleinere Fläche aus. Auch mit einer teilweisen Überbauung blieben ein Rasenspielfeld und eine moderne Aussensportanlage erhalten.
Für den Gemeinderat gehört der Sportplatz zu einer grösseren Aufgabe. Die Schulräume entsprechen laut Versammlungsbotschaft nicht mehr den heutigen Anforderungen, seit Jahren werden Provisorien genutzt. Auch Kindergarten, Gemeindeverwaltung und Turnhalle müssen erneuert werden.
Die Erlöse aus gemeindeeigenem Land sollen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Gleichzeitig will der Gemeinderat das Dorfzentrum mit einem neuen Dorfplatz sowie zusätzlichen Grün-, Spiel- und Aufenthaltsflächen inklusive Sportplatz aufwerten und weiterentwickeln. Der Gemeinderat erwartet zudem zusätzliche Steuereinnahmen und eine stärkere Nachfrage nach Angeboten im Dorf.
Was kostet der Erhalt?
Bei Annahme der Initiative erwartet der Gemeinderat eine bis drei Millionen Franken weniger Verkaufserlös. Die öffentlichen Gebäude müssten trotzdem erneuert werden. Er rechnet deshalb mit zusätzlichen Schulden und geht davon aus, dass eventuell eine Steuererhöhung nötig würde. Wie hoch diese ausfallen müsste, lasse sich heute nicht seriös abschätzen.
Die IG kritisiert ihrerseits, dass die erwarteten Erlöse im Laufe der Planung gesunken seien. Der Gemeinderat erklärt dies mit einer inzwischen kleineren Fläche für Wohnbauten.
So geht es am 5. November um mehr als die Grösse eines Sportplatzes: Wie viel Freiraum will Kiesen bewahren – und welchen finanziellen Spielraum will sich die Gemeinde mit Wohnbauten verschaffen?
Was wird am 5. November entschieden?
Worüber wird abgestimmt?
Über die Initiative «Läbigs Chise, dank Erhaltung des Spiel- und Sportplatzes für Alle!». Sie verlangt den dauerhaften Erhalt und die Modernisierung des bestehenden Platzes sowie bei Bedarf neue Anlagen.
Was bedeutet ein Ja?
Die Gemeinde erhält den Auftrag, den bestehenden Spiel- und Sportplatz dauerhaft zu erhalten. Laut Gemeinderat bleibt die Planungsvariante mit verkleinertem Sportplatz dennoch im Verfahren: Er sieht sich weiterhin an den Auftrag der Gemeindeversammlung von April 2024 gebunden, beide Varianten zur Abstimmungsreife zu bringen. Den definitiven Variantenentscheid sollen die Stimmberechtigten später fällen können.
Was bedeutet ein Nein?
Der Erhaltungsauftrag aus der Initiative kommt nicht zustande. Damit sind weder die teilweise Überbauung noch ein Landverkauf beschlossen.
Die Bevölkerung hat dem Gemeinderat im April 2024 den Auftrag gegeben, zwei Varianten zur Dorf- und Schulentwicklung auszuarbeiten. Wie unterscheiden sich diese?
Variante A sieht einen verkleinerten Sportplatz und mehr Fläche für Wohnbauten vor. Variante B erhält das Rasenspielfeld weitgehend in seiner heutigen Grösse und ermöglicht weniger Wohnentwicklung.
Wann und wo findet die Versammlung statt?
Donnerstag, 5. November 2026, 20 Uhr, Turnhalle Kiesen.