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Worb - Radiesli übernimmt Hof von Ulrich und Elisabeth Leibundgut

Seit dem 1. Januar pachtet das Radiesli in Worb einen eigenen Hof. Ursina Töndury wird mit ihrer Familie ins Stöckli ziehen und gemeinsam mit Mann, Schwägerin und den beiden bisherigen Gemüsegärtnerinnen den Hof von Ulrich und Elisabeth Leibundgut bewirtschaften. Die Herausforderung wird sein, das Konzept der solidarischen Landwirtschaft auch ausserhalb der urbanen, alternativen Szene bekanntzumachen.

Die Radiesli-Hofgruppe mit einem der neu gepflanzten Hochstammobstbäume. V.l.n.r. stehend: Das Geschwisterpaar Noemi und Niculin Töndury mit Renato und Anna-Katharina Zbären. V.l.n.r. sitzend: Ursina Töndury und Marion Salzmann. (Bilder: zvg)
Vereinsmitglieder ernten Randen.

Auf dem Bauernhof von Ulrich und Elisabeth Leibundgut in Worb Gemüse angebaut hat der Verein Radiesli schon lange. Bisher bebauten die beiden Gemüsegärtnerinnen Anna-Katharina Zbären und Marion Salzmann 0,6 Hektaren. Neu sind sie zusammen mit Niculin, Ursina und Noëmi Töndury Pächterinnen des gesamten 10-Hektaren-Hofs und werden nebst dem Gemüseblätz auch grössere Äcker bewirtschaften und eine Herde Mutterkühe zur Fleischproduktion anschaffen.

Das Radiesli betreibt regionale Vertragslandwirtschaft und will die Trennlinie zwischen Produzierenden und Konsumierenden aufheben. Konkret heisst das, dass die Vereinsmitglieder ihre Gemüseabos im voraus bezahlen und an mindestens vier Halbtagen pro Jahr auf dem Feld oder bei der Verteilung mithelfen. "Dein Gemüse kennt Dich", lautet denn auch der Slogan des Vereins.

Neu auch Fleischabos

Mit der Vergrösserung der Betriebsfläche wird das Radiesli vor der Herausforderung stehen, sich auch in der Region besser zu etablieren. Bisher gingen viele der Abos in die Stadt Bern. "Die solidarische Landwirtschaft ist in einer gewissen Szene allen ein Begriff. Mit der Vergrösserung müssen wir schauen, dass wir das Konzept darüber hinaus bekanntmachen können", sagt Ursina Töndury. In Zukunft werde es auch Fleisch-, Eier- und Kartoffelabos geben. "Beim Fleisch ist die Mitarbeit der Konsumierenden schwieriger zu realisieren als im Gemüsebau." Vieles sei noch in Arbeit, so Töndury. Auch Workshops auf dem Hof sieht sie als Möglichkeit, sich in der Region zu vernetzen.

Umzug ins Stöckli

"200 Menschen pachten gemeinsam einen Landwirtschaftsbetrieb", heisst es im Communiquée zur Hofübernahme. Ganz wahr ist die Aussage allerdings nicht, denn Vereine können keine Landwirtschaftsbetriebe pachten. "Wir haben deshalb zu fünft eine GmbH gegründet", erklärt Töndury. Ihr Mann Niculin und dessen Schwester Noëmi sind gelernte Landwirte, Noëmi hat zusätzlich Agronomie studiert. Ursina Töndury ist Lehrerin und wird die Gruppe als landwirtschaftliche Mitarbeiterin verstärken.

Ursina, Niculin und Noëmi Töndury ziehen mit Ursina und Niculins Sohn Renato ins Stöckli des Hofs. Die Hofbesitzer Ulrich und Elisabeth Leibundgut werden weiterhin im Bauernhaus wohnen und die neuen Bauern und Bäuerinnen und die Veränderungen auf ihrem Hof interessiert mitverfolgen. Der Startschuss zur neuen Radiesli-Ära ist bereits im vergangenen November gefallen, als dreissig Vereinsmitglieder dreissig Hochstammobstbäume gepflanzt haben. Der Umzug ins Stöckli wird spätestens im Sommer erfolgen, im Herbst kommen dann die Tiere. Der Hof befindet sich in Umstellung zur Bio-Zertifizierung.

Zusammen Znüni näh

Ulrich und Elisabeth Leibundgut gehen mit dieser Hofübergabe einen aussergewöhnlichen Weg. Es ist aber nicht das erste Mal, dass sie durch innovatives Handeln auffallen. Laut Töndury gehörten sie zu den ersten, die in der Region Selbstpflückfelder für Erdbeeren betrieben.

Ulrich Leibundgut hat den Hof während rund fünfzig Jahren geführt und etwas wehmütig mache ihn der Wechsel schon, sagt er zu BERN-OST. "Eine Veränderung ist immer eine Veränderung. Ich habe aber ein gutes Gefühl. Das kommt gut." Auch Töndury lobt die bisherige Zusammenarbeit. "Der Austausch mit Leibundguts ist schön. Wir nehmen oft auch zusammen Znüni."

[i] Die neuen Fleich-, Eier- und Kartoffelabos wird es voraussichtlich ab Mitte 2016 geben. Für dieses Jahr sind noch 10 Gemüseabos frei. Interessierte melden sich am besten unter info@radiesli.org.  Alles wichtige zu Abo und Mitgliedschaft findet sich unter www.radiesli.org/mitmachen.

[i] Siehe auch News-Bericht "Gemeinsam gärtnern in Worb: "Die Radiesli-Idee funktioniert" vom 29.4.2013...


Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 17.01.2016
Geändert: 18.01.2016
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