«Wir versuchen, das Herz der Leute zu erobern»
An Ostern steigt die Nachfrage nach Blumen. Für Blumenläden bleibt das Geschäft wichtig, aber nicht entscheidend. Eine Floristin aus Biglen spricht über das Luxusgut Blumen, Konkurrenz und welche Blumen sich am besten verkaufen.
Zwischen frischen Schnittblumen, fertigen Sträussen und Regalen mit Geschenkartikeln wird bei Schöni Blumen gearbeitet. Der Duft von frischen Tulpen füllt den Laden, hinter dem Ladentisch steht Melanie Fankhauser und bindet einen Strauss. Das Ostergeschäft läuft. BERN-OST ist zu Besuch, um Mit-Inhaberin Silvia Schöni zu treffen.
Ein Betrieb mit Geschichte
Der Blumenladen Schöni in Biglen wurde von Fritz Schöni 1937 gegründet. Heute führen Martin und Silvia Schöni das Geschäft in dritter Generation. «Wir sind schon stolz, dass das Geschäft schon so lange in der Familie ist», sagt Silvia Schöni. Auch die Eltern helfen weiterhin im Hintergrund mit.
Die 46-Jährige Silvia Schöni ist in Münchenbuchsee aufgewachsen und hat ursprünglich Schreinerin gelernt. Danach arbeitete sie auf dem Beruf in der Küchenplanung. Über ihren Mann wechselte sie die Branche und wurde Floristin. «Da bin ich reingerutscht», sagt sie. Floristik habe sie sich mit Kursen und viel Praxis angeeignet.
Blumen als lebendiges Produkt
Am Beruf schätzt sie vor allem die Arbeit mit einem vergänglichen, aber lebendigen Produkt. «Den ganzen Tag mit Blumen arbeiten ist sehr schön.» Dazu komme der Kontakt mit der Kundschaft. Der Betrieb deckt neben dem Laden auch den Gartenbau ab, liefert Pflanzen, setzt Balkonkästen und übernimmt Unterhaltsarbeiten.
Ein Teil der Saisonpflanzen stammt aus eigener Produktion. Schnittblumen kauft der Betrieb an der Blumenbörse in Kerzers ein, wo Blumen aus Holland, Italien oder Ecuador angeboten werden.
«Wenn man denkt, wie lange es dauert, bis eine Blume blüht. Zuerst wird sie gesetzt, dann geschnitten, gekühlt und transportiert», sagt Schöni. Die Wertschätzung dafür sei leider oft gering.
Ostern als wichtiger, aber nicht stärkster Anlass
Dass Ostern vor der Tür stehe, spüre man schon. «Die Zeit vor Ostern ist schon stärker», so Schöni. Dennoch zählt Ostern nicht zu den umsatzstärksten Tagen im Jahr. Diese Rolle übernehmen weiterhin Muttertag und Weihnachten. Auch der Valentinstag verliere an Bedeutung.
Grundsätzlich beobachtet sie seit Jahren einen leichten Rückgang. «Bei den Blumen wird häufig gespart.» Das Ostergeschäft könne diese Entwicklung nicht ausgleichen.
Konkurrenz durch Detailhandel und Hofläden
Der Druck auf Fachgeschäfte sei spürbar. Viele Kundinnen und Kunden greifen vermehrt bei Coop oder Migros zu. «Man kauft einen Bund Blumen in der Migros, hier bei uns gibt es weniger fürs Geld», sagt Schöni. Fachgeschäfte können nicht in denselben Mengen einkaufen und entsprechend auch nicht mit den Preisen mithalten.
Auch immer mehr Hofläden nehmen einen Teil des Umsatzes weg. Dennoch ist für Schöni klar, worauf es ankommt: «Wir müssen jeden Tag schauen, dass wir besser sind.» Blumen seien zudem kein Grundbedarf. «Blumen sind immer noch ein Luxusartikel.»
Saisonale Blumen bleiben zentral
Für Schöni Blumen spielen saisonale und regionale Blumen eine wichtige Rolle. Im Frühling sind es vor allem Tulpen, Ranunkeln und Osterglocken. Schweizer Tulpen sind allerdings nur bis etwa Ende April verfügbar. Weiter gibt es Klassiker, die das ganze Jahr gefragt sind: Rosen sowie Eustoma, Orchideen oder Schleierkraut.
Gartenbau als wichtigstes Standbein
Den grössten Teil des Umsatzes erzielt der Betrieb nicht mit dem Laden, sondern mit dem Gartenbau. Dazu gehören Neuanlagen wie auch Unterhaltsarbeiten. Der Blumenverkauf ist aber auch ein wichtiger Teil, jedoch nicht die wirtschaftliche Basis.
Deko im Münster
Gross ist die Freude, wenn Schöni Blumen spezielle Aufträge ausführen kann. «Wir konnten auch schon Blumen für das Berner Münster liefern oder die Deko für das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer», sagt sie.
Handwerk und Kundenkontakt im Fokus
Eine gute Floristin brauche heute mehr als handwerkliches Können. «Gestecke und Sträusse müssen passen», sagt Schöni. Auch wichtig sei die Beratung. Farben und Stil müssten auf die Kundenwünsche abgestimmt sein. Der Laden hat sich nicht auf eine Richtung spezialisiert: «Wir sind ein ländlicher Blumenladen, bieten alle Farben an. Bei uns findet jeder etwas.»
Zwischen Druck und Zufriedenheit
Trotz der Herausforderungen ist Schöni zufrieden. Der Betrieb laufe und sei gut aufgestellt: «Wir sind ein familiärer Betrieb, haben ein tolles Team und Freude am Arbeiten.»
Im Laden wurde ein weiterer Strauss fertig gebunden, eingepackt und über die Theke gereicht. Von draussen scheint die warme Frühlingssonne durch die Scheiben, drinnen geht die Arbeit weiter. Für Silvia Schöni ist klar, was zählt: «Wir versuchen mit Blumen das Herz der Leute zu erobern, das ist für uns das schönste.»
Schöni Blumen und Gartenbau, Rohrstrasse 53, Biglen
Der Blumenladen Schöni in Biglen wurde von Fritz Schöni 1937 gegründet. Heute führen Martin und Silvia Schöni das Geschäft in dritter Generation. Insgesamt arbeiten 14 Personen im Laden und im Gartenbau mit, dazu kommt ein Lehrling.