«Wir haben uns vom Zeitplan her zu viel vorgenommen»
Weniger Gastrobetriebe, mehr alkoholfreies Bier: Der Biermarkt verändert sich. Egger-Geschäftsführer David Santschi spricht über den vergangenen Sommer, die Produktion im Appenzell und die Pläne für Worb.
Die Brauerei Egger wollte eigentlich schon diesen Sommer am neuen Standort in Worb SBB Bier brauen. Doch noch steht die neue Halle nicht. Geschäftsführer David Santschi erklärt die Verzögerung. Auf einen neuen Termin für den Braustart will er sich nicht festlegen.
BERN-OST: David Santschi, wie hat sich der heisse Sommer auf den Bierkonsum ausgewirkt?
David Santschi: Es war ein guter Sommer, aber es war fast zu heiss. Wenn es draussen um 25 Grad warm ist, ist das die optimale Temperatur, um Bier zu trinken. Wenn es zu heiss wird, merkt man das ein wenig. Aber es war im Vergleich zum letzten Jahr ein guter Sommer, nicht nur wegen des Wetters. Wir spüren auch den Rückgang von Gastrobetrieben. Gerade in der ländlichen Gegend verlieren wir Kunden, wenn keine Nachfolgelösung für einen Betrieb gefunden wird. Tatsache ist auch, es wird weniger Bier getrunken, dafür wächst der Absatz von alkoholfreiem Bier im zweistelligen Prozentbereich.
Seit letztem Jahr wird das Egger Bier im Appenzell gebraut. Wie läuft das und welche Rolle spielt die Wasserqualität?
Klar, die Qualität des Wassers hat einen grossen Einfluss aufs Brauen. Das Wasser wird aber auch im Appenzell entkalkt. Zu Beginn war ich häufig dort, um den Brauprozess anzupassen. Auf einer anderen Anlage muss das justiert werden. So bin ich auch nach wie vor regelmässig vor Ort, auch zur Degustation.
Es hiess mal, ab diesem Sommer soll in Worb SBB wieder gebraut werden. Wie weit seid ihr?
Ursprünglich war das so geplant. Wir haben uns vom Zeitplan her zu viel vorgenommen. Dazu kam, dass wir noch andere Anlagen fürs Brauen in Winterthur von Chopfab übernehmen. Das hatte wiederum Auswirkungen auf die Baupläne. Wir haben den Abbruch der alten Halle in Worb SBB vorgezogen. Das Gelände ist jetzt parat, demnächst folgt die Baupublikation.
Was sind die Schwierigkeiten des Projekts?
Es dauerte länger, bis die Kiesdeponie weggeräumt war. Dann haben wir Bodenproben genommen, auch das hat das Projekt ein wenig verzögert.
Was wird nach dem Bau der neuen Halle anders?
Wir bauen – völlig unromantisch – eine Industriehalle. Für die Produktion ist das effizienter. Dank moderner Anlagen benötigen wir weniger Platz als vorher, können dennoch mehrere Sude pro Tag aufsetzen. Neben dem Brauen werden wir in Worb SBB auch abfüllen. Rund 80 Prozent des dort gebrauten Egger Biers werden vor Ort abgefüllt: das Fassbier für Restaurants und der grösste Teil des Flaschenbiers. Dosen werden anderswo abgefüllt, weil wir dafür in Worb keine Anlage haben.
Werdet ihr am neuen Standort auch Lehrlinge ausbilden?
Ja, wenn alles steht und der Betrieb läuft, werden wir auch wieder Lehrlinge ausbilden. Nachdem wir unsere Brauanlage in Worb ausgebaut hatten, ging unser Brauer nach München und hat dort die Braumeisterschule abgeschlossen. Er wird am neuen Standort die Produktionsleitung übernehmen.