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Kunstrasen: Worb könnte allen zeigen, wie es geht

Quelle
Berner Zeitung BZ

Die Gemeinde nimmt einen weiteren Anlauf für einen Kunstrasen im Worbboden. Das Projekt war im Februar zurückgewiesen worden, nun stellt der Gemeinderat eine umweltverträglichere Variante vor.

Wird möglicherweise nächsten Sommer ersetzt: Naturrasen in Worb. (Foto: Adrian Moser)
Bei konventionellem Kunstrasen (rechts) werden die künstlichen Gräser mit Gummigranulat befüllt. (Foto: PD)

Heute Abend kann sich das Worber Parlament wohl wieder über ungewöhnlich viel Publikum auf den Rängen freuen. Zahlreich sind die Fussballer jeweils zu Gast, wenn über ein Thema debattiert wird, das ihnen am Herzen liegt. Und was könnte wichtiger sein als die Unterlage, auf der die Worber Teams ihre Spiele austragen?

 

Schon im Februar dieses Jahres waren über hundert Fussballer, Trainer und Sportinteressierte in den grossen Gemeindesaal geströmt. Sie wollten sich anhören, ob der geforderte Kredit für einen Kunstrasenplatz auf dem Worbboden vom Parlament genehmigt werden würde. So weit kam es allerdings nicht. Die Parteien wiesen das Geschäft an den Gemeinderat zurück. Dieser hatte nach ihrem Geschmack einen wichtigen Punkt nicht genügend untersucht: die allfällige Umweltverschmutzung durch das Gummigranulat – Plastikkügelchen, mit denen der geplante Rasenteppich befüllt würde.

 

Der Gemeinderat wurde beauftragt, verschiedene Alternativen dazu zu erarbeiten. Heute werden sie dem Parlament vorgestellt: Einerseits wird der gleiche Kunstrasen wie bereits im Februar erneut ins Rennen geschickt, der sogenannte verfüllte Rasenteppich mit Granulat. Dem stellt der Gemeinderat einen unverfüllten Platz gegenüber, also ohne Granulat.

 

Die Erläuterungen zeigen, dass die zweite Variante mit 1,9 Millionen Franken zwar 200 000 Franken teurer wäre als der herkömmliche Kunstrasen. In der Langzeitabrechnung schneidet der unverfüllte Rasen aber deutlich günstiger ab, er kostet weniger in Unterhalt und Entsorgung. Und ohne Granulat wäre auch die Umweltverträglichkeit geklärt.

 

Keine Alternative

Für Urs Huber von Huber Bauconsult ist klar: Die Gemeinde muss auf einen unverfüllten Kunstrasen setzen. Huber hat das Worber Projekt mit anderen Fachpersonen erarbeitet und beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Kunstrasen. So war er unter anderem als Projektleiter für die stadtbernischen Kunstrasenplätze Wyler, Spitalacker und Weissenstein verantwortlich. «Damals hat noch niemand über allfällige Konsequenzen für die Umwelt durch das Granulat gesprochen», sagt Huber. Die konventionelle Art von Kunstrasen werde seit Jahren auf der ganzen Welt verwendet.

 

Einen unverfüllten Fussballplatz hingegen gebe es noch nirgends in oder um Bern. «Lange war die Nachfrage gar nicht da, deshalb wurde er auch erst 2016 von der Fifa und der Uefa zertifiziert.» In den letzten Jahren habe sich die Qualität des Teppichs aber massiv verbessert, sodass man ihn mehrere Jahre nutzen könne – auch wenn es noch keine Studien dazu gebe.

 

Im Sommer 2020

Huber ist überzeugt, dass Worb mit dem neuen Kunstrasenfeld eine Pionierrolle im Kanton einnehmen könnte. «Worb könnte jetzt allen zeigen, wie es geht, und fortschrittlich vorausgehen, auch wenn die unverfüllte Variante noch weniger bekannt ist.» Laut dem Berater ist ein solcher Platz für die grosse Fussballabteilung der Gemeinde sogar die einzige Alternative. Der Naturrasen sei im Verhältnis zu selten bespielbar, der Kunstrasen hingegen praktisch zu jeder Zeit im Jahr.

 

Stimmen die Parlamentarier heute dem Kunstrasenprojekt zu, soll Ende Monat die Baueingabe gemacht werden. Urs Huber schätzt, dass es dann rund drei Monate dauert, bis die Baubewilligung vorliegt. Verlegt würde der Rasen aber so oder so erst im Frühsommer 2020, wenn die Saison der Fussballer vorbei ist. Als Nächstes könnte sich dann Ostermundigen nach Worb wenden. Denn auch dort ist ein Kunstrasenplatz in Planung, aber auch dort geriet das Geschäft wegen Umweltbedenken ins Stocken. Vielleicht können die Worber ja nun Abhilfe schaffen.

 

Blick nach Deutschland

Vor allem in Deutschland wird das Thema Kunstrasen heiss diskutiert. Die EU hat im Juli signalisiert, die Verwendung von Mikroplastik drastisch vermindern zu wollen. Dazu würde Gummigranulat gehören, das allein in Deutschland in über 5000 Plätzen zu finden ist. Dieses wird auch in der Schweiz häufig genutzt, es soll das Verletzungsrisiko vermindern und die Gelenke schonen, ausserdem rollt der Ball besser über den Teppich. Wie lange die Plätze mit Granulat im EU-Raum noch bespielt werden können, ist nicht klar. Es wird aber an Alternativen gearbeitet, etwa die unverfüllte Variante, wie sie in Worb vorgesehen ist. Ausserdem ist die Rede von Kork, das zwar nicht umweltschädlich ist, aber so leicht, dass es bei Regen davonschwimmen würde. Auch Kokosnussfasern als Füllmaterial werden genauer angeschaut.


Autor
Annic Berset, Berner Zeitung BZ
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Erstellt: 09.09.2019
Geändert: 09.09.2019
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