Schweikhof Wichtrach

«Wir hätten gerne noch lange so weitergemacht»

Ende Jahr schliesst der Hofladen auf dem Schweikhof in Wichtrach. Trotz treuer Stammkundschaft reicht der Umsatz nicht aus. Inhaberin Stefanie Gfeller erzählt, weshalb sie sich gegen einen Selbstbedienungsladen entschieden hat und was weitergeht.

image 1005973
Trotz Schliessung herrscht gute Stimmung im Team von Stefanie Gfeller (m). (Bild: pg)

«Es ist mega traurig, wir hätten gerne noch lange so weitergemacht», sagt Stefanie Gfeller. Der Entscheid fällt ihr schwer. Doch nach fünf Jahren mit dem ausgebauten Hofladen glaubt sie nicht mehr daran, dass die Einnahmen ausreichen werden.

 

Angefangen hatte alles 2015 in kleinerem Rahmen. Im Zentrum standen Anlässe für geschlossene Gesellschaften. Der Hofladen öffnete jeweils am Freitag für drei Stunden. «Damals war der Hofladen nur Beigemüse», erzählt Gfeller. Die Anlässe liefen gut. Meist konnten zwei pro Woche stattfinden. Die Nachfrage war gross, die Wirtschaftlichkeit laut Gfeller kein Problem. Zur Unterstützung stellten sie eine Mitarbeiterin ein, zwei Jahre später dann die nächste.

Corona veränderte den Betrieb

Als während Corona die Anlässe wegfielen, investierte Gfeller in den Hofladen. Doch nach der Pandemie zeigte sich: Ohne die Einnahmen aus den Anlässen wurde es schwierig.

 

Der Agro-Preis und eine Auszeichnung von InnoBio machten nochmals Mut. Doch der Umsatz ging wieder zurück. «Wir haben sehr viele treue Stammkunden, aber es bräuchte mehr, um auf einen grünen Zweig zu kommen.» Auch die Lieferungen von Brot und Gebäck an die Rüedu-Läden fielen weg.

Gfeller vermutet, dass sich die Gewohnheiten nach Corona wieder verändert haben. Die Menschen reisten wieder mehr, kauften wieder in grossen Läden ein und wollten für ihre Einkäufe wenig Zeit aufwenden. «Aktuell passt unser Konzept nicht in die Zeit.» Steigende Preise spielten aus ihrer Sicht ebenfalls eine Rolle. Beim Preis könne und wolle der Hofladen nicht mit den grossen Anbietern mithalten.

 

Zurück zu früher passt nicht mehr

Wieder so viele Anlässe wie früher durchzuführen, kommt für Gfeller nicht infrage. Sie ist inzwischen Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. Die Prioritäten als Familie haben sich verändert. Während der Pandemie habe sie es auch geschätzt, nicht mehr jedes Wochenende arbeiten zu müssen.

Die gemeinsame freie Zeit mit den Kindern möchte sie nicht wieder regelmässig für die Arbeit hergeben. «Somit wollen und können wir nicht einfach zurück in das ‹Vorher›.» Was sie künftig aufbaut, muss zur Familie und zum Bauernbetrieb passen.

 

Weshalb kein Selbstbedienungsladen?

Gfeller wurde oft gefragt, weshalb sie nicht auf Selbstbedienung umstelle. «Es passt einfach nicht in unser Konzept und ich habe Angst vor Diebstahl», sagt sie. Gerade beim hochwertigen Fleisch hat sie Bedenken. Eine Selbstbedienungskasse und eine Videoüberwachung hätten neue Investitionen nötig gemacht. Angesichts der bestehenden Selbstbedienungsläden in der Umgebung war ihr das Risiko zu hoch. Auch ohne Verkaufspersonal bleibe viel Arbeit. «Da muss trotzdem viel Zeit investiert werden, und da haben wir entschieden, das wollen wir nicht.»

Der Abschied vom Team fällt schwer

Neben Gfeller arbeiten Mitarbeiterinnen mit insgesamt hundert Stellenprozent im Laden. Ihnen den Entscheid mitzuteilen, sei der schwerste Moment gewesen. Personal zu finden, sei auf dem Schweikhof nie ein Problem gewesen. «Es war ein cooles Team, alle kamen gerne und waren auch aus der Region.» Umso mehr bedaure sie, dass es in dieser Form nicht weitergehe. 

 

Die Mitarbeiterinnen bleiben bis Ende Jahr. Laut Gfeller haben die meisten Anschlussmöglichkeiten gefunden. Falls sie später für Anlässe stundenweise Unterstützung brauche, würde sie wieder auf das bisherige Team zugehen.

 

Die Schliessung löst Diskussionen aus

Die Stammkundschaft hat Gfeller informiert, soweit ihr die Kontaktdaten vorlagen. Auf Social Media löste die Schliessung viele Reaktionen aus. «Ich bin froh, nimmt es uns niemand übel.»

image 1005981
Klara Okara wird weiterhin produziert und verkauft. (Bild: Archiv BERN-OST)

In den Diskussionen gingen die Meinungen darüber auseinander, wer die Schuld an der Schliessung trage. Selbst Personen aus Deutschland hätten sich eingeschaltet, erzählt Gfeller. Dass die Nachricht vom Ende mehr Menschen erreichte als frühere Beiträge über den Laden, findet sie schade.

 

Fleisch, Klara Okara und Anlässe bleiben

Die Schliessung betrifft den Hofladen, der Bauernbetrieb läuft weiter. Gfeller führte den Laden selbstständig und rechnete ihn getrennt vom Hof ab, um die Wirtschaftlichkeit der beiden Bereiche im Blick zu behalten.

 

Auch die Produkte von Klara Okara bleiben im Verkauf, unter anderem in der Landi. Grössere Kunden wie Gastrobetriebe will Gfeller weiterhin beliefern. Fleisch vom Hof soll es künftig an bestimmten Tagen als Mischpakete und in grösseren Mengen geben.

Das Hoftheater findet ebenfalls statt. Weitere geschlossene Anlässe sind bereits geplant. Ob diese auch später wieder mehr Gewicht erhalten, ist offen. Bis Ende Jahr steht noch einiges an. Die Weihnachtsausstellung findet statt, für verschiedene Kunden stellt das Team Weihnachtspäckli zusammen.

 

Im Januar erst einmal durchatmen

Welche weiteren Produkte bleiben, weiss Gfeller noch nicht. Kunden fragten etwa nach Brot, Konfitüre und Natura Beef. Zuerst will sie nachrechnen, welche Arbeiten und Produkte sich lohnen.

 

«Im Januar wollen wir wirklich mal durchatmen», sagt sie. Danach will sie sortieren, wie es weitergeht. «Aber richtig mit allem aufzuhören, kann ich mir nicht vorstellen.»


Autor:in
pg, info@bern-ost.ch
Fehler gefunden?
Statistik

Erstellt: 24.10.2026
Geändert: 24.10.2026
Klicks heute:
Klicks total: