Zwischen Gletscherlandschaft und altem Gehöft
Schon der Name verrät: Landiswil ist ein Ort mit Geschichte. Von bronzezeitlichen Bauern über mittelalterliche Gerichtszusammenhänge bis hin zum waldreichen Dorf mit eigenem Wappen – Landiswil erzählt von Landschaft, Menschen und politischen Verbindungen, die bis heute spürbar sind.
Die Täler von Landiswil und Obergoldbach tragen bis heute die Spuren der letzten Eiszeit. Der Aaregletscher formte die typische Erosionslandschaft mit ihren Seitentälern. Ob bereits am Ende der Eiszeit Menschen hier lebten, ist nicht belegt. Klar ist jedoch, dass das Gebiet früh besiedelt war.
Ein wichtiger Hinweis stammt aus dem Jahr 1840. Damals wurde in Landiswil eine bronzene Axtklinge gefunden. Sie zeigt, dass um tausend Jahre vor Christus eine bronzezeitliche Bauernbevölkerung hier lebte. Welche Sprache diese Menschen sprachen, ist nicht bekannt, da schriftliche Zeugnisse fehlen. Auch Funde aus dem Neolithikum weisen auf eine frühe Besiedlung hin.
Vom Gehöft zum Dorfname
Erstmals urkundlich erwähnt wird Landiswil im Jahr 1277 unter dem Namen «Landoloswile». In den folgenden Jahrhunderten tauchten unterschiedliche Schreibweisen auf, darunter «Landeswile» (1374), «Landiswil» (1380) und «Langiswil» (1550). Der Ortsname geht vermutlich auf den althochdeutschen Personennamen Landoloh zurück und bedeutet «beim Gehöft des Landoloh». Der Name weist auf einen alemannischen Ursprung hin, zeigt aber auch Spuren keltisch-helvetischer Einflüsse.
Obergoldbach und politische Zugehörigkeit
Nicht immer deckte sich der Ortsname mit den politischen Grenzen. Obergoldbach gehörte nicht von Anfang an zur politischen Gemeinde Landiswil, war jedoch bereits seit dem Spätmittelalter eng mit ihr verbunden. Beide Orte gehörten im Mittelalter zur gleichen Kirchgemeinde Biglen und lagen gemeinsam im Gericht Ranflüh im Emmental. Die Besitzverhältnisse unterschieden sich jedoch: In Obergoldbach verfügten verschiedene bernische Adelsfamilien über Rechte und Güter, während in Landiswil Familien aus Solothurn herrschaftlich begütert waren.
Ein erster Schritt zur gemeinsamen Verwaltung erfolgte im Jahr 1422, als Bern die Niedergerichte von Landiswil und Obergoldbach vereinigte. Diese Gerichtseinheit wurde 1471 erweitert und dem Hochgericht Konolfingen unterstellt. Damit waren die beiden Dörfer rechtlich und verwaltungsmässig verbunden und bilden seither die politische Gemeinde Landiswil, zu der Obergoldbach heute gehört. Obergoldbach und Goldbach tragen zwar den gleichen Bachnamen, waren aber nie Teil derselben Herrschaft oder Gemeinde. Obergoldbach orientierte sich früh nach Landiswil und Biglen, während Goldbach zum unteren Emmental und später zu Lützelflüh gehörte.
Nach dem Mittelalter gehörte Landiswil zur Herrschaft Signau, die 1529 in eine bernische Landvogtei umgewandelt wurde, mit Gerichtsort in Konolfingen. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime wechselte die Gemeinde kurzzeitig zum Distrikt Höchstetten und ab 1803 zum Oberamt Konolfingen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Landiswil auch für seine Bäder im Tannental und im Löchli bekannt, die zahlreiche Gäste anzogen.
Wappen und Landschaft
Auch das Gemeindewappen nimmt Bezug auf Landschaft und Namen. Es zeigt eine grüne Tanne auf einem grünen Dreiberg vor rotem und weissem Grund. Die Tanne steht für die waldreiche, hügelige Gegend. Der Buchstabe «L» erinnert an den historischen Ortsnamen, der goldene Stern dient als Zierde. Entworfen wurde das Wappen im Jahr 1910 von Pfarrer Güder aus Biglen und offiziell im Oktober 1944 eingeführt.
Damit spiegelt sowohl Name als auch Wappen die Geschichte und Landschaft der Gemeinde wider.