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Mybuxi Fahrdienst: Chauffeure kämpfen für ihre Arbeitsplätze

Dem Fahrdienst "Mybuxi" droht das Ende in der Region Bern-Ost. Die Fahrer wollen das Angebot und ihre Arbeitsplätze retten. Sie sammeln Geld, um die Corona-Flaute zu überbrücken.

Kämpfen für ihre Arbeitsplätze: Christophe Langenberger, Carmelo Lipari und Suad Cehajic. (Bild: zvg)

Eigentlich war das Ende des Fahrdienstes Mybuxi in der Region Bern-Ost schon beschlossene Sache. "Schweren Herzens stellen wir den Betrieb in Ostermundigen/Stettlen/Bolligen per 1. April ein", meldete das Unternehmen Anfang März, rund ein halbes Jahr nach dem Start. (BERN-OST berichtete.) Die drei Fahrer der Region, Christophe Langenberger, Carmelo Lipari und Suad Cehajic, erhielten die Kündigung.

 

Zu wenig Fahrgäste

Der Grund: Die Anzahl Fahrgäste war weit unter den Erwartungen geblieben. Mindestens 150 Fahrten pro Tag wären nötig gewesen für einen wirtschaftlichen Betrieb. Tatsächlich waren es oft keine 15. Ein Grund für den schlechten Start sei die Corona-Pandemie, sagt Geschäftleiter Andreas Kronawitter zu BERN-OST. Unter anderem habe man kein Startfest veranstalten können. "In der Region Herzogenbuchsee hat dieses gleich zu Beginn des Projekts zu 200 Downloads der App geführt. Hier haben wir diese Zahl erst nach über zwei Monaten erreicht." Auch das vermehrte Homeoffice und die wegfallenden Veranstaltungen hätten die Nachfrage gesenkt. Kurzarbeit gab es für das Unternehmen nicht, zu Härtefallgeldern war es als Startup ebenfalls nicht berechtigt.

 

Die schlechten Zahlen führten dazu, dass eine wichtige Geldgeberin, Forderungen stellte. "Daher mussten wir den nicht rentablen Standort Ostermundigen aufgeben", sagt Geschäftsleiter Andreas Kronawitter.

 

Mit 500 Abos wäre Mybuxi gerettet

Das wollen die drei Mybuxi Fahrer nicht hinnehmen. Auf der Plattform Wemakeit haben sie eine Sammelaktion gestartet, um ihre Arbeitsplätze zu retten. Durch den Verkauf von Abos und Tickets wollen sie 120'000 Franken einnehmen. Damit soll Mybuxi die nächsten sechs Monate überbrücken können. Für die zweite Jahreshälfte hoffen sie auf eine Normalisierung. "Mit 500 verkauften Jahresabos, was knapp zwei Prozent der Wohnbevölkerung der drei Gemeinden entspricht, könnte der Betrieb langfristig sichergestellt werden", schreiben sie in einer Mitteilung.

 

Den Fahrern geht es dabei nicht nur um ihre Arbeitsplätze, sondern auch darum, das Angebot für die Region zu erhalten. "Unsere Aufgabe ist nicht ein Job ab Stange", schreiben sie. Der Dienst werde von den Fahrgästen sehr geschätzt, viele kämen dank ihm überhaupt zum Haus raus in Gebieten ohne ÖV.

 

"Hochachtbar"

Hauptverantwortlich für die Aktion ist Christophe Langenberger, Leiter des Fahrerteams. Es habe sich schon länger abgezeichnet, dass das Angebot zu wenig gut laufe, sagt er. "Wir wussten auch von Anfang an, dass es sich um einen Projektbetrieb handelt, der nur weitergeführt wird, wenn es gut läuft. Das war alles transparent." Trotzdem habe ihn die Situation belastet. "Meine Freundin sagte mir, ich sehe müde aus. Ich schreibe auch schon länger nicht mehr alle Stunden auf, etwa wenn ich mich im Homeoffice um Mails kümmere."

 

Mybuxi untertützt die Sammelaktion der drei Fahrer, die Idee kam aber von ihnen selber. "Sie haben sich auch vorher schon stark eingesetzt, etwa Flyer verteilt oder Ideen eingebracht, wie wir Fahrgäste gewinnen können. Das ist hochachtbar", sagt Kronawitter. Er habe ihnen deshalb zugesichert, sie wieder anzustellen, wenn sie das Sammelziel erreichten.

 

[i] Zur Wemakeit Seite "Mission Arbeitsplätze"

 

[i] Bei Mybuxi gibt es keinen festen Fahrplan und auch keine vorgegebene Strecke. Die Fahrten werden auf Bestellung durchgeführt. Passagier*innen melden ihren Fahrwunsch via App an.  In der Region gibt es virtuelle Haltestellen, welche nur über die App zu erkennen sind. Die Fahrdienstleitung bündelt wenn möglich die Fahrgäste, welche in dieselbe Richtung fahren wollen.

 

Für eine einzelne Fahrt zahlt man fünf Franken. Es gibt aber auch die Möglichkeit Tageskarten, 10-er Karten, Monats-, Halbjahres- und Jahresabos zu kaufen. Es ist auch möglich, eine Haltestelle zu mieten.


Autor*in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
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Erstellt: 24.03.2021
Geändert: 24.03.2021
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