Zwei Brüder, die den Friedhof prägten
Über sechs Jahrzehnte hinweg prägte die Familie Baumann den Friedhof Oberdiessbach. Nun haben Peter und Thomas Baumann ihre Arbeit abgegeben. Mit ihrem Rückzug endet nicht nur ein langjähriges Engagement, sondern auch ein Stück Dorfgeschichte.
Als der Vater von Peter und Thomas Baumann im Jahr 1964 die Verantwortung für den Friedhof Oberdiessbach übernahm, waren seine Söhne noch Kinder. «Damals waren wir vier und sechs Jahre alt», erinnert sich Peter Baumann. «Wir sind fast auf dem Friedhof aufgewachsen», ergänzt sein Bruder Thomas mit einem Schmunzeln.
Der Einstieg in die Arbeit erfolgte früh. «Wir haben schon als Schulkinder mitgeholfen», sagt Peter Baumann. Anfangs sei es teilweise ein Müssen gewesen, später aber habe man die Arbeit gerne gemacht. Beide absolvierten die Ausbildung zum Landschaftsgärtner im Betrieb des Vaters und blieben dem Friedhof seither ohne Unterbruch verbunden.
Insgesamt war die Familie Baumann während 61 Jahren für den Friedhof tätig. Der Vater führte die Arbeiten während 28 Jahren aus, anschliessend übernahm Peter Baumann. Er war während 33 Jahren als Friedhofsgärtner verantwortlich. Sein Bruder Thomas Baumann unterstützte ihn dabei als Stellvertreter.
1992 übernahm Peter Baumann die Aufgabe, nachdem er bereits 1988 das Gartenbaugeschäft seines Vaters Werner Baumann weitergeführt hatte.
«Ein Job wie jeder andere auch»
Die Arbeit auf dem Friedhof machte rund 30 Prozent der Arbeiten aus, welche Peter Baumann mit seinem Geschäft ausrichtete. Dazu gehörten der Unterhalt der Anlage, die Grabpflege, die Totengräberei sowie zahlreiche kleinere Aufgaben. «Für uns war die Friedhofarbeit immer normal», sagt Peter Baumann. «Ein Job wie jeder andere auch», ergänzt Thomas.
Besonders geschätzt haben die Brüder die Selbstständigkeit. «Wir konnten das meiste so machen, wie wir es für richtig hielten», sagt Thomas Baumann. Sein Bruder fügt an: «Es hat uns niemand dreingeredet, und es hat immer gut funktioniert.»
Berater und Seelsorger
Regelmässig standen sie auch im Kontakt mit Angehörigen. Sie berieten, halfen bei der Suche nach Gräbern oder hörten einfach zu. «Oft ging es um den Tod, und wir haben den Menschen zugehört», erzählt Peter Baumann. «Da wir den Friedhof so lange Zeit schon kennen, wussten wir fast immer, wo welches Grab ist.» Besonders belastend seien aber Beerdigungen von Kindern oder jungen Menschen gewesen. «Das war nie einfach.»
Die Rolle der beiden spielte sich meist im Hintergrund ab. Während die Trauergäste in der Kirche Abschied nahmen, kümmerten sich Peter und Thomas Baumann um die Abläufe rund um die Beerdigung. «Darum waren wir selbst nur selten in der Kirche», erklärt Peter Baumann. Wenn sie jedoch eine verstorbene Person persönlich kannten oder es sich um Freunde handelte, waren sie auch bei den Trauerfeiern dabei, was sie jeweils besonders berührte.
Auch das Aufheben von Gräbern gehörte zu ihren Aufgaben. «Während die einen froh sind, sich nicht mehr über das Grab kümmern zu müssen, vergeht die Zeit für andere zu schnell und haben Mühe sich vom Grab zu trennen», erklärt Peter Baumann. «Manche wollten sich ein letztes Mal verabschieden oder etwas mitnehmen.» Für sie selbst sei diese Arbeit mit der Zeit zur Routine geworden. «Wir haben gelernt, eine gewisse Distanz zu wahren.»
Wandel über die Jahre
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich vieles verändert. So wurde der Friedhof in den Jahren 1993 und 1994 um etwa die Hälfte vergrössert. Gleichzeitig wandelten sich die Bestattungsformen deutlich. Während es früher deutlich mehr Erdbestattungen gab, haben Kremationen stark zugenommen. «Als unser Vater begann, gab es 47 Erdbestattungen und eine Urnenbeisetzung», so Peter Baumann. «Im letzten Jahr waren es noch sechs Erdbestattungen und 26 Einäscherungen.»
Auch bei der Grabgestaltung zeigt sich ein Wandel. «Früher haben wir bis zu 300 Gräber bepflanzt», sagt Peter Baumann. Heute übernehmen viele Angehörige diese Aufgabe selbst oder setzen auf pflegeleichte Lösungen mit Steinen. Aktuell betreuen die Baumanns noch rund 30 Gräber.
Übergabe geregelt
Der Friedhof Oberdiessbach wird vom Gemeindeverband für Friedhofswesen getragen, dem mehrere Gemeinden angehören. «Simon Graf wurde vom Verband gewählt», erklärt Peter Baumann. Dass dieser gleichzeitig auch das Gartenbaugeschäft übernommen hat, sei ein Zufall.
Ganz abgeschlossen ist die Übergabe noch nicht. Peter Baumann begleitet seinen Nachfolger noch bis Mitte 2026. «Alles aufzuschreiben wäre fast nicht möglich gewesen», sagt er. So könne das neue Team weiterhin vom grossen Erfahrungsschatz profitieren. Auch Thomas Baumann hilft bei Bedarf noch aus.
Ein neuer Lebensabschnitt
Der Abschied falle nicht ganz leicht. «Es ist schon ein komisches Gefühl, aber es musste sein», sagt Peter Baumann. Nach Jahrzehnten voller Arbeit beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Peter Baumann hat ein Haus mit viel Umschwung, welcher er aber auch etwas bewusst in den letzten Jahren etwas vernachlässigt habe und welchem er sich nun widmen möchte: «Am Wochenende mochte ich teilweise nicht mehr in meinem Garten arbeiten. Und ich wusste, dass ich nun nach der Pension genügend Zeit habe, um mich darum zu kümmern.»
Die neu dazu gewonnene Zeit möchten die Brüder bewusst nutzen. «Ich will nicht alles verplanen», sagt Peter Baumann. Zeit mit den Grosskindern verbringen, vielleicht eine grössere Reise unternehmen. Konkrete Pläne gibt es noch nicht. «Eines nach dem anderen», meint Thomas Baumann.
Dieser Artikel erschien zuerst im Newsletter Oberdiessbach