Zwischen Pausenplatz und Beratungszimmer
Ob Streit unter Kindern und Jugendlichen, Prüfungsstress oder persönliche Krise: Schulsozialarbeiterin Anja Moser hat eine offene Tür. Seit viereinhalb Jahren berät sie in der Gemeinde Vechigen Kinder und Jugendliche, arbeitet mit Lehrpersonen und Eltern zusammen und sorgt dafür, dass Hilfe möglichst früh und unkompliziert erreichbar ist.
In der grossen Pause rennen Kinder über den Pausenplatz des Stämpbachschulhauses und lachen und diskutieren. Mittendrin steht Anja Moser. Die Schulsozialarbeiterin nutzt diese Zeit bewusst, um präsent zu sein und ansprechbar zu bleiben. Wer ein Anliegen hat, kann sie hier direkt ansprechen. Denn genau darum geht es in ihrer Arbeit: Hilfe soll einfach erreichbar sein.
In allen Schulhäusern ...
Anja Moser ist seit viereinhalb Jahren Schulsozialarbeiterin in der Gemeinde Vechigen. Ihr Arbeitszimmer im Stämpbachschulhaus ist hell und einladend, dort arbeitet sie in der Regel zwei Tage pro Woche. Je einen halben Tag verbringt sie im Oberstufenschulhaus in Boll und im Schulhaus Utzigen. Die Gesamtschule Lindental besucht sie einmal pro Quartal, die verschiedenen Kindergärten je nach Anfrage.
... und für jede Altersgruppe
Im Zentrum ihrer Tätigkeit stehen Einzelberatungen von Kindern, meist auf Wunsch der Kinder selbst oder auf Empfehlung von Lehrpersonen oder Eltern. Die Themen unterscheiden sich je nach Altersgruppe: In der Unterstufe stehen Emotionsregulierung und Verhalten im Fokus, etwa Konflikte unter Schülerinnen und Schülern, oder Probleme, weil einzelne Kinder ausgeschlossen oder geplagt werden. In der Oberstufe verschieben sich die Themen: Dann belaste Prüfungsangst, Leistungsdruck und Krisen die Jugendlichen. «Der schnelle Wechsel zwischen den Beratungen verlangt grosse Flexibilität», sagt Anja Moser.
Arbeit im Austausch ...
Neben den Einzelberatungen arbeitet Anja Moser auch präventiv, und wenn nötig, tritt sie selbst auf den Plan und vermittelt. Am meisten Arbeit hat sie zu Beginn des Schuljahres, wenn in allen Klassen der Zusammenhalt gestärkt werden soll. «Meine Arbeit ist vielseitig und abwechslungsreich», fasst sie zusammen. Neben der direkten Arbeit mit den Kindern schätzt sie den Austausch mit Lehrpersonen, Eltern und externen Stellen.
... und als Einzelkämpferin
Gleichzeitig ist Anja Moser oft als Einzelkämpferin unterwegs. Der Austausch mit anderen Schulsozialarbeitenden findet vor allem in geplanten Gefässen wie Supervisionen statt und selten spontan. Daneben funktioniert aber auch die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen, Schulleitung und dem Sozialdienst Stettlen-Vechigen gut. Den regelmässigen Austausch hat sie sich in den letzten vier Jahren erarbeitet.
Offene Türen für alle
Anja Moser gestaltet ihr Angebot bewusst niederschwellig: Auf dem Pausenplatz können Kinder und Jugendliche sie direkt kontaktieren, oder sie können sich via Briefkasten im Schulhaus melden, und manchmal läuft die Anmeldung über Lehrpersonen und Eltern. «Die Offenheit aller Beteiligten ist spürbar», sagt sie. Die Schulsozialarbeit wird als unterstützende und nicht schambehaftete Stelle wahrgenommen.
Langfristige Wirkung
Für viele Kinder ist der Besuch bei der Schulsozialarbeiterin wichtig: ein Ort der Ruhe und Entspannung, eine Auszeit vom Schulalltag und ein Raum, um Themen anzusprechen und Fragen zu stellen. Oft erhält Anja Moser auch Rückmeldungen von Eltern, dass Gespräche etwas ausgelöst haben. Das bereitet ihr Freude – «auch wenn die Wirkung ihrer Arbeit nicht immer sofort sichtbar ist, sondern sich teilweise erst später zeigt».
Neue Art von Unterstützung ...
Trotz Herausforderungen möchte Anja Moser ihre Arbeit nicht tauschen, sie hat nach wie vor grosse Freude daran. Für die Zukunft wünscht sie sich neue Ansätze und Formen in der Schulsozialarbeit. «Mit Einzelgesprächen komme man zum Teil an eine Grenze», sagt sie. Um Verhalten nachhaltig zu verändern, wäre eine Begleitung einzelner Kinder im Unterricht durch Fachpersonen mit sozialpädagogischem Hintergrund wertvoll. Dafür fehlen ihr derzeit die zeitlichen Ressourcen. «Es würde sich aber sicher lohnen, in diese Richtung weiterzudenken.»
... je früher, desto besser
Anja Moser ist überzeugt, dass das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler immer vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren abhängt. Sie freut sich, als Schulsozialarbeiterin einen Teil dazu beitragen zu können. Wichtig ist ihr der Hinweis: «Es lohnt sich, frühzeitig Unterstützung zu suchen – für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen gleichermassen.»