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Brutalismus im Wald: Verein will Munitionsdepot umnutzen

Im Wald zwischen Oppligen und Brenzikofen verbirgt sich ein architektonisches Kleinod. So sieht es jedenfalls Roland Straub vom Verein Infanterie Festung + Berner Oberland. Der Verein will im stillgelegten Munitionsdepot militärische Museumsstücke lagern.

Der Betonquader aus Sichtbeton steht seit mehreren Jahren leer. (Bilder: zvg)
Hier soll inskünftig historisches Militärmaterial lagern.
Das Gebäude von hinten.

Der Verein Infanterie Festung + Berner Oberland (IF+BO) hat den Zweck, historische militärische Bauten und Anlagen zu inventarisieren, zu erhalten und ihre Geschichte weiterzugeben. Militärische Anlagen gibt es einige im Berner Oberland. Hier verlief die nordwestliche Grenze des Schweizer Réduits, des Verteidigungsraums, in den sich Schweizer Armee und Regierung im Fall eines Angriffs durch Nazideutschland oder später durch die sowjetische Armee, zurückziehen wollten. Spätestens mit Ende des Kalten Krieges verloren die Anlagen ihren Zweck. Viele wurden im Zug der massiv verkleinerten Armee 95 stillgelegt, manche auch zurückgebaut. 

 

"Kantig und klar"

Roland Straub aus Brenzikofen ist Präsident des IF+BO und findet einen Abriss meistens "die schlechteste Lösung". Dabei geht es ihm auch um den architektonischen Wert der Bauten. Beim Munitionsdepot in Oppligen handelt es sich um ein zweistöckiges Betongebäude im Stil des Brutalismus. "Das hat nichts mit brutal zu tun", erklärt Straub. Das französische Wort brut steht für roh, ungeschliffen oder nackt - und genau so sieht auch das ausgediente Depot im Wald in der Nähe des Campingplatzes Wydeli aus. "Kantig und mit klarer Linienführung" beschreibt Straub. Das Gebäude verfügt weder über Wasser- noch über Stromanschluss.

 

Das Depot in Oppligen wurde während des Kalten Kriegs 1976 gebaut und wird seit rund zehn Jahren nicht mehr genutzt. Inskünftig soll es als Lagerraum dienen für die Objekte, die der Verein als Wanderausstellung in ausgedienten Bunkern zeigt . "Die Bunker sind mit zweimal 12 m2 zu klein, um alles zu lagern."

 

Material aus dem 2. Weltkrieg

Zu den Objekten gehören Bildaufnahmen und Ausrüstungsgegenstände aus den Infanteriebunkern wie Funkanlagen, Kocheinheiten mit Originalverpackungen aus dem 2. Weltkrieg, Petrollampen oder Torf-Innentoiletten aber auch Munitionsmodelle, etwa für eine Panzerabwehrkanone aus dem Jahr 1950 oder Infanteriekarren, ebenfalls aus dem 2. Weltkrieg.

 

Keine Waffen

Komplette Waffen seien nicht dabei, sagt Straub. "Wir besitzen auch ausrangierte Maschinengewehre und Panzerabwehrkanonen, die sind aber in speziellen Räumen eingestellt." In Oppligen wird der Verein nur Schnittmodelle lagern, unter anderem von einem Maschinengewehr, einer Leihgabe eines Vereinsmitglieds an den Verein. "Falls wir Munition ausstellen, ist sie nicht scharf", ist Straub auch wichtig, zu betonen. "Wir werden auch nichts Brennbares oder Umweltschädigendes lagern."

 

Das ausgediente Depot ist im Besitz des VBS, vertreten durch Armasuisse Immobilien. Falls die Gemeinde Oppligen der Umnutzung zustimmt, wird der Verein IF+BO mit Armasuisse einen unselbständigen Baurechtsvertrag über 20 Jahre abschliessen. "Das bedeutet, dass das VBS bei baulichen Massnahmen mitreden kann", erklärt Straub. Da sich das Depot in der Waldzone befindet, ist für die zivile Umnutzung eine Ausnahmebewilligung nötig.

 

Mehrverkehr wegen Umnutzung?

Peter Schmid, Gemeindepräsident von Oppligen, hat das Umnutzungsgesuch, für das bis am 27. August die Einsprachefrist läuft, noch nicht genau studiert. Er sieht aber keine Hindernisse, die dem Vorhaben entgegenstehen. "Für die Gemeinde ist eigentlich nur die Frage, ob die Umnutzung zu Mehrverkehr führt, wichtig. Uns wurde zugesichert, dass das nicht der Fall sein wird."

 

Roland Straub spricht gegenüber BERN-OST von jährlich 10 bis 20 Fahrten vom und zum Depot. "Das Strässchen wird ja jetzt auch genutzt, unter anderem vom landwirtschaftlichen Verkehr. Da fallen unsere Fahrten nicht weiter auf", ist er überzeugt.


Autor
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 11.08.2018
Geändert: 11.08.2018
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