Sternen kämpft mit Wartezeiten und neuer Konkurrenz
Lange Wartezeiten und weniger Mittagessen im Sternen Walkringen. Wie Recherchen von BERN-OST ergaben, läuft auch der Abend nicht wie geplant. Mit der Wiedereröffnung des Metzgerhüsi steht ein neuer Konkurrent vor der Tür. Der Leiter der Friederika Stiftung antwortet auf offene Fragen.
BERN-OST: Herr Burckhardt, wenn Sie heute eine Zwischenbilanz ziehen: Wie geht es dem Sternen?
Andreas Burckhardt (Leiter Stiftung Friederika): Unser wichtigstes Ziel war, das Restaurant zu erhalten und gleichzeitig unseren Lernenden die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen in der Gastronomie zu sammeln. Der Erhalt des Sternen ist geglückt. Seit der Übergabe sind die Zahlen stabil bis leicht wachsend, wobei es bei den Gästezahlen Schwankungen gab. Auch die Baustelle hatte Auswirkungen. Insgesamt sind wir zufrieden, aber wir befinden uns nach wie vor in einer Aufbauphase.
Der Aufbau mit den Lernenden aus der Friederika Stiftung hat sich als anspruchsvoll erwiesen. Im letzten halben Jahr haben wir aber grosse Fortschritte gemacht.
Der Generationenwechsel im Sternen scheint nicht ganz reibungslos verlaufen zu sein. Wie beurteilen Sie ihn?
Eigentlich hat der Generationenwechsel noch gar nicht stattgefunden. Ausser Ursula Röthlisberger ist noch niemand pensioniert. Die bisherigen Mitarbeitenden sind weiterhin da. Sie sind einfach nicht mehr als Mitglieder des früheren Vereins tätig, sondern zu Gastrobedingungen angestellt.
Eine grosse Herausforderung war für die Mitarbeitenden des Sternen, sich auf unsere Lernenden mit besonderem Unterstützungsbedarf einzulassen. Das ist eine neue Situation und braucht Zeit.
Uns ist zu Ohren gekommen, dass die Zahl der verkauften Mittagessen deutlich zurückgegangen sei. Stimmt das?
Ich habe dazu keine genauen Zahlen. Falls die Menüzahlen zurückgegangen sind, ist das für uns nicht besorgniserregend. Für uns ist wichtig, dass wir die Lernenden gut ausbilden können. Wenn dadurch – hoffentlich vorübergehend – etwas weniger Mittagessen verkauft werden, nehmen wir das in Kauf.
Verstehe ich das richtig, dass die Ausbildung der Friederika-Lernenden inzwischen einen fast höheren Stellenwert hat als der Sternen als Restaurant?
So würde ich das nicht unterschrieben. Es soll letztlich zu einer Win-win-Situation für alle werden.
Es gibt auch Rückmeldungen von Gästen über teilweise lange Wartezeiten am Mittag. Ist Ihnen dieses Problem bekannt?
Ja, das ist sicher so. Das ist eine unserer grossen Herausforderungen. Die ganze Küche musste umstrukturiert werden. Da sind wir gefordert.
Bei der Übernahme war vorgesehen, das Abendangebot auszubauen. Was ist daraus geworden?
Da wurden am Anfang hohe Ziele formuliert. Am Abend sind die Schwankungen enorm: Manchmal kommt fast niemand, an anderen Abenden sind es zahlreiche Gäste. Auch die Parkplatzsituation wirkt sich am Abend aus. Das Abendangebot ist jedenfalls nicht so zum Fliegen gekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten.
Wir wollen uns deshalb wieder stärker auf das Mittagsangebot konzentrieren und dieses zusammen mit den Lernenden weiterentwickeln. Das Abendangebot wird kleiner.
Beim Mittagsangebot sollen zudem immer mehr Produkte auf die Speisekarte kommen, die in der Friederika Stiftung hergestellt werden. Darunter sind auch etwas speziellere Sachen und vor allem Produkte von hoher Qualität. Wir möchten damit ein eigenes Markenzeichen entwickeln – unter anderem mit mehr Gemüse und einem grösseren Dekorationsanteil auf dem Teller.
Mit Sabine Schlüchter hat eine wichtige Mitarbeiterin den Sternen verlassen und zum Metzgerhüsi gewechselt. Wie schwer wiegt dieser Abgang?
Sabine Schlüchter war eine wichtige Stütze, ihr Wechsel ist für uns ein Verlust. Gleichzeitig freut es mich für sie, dass ihr dieser Schritt gelungen ist. Vielleicht ergibt sich daraus sogar eine Zusammenarbeit. Denkbar wäre beispielsweise, dass unsere Lernenden künftig Praktika im Metzgerhüsi oder in anderen Restaurants der Umgebung absolvieren könnten.
Natürlich erhöht ihr Wechsel auch unsere Spannung im Hinblick darauf, welche Auswirkungen die Neueröffnung des Metzgerhüsi auf den Sternen haben wird. Sie fordert uns heraus, noch klarer herauszuarbeiten, wofür der Sternen und die Friederika stehen.
Mit dem Metzgerhüsi bekommt der Sternen einen neuen Konkurrenten im gleichen Dorf. Wie gross ist Ihre Sorge?
Das Metzgerhüsi und der Sternen sind sehr unterschiedliche Restaurants. Ambiente und Grösse sind anders. Wenn es uns gelingt, ein klares alternatives Profil zu entwickeln, sehe ich die Neueröffnung durchaus auch als Chance. Freunde der schnellen Küche werden künftig vielleicht eher im Metzgerhüsi anzutreffen sein, andere Gäste eher bei uns.
Für die Bevölkerung von Walkringen und Umgebung hat die Neueröffnung zudem einen Vorteil: Sie wird künftig an sieben Tagen pro Woche eine Gaststätte zur Verfügung haben.
Wo soll der Sternen in einem Jahr stehen?
Es geht etwas, aber dazu kann ich im Moment noch nicht mehr sagen. Wir sind zusammen mit der Kirchgemeinde daran, das Sternenzentrum neu zu positionieren.
Seit 2001 ein Treffpunkt im Dorf
Der heutige Sternen entstand 2001 zusammen mit dem Sternenzentrum. Fünf Walkringer:innen gründeten damals einen Verein, der das Restaurant im neu gebauten Kirchgemeindehaus führen sollte. Die Idee: Der Sternen sollte ein Treffpunkt für die Dorfbevölkerung, Vereine und auswärtige Gäste werden. Nach anfänglicher Skepsis etablierte sich der von einem Verein geführte Betrieb und wurde während mehr als zwei Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil des Dorflebens.
2023 kündigte der Verein seine Nachfolgelösung an. Weil das Führungsteam ins Pensionsalter kam, sollte die Friederika Stiftung den Sternen übernehmen. Die Übergabe verzögerte sich gegenüber den ursprünglichen Plänen; seit dem 1. Januar 2025 ist die Stiftung Pächterin des Restaurants. Mit der Übernahme kamen auch Lernende der Friederika Stiftung in den Betrieb. Wirt und Geschäftsführer wurde Peter Gisler.