«Wir verkaufen einen Traum»
500 Besucher, sieben OK-Mitglieder und ein Schloss als Kulisse: Das Castle Jazz and Blues in Oberdiessbach setzt seit Jahren auf eine Mischung aus Musik und Atmosphäre. Festivalgründer Sigmund von Wattenwyl blickt zurück und verrät, weshalb sogar Elton John willkommen wäre.
Die Geburtsstunde der Castle Jazz und Blues in Oberdiessbach war eine Geburtstagsfeier, an der die damals legendäre Jazzband, die White Sox Jazz, spielte. Das Team um Sigmund von Wattenwyl wollte dies danach weiter entwickeln. Im Jahr drauf kamen 40 Leute, die zehn Franken Eintritt bezahlten. Jahr für Jahr wuchs das Festival ein wenig. Dieses Jahr feiert Castle Jazz und Blues die 24. Ausgabe des Events.
BERN-OST: Sigmund von Wattenwyl, wie gross ist der Vorlauf, um ein dreitägiges Festival auf die Beine zu stellen?
Sigmund von Wattenwyl: In den ersten Jahren haben wir im Januar die Bands engagiert. Aktuell sind wir bereits mit den Bands in Kontakt, die nächstes Jahr auftreten werden. Wir sind über die Jahre organisch gewachsen, aber wir wollen nicht mehr grösser werden. Für mehr als 500 Leute fehlt uns der Platz. Wir sind ein kleines OK mit sieben Personen, und das soll auch so bleiben.
Sie haben vor 24 Jahren erstmals Konzerte im Schlosspark organisiert. Dann wurden diese von Jahr zu Jahr grösser. Diesmal ist der Sonntag nicht mehr im Programm. Warum?
Es geht um die Ökonomie der Kräfte. Alle Helferinnen und Helfer sind im Arbeitsprozess, drei Tage mit Konzerten sowie Auf- und Abbau reichen. Am Sonntagmorgen findet noch die Schlossparkpredigt der Kirchgemeinde statt und am Abend ein Helferessen, wo man alles noch mal ausdiskutieren und die nächste Auflage vom kleinen und feinen Open-Air in Angriff nehmen kann. Wir haben gemerkt, dass am Sonntagnachmittag, wenn es schön und heiss ist, die Leute nicht mehr kommen. Die Kuh ist einmal gemolken.
Wie viel Jazz und Blues wird gezeigt?
Es werden jeweils zwei Sets à 45 Minuten plus je nach Applaus eine Zugabe gespielt. Früher war es ein reines Dixieland-Fest, aber das Dixie-Publikum stirbt uns leider weg. Dann kam der Blues dazu. Dieses Jahr haben wir mit Mark Slate auch Blues-Rock am Freitag. Der Samstagabend bleibt für unser Stammpublikum, da spielen die Piccadilly Six.
Wie muss man sich die Konzerte vorstellen? Sitzen die Leute und hören gebannt zu oder wird dabei auch gegessen und sich unterhalten?
Unser Open Air besteht auf den drei Säulen: Musik, Ambiente sowie Essen und Trinken. Man kann sitzen und zuhören oder man kann umhergehen und sich unterhalten. Wir haben Gäste, die gerne ein Steak essen und solche, die nur wegen der Musik kommen. Das ist manchmal nicht ganz einfach unter einen Hut zu bringen. Aber in der Regel geht das immer. Etwa 70 Prozent sind Stammgäste und kommen jedes Jahr, was sehr erfreulich ist!
Welche Rolle spielt das Schloss?
Das Schloss sorgt für ein passendes Ambiente. Es spielt auch akustisch eine Rolle und reflektiert den Sound. In der schnelllebigen Zeit vermitteln wir etwas Traditionelles, das beständig ist. Wir verkaufen einen Traum.
Das Schloss trägt dazu bei, dass sich hier alle wohl fühlen. Der Backstage ist im Schloss, das gefällt den Musikern, da springt der Funke. Little Chevy hat uns sogar einen selbstgemachten Award «Bester Gastgeber 2024» überreicht, was uns sehr gefreut hat.
Wenn Geld keine Rolle spielen würde. Wen würden Sie gerne mal nach Oberdiessbach einladen?
Elton John wäre hochwillkommen. Angefragt haben wir ihn noch nicht, da sind wir zu bescheiden.
Gibt es noch Tickets für die Konzerte?
Ja, es gibt noch Tickets für alle Abende.
Castle Jazz und Blues Oberdiessbach, Line-Up 2026
Donnerstag, 25. Juni 2026, 20.00 h
Portalöffnung 18.30 h
Justina Lee Brown and Band
Freitag, 26. Juni 2026, 20.00 h
Portalöffnung 18.30 h
Mark Slate & Rotosphere
Samstag, 27. Juni 2026, 20.00 h
Portalöffnung 18.30 h
Piccadilly Six Jazzband