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Zäziwil - Der Ausbau der Erdbeer-Anlage erfordert eine spezielle Zone

Quelle
Wochen-Zeitung

Reto Schürch möchte seine bodenunabhängige Erdbeerkultur erweitern. Dazu ist eine Intensivlandwirtschaftszone nötig. Anwohner haben keine Freude daran.

Reto Schürch baut Erdbeeren im grossen Stil an. Nun möchte er die Anlage erweitern. (Bild: Silvia Ben el Warda-Wullschläger)
Der Erdbeeranbau bildet einen wichtigen Betriebszweig von Reto Schürch – nebst Äpfeln und Zwetschgen. Auf seinem Betrieb im Weiler Lenzligen an der Grenze von Zäziwil und Grosshöchstetten wird schon seit 150 Jahren Obstbau betrieben. Bereits sein Vater habe dann damit begonnen, Erdbeeren anzupflanzen, allerdings im Freiland. «Das hatte den Nachteil, dass der Boden nach zwei, drei Jahren ausgelaugt war», sagt Reto Schürch. Das ist nicht der einzige Grund, weshalb er 2005 den Erdbeeranbau intensiviert und umgestellt hat. «Der Feuerbrand, welcher die Apfelbäume bedrohte, bedeutete eine Gefahr für die Existenz unseres Betriebes. Mit den Erdbeeren wollten wir ein starkes drittes Standbein schaffen.» Auf 5000 Quadratmetern erntet Reto Schürch heute pro Jahr etwa neun Tonnen Erdbeeren, die er vor allem an Grossverteiler liefert. Um den Ertrag zu steigern, stellte er auf bodenunabhängige Produktion um. Die Pflanzen wachsen in Töpfen mit Erde heran, die auf erhöhten Kännel aufgereiht sind. Die Pflege und Ernte wird dadurch wesentlich einfacher. Dünger und Wasser werden über einen geschlossenen Kreislauf zugeführt, wieder erfasst und aufbereitet. Der Plastiktunnel schützt die Pflanzen vor dem Auswaschen.

Konkurrenzfähig produzieren

Nun möchte Reto Schürch den Erdbeeranbau auf Gemeindegebiet von Zäziwil um 7000 Quadratmeter erweitern. Dieser Ausbau ist nur möglich, wenn dafür eine Intensivlandwirtschaftszone ausgeschieden wird (siehe Kasten). Die entsprechende Änderung des Zonenplans und des Baureglements war an der Gemeindeversammlung in Zäziwil letzte Woche traktandiert. Mit diesem Hochsystem könne gegenüber dem Ausland konkurrenzfähig produziert werden, führte Gemeindepräsidentin Elsa Nyffenegger aus. Die Firsthöhe der Plastiktunnel sei auf 4,5 Meter festgelegt. «Änderungen sind erst nach acht Jahren möglich und müssten von der Gemeindeversammlung genehmigt werden.»
Es sind sechs Einsprachen gegen diese Zonenplanänderung eingegangen. Mangelnde Integration in das Orts- und Landschaftsbild, Lärmimissionen sowie Probleme bei der Entwässerung würden die Einsprecher, allesamt Anwohner, dagegen anführen. Eine Einigung habe nicht erzielt werden können, so Elsa Nyffenegger.
 
Stimmbürger sagen Ja

An der Versammlung kam es nur zu zwei Wortmeldungen; zum einen eine Frage zur Entwässerung, zum andern ein Rückweisungsantrag. Im Vorprüfungsbericht seien Fehler aufgetreten; diese müssten zuerst bereinigt werden, bevor man abstimme, erklärte der Bürger. «Man kann doch nicht etwas genehmigen, wenn man nicht weiss, was genau kommt.» Es gehe bei der Umzonung um einen Grundsatzentscheid, hielt Elsa Nyffenegger entgegen. «Auch wenn heute Ja gestimmt wird, können Schürchs noch nicht bauen.» Dazu brauche es eine Baubewilligung. Im Baugesucht werde alles im Detail festgelegt. Einsprachen seien auch dann nochmals möglich.
Der Rückweisungsantrag wurde schliesslich abgelehnt (55 zu 26 Stimmen), der Umzonung mit 62 Ja gegen 19 Nein zugestimmt. Das Geschäft geht nun ans Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR), um die hängigen Einsprachen zu bereinigen und die Intensivlandwirtschaftszone zu genehmigen.

Nicht sauber informiert

Keine Freude an der Erweiterung der Anlage hat Matthieu Lossel, einer der Anwohner und Einsprecher. Weil er nicht Schweizer Bürger ist, durfte er sich an der Gemeindeversammlung nicht äussern. Er bemängelt vor allem, dass die Behörden die Bürgerinnen und Bürger nicht sauber und umfassend über das Geschäft informiert hätten. Zudem enthalte der Vorprüfungsbericht Fehler. Auch könne er nicht nachvollziehen, weshalb die Grenzabstände auf der einen Seite 4,5 und auf der anderen Seite sechs Meter betragen würden. «Die Anlage, wie sie jetzt besteht, stört mich nicht, obwohl schon in der Vergangenheit nicht alles sauber gelaufen ist. Damit, dass nun umgezont und massiv erweitert werden soll, habe ich aber Mühe», sagt Matthieu Lossel. Er befürchte, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Intensivlandwirtschaftszone für andere und grössere Bauten, etwa für beheizbare Gewächshäuser, genutzt werden könnte. Aus diesen Gründen ziehe er seine Einsprache nicht zurück.

Autor
Silvia Ben el Warda-Wullschläger, Wochen-Zeitung
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Erstellt: 13.06.2013
Geändert: 13.06.2013
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