• Region

Halbstundentakt in Tägertschi: Nach erneuter Verzögerung wird nun Gysenstein aktiv

Der Ortsverein Gysenstein setzt sich mit einer Petition dafür ein, dass die S2 am Bahnhof Tägertschi wieder halbstündlich hält. Es ist nicht der erste Versuch, die Wiedereinführung des Halbstundentakts zu beschleunigen. Währenddessen hat sich der Termin noch weiter nach hinten verschoben.

Der Bahnhof Tägertschi. Zurzeit sind coronabedingt nur wenige Pendler*innen unterwegs. (Bild: zvg/Marc Zbinden)

2015 und 2019 waren es Bürger*innen aus Tägertschi, die sich einmal mit einer Petition und einmal mit einem offenen Brief für die rasche Wiedereinführung des Halbstundentakts in Tägertschi einsetzten. Erfolg hatten die Interventionen nicht. Die BLS beschied dem Gemeinderat von Münsingen 2019 auf sein Nachfragen, der Zug werde voraussichtlich ab Dezember 2022 wieder halbstündlich verkehren.

 

Ausgedünnt worden war der Fahrplan im Dezember 2015 wegen Bauarbeiten am Bahnhof Konolfingen und im Berner Wankdorf. Durch den temporären Wegfall des Halts in Tägertschi könne verlorene Zeit aufgeholt werden, so die Begründung der BLS. Seit dann hält der Zug nur noch stündlich. Tägertschi gehört zu Münsingen, Gysenstein zu Konolfingen.

 

"Die Gründe bestehen nicht mehr"

Nun will die Dorfgemeinschaft Gysenstein der BLS Dampf machen. Ihre Argumente sind die gleichen wie 2019 aus Tägertschi. "Die Gründe für die reduzierte Frequenz bestehen nicht mehr", heisst es auf der Webseite des Vereins. "Vor Kurzem konnte man im Chonufinger lesen, dass der Bahnhof Konolfingen fertig sei. Trotzdem hält der Zug immer noch nur einmal pro Stunde."

 

Ursprünglich hatte die BLS in Aussicht gestellt, schon 2019 wieder zum Halbstundentakt zurückzukehren. Nun ist sogar der Termin im Dezember 2022 in Frage gestellt. "Es hat sich gezeigt, dass die Bauarbeiten am Bahnhof Konolfingen und im Wankdorf später begonnen haben und länger dauern und sich damit auch die Wiedereinführung des halbstündlichen Halts Tägertschi verzögert", schreibt die BLS auf Anfrage.

 

Warten auf neue Züge

Nach den Bauarbeiten in Konolfingen werden 2022 zwar auch jene im Wankdorf abgeschlossen sein. Allerdings gibt es ein weiteres Problem. Die Wiedereinführung des Halbstundentakts hänge auch vom Einsatz des Zugtyps ab, heisst es bei der BLS. "Auf der S2 müssen unsere neuen und spurtstärkeren MIKA-Züge fahren, um eine Minute früher in Konolfingen anzukommen und mehr 'Spatzig' beim Umsteigen zu haben. Das haben wir den Gemeinden auch so mitgeteilt." Mittlerweile sei absehbar, dass die neuen Züge noch nicht im Dezember 2022 bereit stehen. "Wir rechnen damit, dass wir die alten RBDe-Züge ab Anfang 2023 schrittweise mit den neuen MIKA-Zügen ersetzen und damit den Halbstundentakt im Laufe des Jahres wieder einführen können."

 

"Wenig glaubwürdig"

Von dieser "Hinhaltetaktik" ist Marc Zbinden, Präsident der Dorfgemeinschaft Gysenstein enttäuscht. "Das sind jetzt schon wieder neue Ausreden und eine weitere Verschiebung des Termins. Die Kommunikation der BLS ist wenig glaubwürdig." Besonders stossend findet der Pendler, dass die Züge oft sowieso halten müssten, um mit dem entgegenkommenden Zug zu kreuzen. "Bloss gehen die Türen nicht auf."

 

Die Petition verlangt vom Gemeinderat Konolfingen, sich bei der BLS dafür einzusetzen, dass der Halbstundentakt mit dem Fahrplanwechsel Ende 2021 wieder bei sämtlichen S2-Zügen eingeführt wird.

 

Obwohl er eigentlich die BLS in der Kritik sieht, wendet sich die Petition an den Gemeinderat. "Wir sind der Ansicht, dass sich die Gemeinde für unsere Interessen einsetzen soll. Leider sehe ich diesen Willen noch zu wenig", sagt Marc Zbinden.

 

Gemeinderat steht hinter dem Anliegen

Der Konolfinger Gemeindepräsident Heinz Suter (BDP/parteilos) hat von der laufenden Unterschriftensammlung noch keine Kenntnis. Er versteht aber den Unmut der Gysensteiner*innen. "Für eine Terminverschiebung kann es plausible Gründe geben, etwa wenn Bauarbeiten durch Einsprachen verzögert werden." Ob das Argument mit dem Zugtyp ein solch plausibler Grund ist könne er nicht beurteilen. "Es ist aber klar, dass sich das Volk verschaukelt fühlt, wenn Versprechen nicht eingehalten werden. Wir werden das Anliegen auf jeden Fall weiterleiten, wenn die Petition eingereicht wird."

 

Mit der Unterschriftensammlung hat die Dorfgemeinschaft im Herbst angefangen. Da nur wenige Pendler*innen unterwegs seien, gestalte sie sich nicht ganz einfach. "Geplant ist aber, die Petition in ungefähr einem Monat einzureichen."

 

[i] Mehr Infos gibt es auf der Webseite der Dorfgemeinschaft Gysenstein. Direkt zur Petition geht es hier.


Autor*in
Anina Bundi, anina.bundi@bern-ost.ch
Nachricht an die Redaktion
Statistik

Erstellt: 17.02.2021
Geändert: 17.02.2021
Klicks heute:
Klicks total: