«Wie würden Sie auf eine Nachricht Ihres früheren Ichs reagieren?»
Elena Sobolew aus Oberdiessbach hat eine Web-Applikation entwickelt, auf der man Nachrichten in die Zukunft schicken kann. Ob an die eigenen Kinder, an Freunde oder an sich selbst. Die Botschaften kommen erst Jahre später an und sollen besondere Momente schaffen.
Elena Sobolew (40), ist in Kasachstan und Deutschland aufgewachsen und wohnt heute in Oberdiessbach. Vor fünf Jahren kam sie in die Schweiz. Sie ist wegen ihres Berufs hergezogen und arbeitet als Digital Product Managerin für Softwarelösungen im Maschinenbau. Anfang Jahr hat Sobolew eine neue Web-Applikation kreiert. Auf echogram.me kann man Nachrichten in die Zukunft verschicken. Wir wollten wissen, wie das geht.
BERN-OST: Elena Sobolew, wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Elena Sobolew: Als ich Mutter wurde, war ich viel zuhause und hatte Zeit zum Nachdenken. Ich habe mir gedacht: Wenn ich meiner Tochter etwas sagen möchte, das sie erst in zehn Jahren lesen soll, wie kann ich das machen? Ich fragte mich, wieso es so einen Dienst nicht gibt.
Also dachte ich, ich könnte das für meine Tochter tun. Ihr einen Brief schreiben, den sie an ihrem zehnten Geburtstag lesen kann. Dann kam ich in einen Prozess, aus der Idee wurde ein Projekt: Etwas zu schreiben, das erst später ankommt. So entstand diese Web-Applikation.
Wer sollte so eine Nachricht versenden?
Theoretisch kennt jeder eine solche Situation. Heute etwas schreiben, was die Liebsten zu Weihnachten erhalten werden. Es könnte als Tool in Schulen genutzt werden, damit sich Schülerinnen oder Schüler in der Zukunft schreiben können.
Oder auch für Leute in Hospizen, die nicht mehr in der Lage sind, Freunden oder der Familie in der Zukunft zu gratulieren. Oder jemand, der beispielsweise abnehmen möchte, kann sich ein Video von sich in zwei Jahren zustellen. Man vergisst, was man damals geschrieben hat.
Warum sollte man eine Nachricht erst in zehn Jahren verschicken wollen?
Weil es dann eine Nachricht aus der Vergangenheit ist. Jemanden aus der Vergangenheit zu sehen, ist ein anderes Level! Fragen Sie sich: Wenn Sie heute eine Nachricht von sich erhalten, die Sie vor 20 Jahren geschrieben haben, wie würden Sie reagieren?
Werden diese Nachrichten per E-Mail oder Post zugestellt?
Nur digital. Man kann so viele E-Mail-Adressen angeben, wie man will. Man erhält eine E-Mail mit einem Link auf die Nachricht. Kein Brief, sondern ein Erlebnis.
Der Dienst scheint recht teuer. Die Preise variieren zwischen 5 und 50 Franken pro Nachricht. Denken Sie, dafür gibt es einen Markt? Heute, wo man gratis Nachrichten verschicken kann?
Man kriegt mit der Registrierung fünf kostenlose Nachrichten. Es ist nicht nur eine Nachricht, sondern ein Erlebnis. Es steckt eine Infrastruktur dahinter, damit das auch funktioniert. Klar kamen mir manchmal Zweifel auf. Aber die Plattform wird es geben, ob die Leute sie nutzen wollen, weiss ich nicht.
Sie nehmen jetzt an einem nationalen Wettbewerb teil, dem Best of Swiss Web Award. Was versprechen Sie sich davon?
Dort nehmen grosse Firmen wie die SBB, Raiffeisen oder Mobiliar teil. Ich bin eine Einzelkämpferin, die dort nicht reinpasst. Aber es ist eine Möglichkeit, das Produkt zu testen. Ich hoffe, dass ich beim Wettbewerb auf eine Shortlist komme. Über 300 Projekte wurden angemeldet, ich hoffe, dass es klappt.
Elena Sobolews Website: echogram.me