Welche Vögel brüten noch in Worb?
Die Gemeinde Worb erstellt erstmals ein Inventar ihrer Brutvögel. Biologe Christian Roesti erklärt, welche Arten vorkommen, warum immer mehr verschwinden und weshalb die Bevölkerung ihre Beobachtungen melden soll.
Christian Roesti aus Wasen im Emmental ist Biologe. Er leitet das Projekt, um ein Vogelinventar für die Gemeinde Worb zu erstellen. Das Vogelinventar soll Erkenntnisse zum aktuellen Zustand der Vögel, ihrer Lebensräume und der Artenvielfalt liefern. Um dies zu erreichen, wird die Bevölkerung aufgerufen, während zwei Jahren Vögel zu melden.
BERN-OST: Christian Roesti, welchen Vogel haben Sie heute schon gesehen?
Christian Roesti: Als ich heute aus dem Fenster schaute, sah ich einen Rotmilan und einen Mäusebussard.
Welche Funktion haben Vögel?
Stellen Sie sich vor, wenn im Frühling keine Vögel mehr singen würden. Sie haben eine wichtige Funktion, sie fressen Schädlinge, aber die Frage gefällt mir eigentlich nicht. Tiere sind einfach. Jedes Tier hat eine Funktion.
Die Gemeinde Worb will ein Inventar der Brutvögel auf dem Gemeindegebiet erstellen – was können wir uns darunter vorstellen?
Es wird einen Bericht geben, den man herunterladen kann. Dort werden die Vögel vorgestellt, die in Worb brüten, mit einer Karte, auf der man sieht, wie viele es gibt. Wir listen auch auf, welche Arten gefährdet sind und wie man sie fördern kann. Beispielsweise der Gartenrotschwanz war früher häufig zu sehen, heute ist er äusserst selten. Seine Lebensräume sind durch die intensive Landwirtschaft zerstört worden.
Jetzt sind Worberinnen und Worber aufgerufen, Vögel zu zählen – welche Vögel sollen gezählt werden?
Zählen ist das falsche Wort. Wenn man einen Vogel sieht, kann man den bei der Vogelwarte Sempach via die Website ornitho.ch melden. Wenn ich zwei Rotmilane sehe, melde ich dies, wenn ich fünf Spatzen (Haussperlinge) sehe auch.
Es geht um jede Vogelart, also auch Krähen oder Amseln, nicht nur um die seltenen Vögel. Wir hoffen aber auch, dass seltene Arten gemeldet werden, wie der Neuntöter, die Dorn- oder Gartengrasmücke, Feldlerche oder der Gartenrotschwanz. Wichtig ist, dass möglichst viele Leute aus Worb, Rüfenacht, Vielbringen, Richigen, Ried, Enggistein, Wattenwil oder Bangerten mitmachen und die Sichtungen melden.
Haben Sie einen Lieblingsvogel?
Das wechselt immer ein wenig. Dem Mauersegler schaue ich gerne zu.
Gibt es einen Vogel, den Sie schon lange suchen?
In der Schweiz gibt es keinen Brutvogel, den ich noch nicht gesehen habe.
Was bringt eine solche Zählung der Gemeinde?
Sie weiss danach, welche Vogelarten vorkommen und welche Arten man fördern kann, indem man mit den Bauern spricht. Es geht darum, die Bauern darauf anzusprechen, ob man etwas machen könnte, was gut ist für die Vogelwelt.
Wie reagieren die Bauern?
Unterschiedlich, manchmal negativ, weil sie das Gefühl haben, man wolle ihnen etwas vorschreiben. Schon kleine Massnahmen helfen der Biodiversität und mit vielen kleinen Massnahmen kann man Grosses bewirken.
Klar gibt es Mehraufwand für die Bauern, wenn sie eine Wiese mosaikartig oder später mähen sollen als sonst. Jedoch sieht man die positiven Effekte auf die Biodiversität sofort. In der Gemeinde Worb konnten schon einige Projekt zur Förderung der Biodiversität zusammen mit Bauern verwirklicht werden, weitere sollen dazukommen.
Informationsveranstaltung Anfang März
Am Mittwoch, 4. März 2026, findet um 20 Uhr eine Einführungsveranstaltung in der Aula des Schulhauses Sonnhalde in Worb statt. Dort erhalten Interessierte Informationen zum Inventar und zur Nutzung der Melde-App. Die Gemeinde bittet um eine Anmeldung. bauabteilung@worb.ch.
Die gesichteten Vögel können im Internet unter www.ornitho.ch oder über die App Naturalist erfasst werden.
Die App Naturalist gibt es hier: Apple Shop oder Android