Daniela Röthlisberger

25'000 Kilometer für den Traum von Olympia

Wer Spitzensport betreibt, kann nicht zwingend davon leben. Daniela Röthlisberger aus Konolfingen arbeitet als Physiotherapeutin, trainiert viel und fährt jedes Jahr rund 25'000 Kilometer zu Wettkämpfen. Sie gehört zu den besten Pistolenschützinnen der Schweiz und finanziert den grössten Teil ihrer Ausgaben selbst.

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Daniela Röthlisberger: «Schade finde ich eher, dass unsere Sportart so wenig bekannt ist.» (Foto: rb)

Obwohl Daniela Röthlisberger zu den besten Schweizer Pistolenschützinnen zählt, kennt sie ausserhalb der Schiessszene kaum jemand. National und international stand die 28-Jährige schon mehrfach auf dem Podest. Seit zwei Jahren trainiert sie am Regionalen Leistungszentrum in Biel. Ihr nächster Schritt wäre das Nationale Leistungszentrum.

 

Viel Aufwand, wenig Aufmerksamkeit

Dass Röthlisberger auf der Strasse nicht erkannt wird, störe sie persönlich nicht. «Schade finde ich eher, dass unsere Sportart so wenig bekannt ist.»

 

Der Schiesssport ist ausserhalb von Olympischen Spielen im Fernsehen kaum präsent. Entsprechend schwierig sei es, Sponsoren zu finden, sagt Daniela Röthlisberger. «Ich bin einerseits dankbar, dass ich solche gefunden habe, die mich unterstützen. Es bestehen leider viele Vorurteile gegenüber dem Schiesssport. Ich merkte dies, als ich Sponsoren suchte für meine Website. Viele Firmen sind sehr zurückhaltend.»

25'000 Kilometer pro Jahr

Neben ihrer Arbeit als Kinderphysiotherapeutin trainiert Röthlisberger bis zu fünf Mal pro Woche. Kraft, Ausdauer und mentales Training gehören ebenso dazu wie die Einheiten im Schiessstand. Die Folgen spürt sie im Portemonnaie. Die Pistolen kosten mehrere tausend Franken.

 

Dazu kommen Munition, Beiträge ans Leistungszentrum, Sportpsychologe, Übernachtungen und die Fahrten zu Trainings und Wettkämpfen. Rund 25'000 Kilometer legt sie jedes Jahr zurück. «Im Moment ist es mir das wert. Ich möchte herausfinden, wie weit ich kommen kann.»

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Daniela Röthlisberger schiesst mit der Luft- und Sportpistole. (Foto: zvg)

Der Kopf entscheidet

Am Pistolenschiessen fasziniert sie bis heute das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. «Für den perfekten Schuss muss alles stimmen. Das Körperliche bringt man relativ schnell hin. Ruhig stehen und die Feinmotorik kann man trainieren. Die mentale Seite, das ist die eigentliche Herausforderung.»

 

Gerade unter Wettkampfdruck zeige sich, wie entscheidend der Kopf sei. «Schon eine kleine Nervosität kann viel ausmachen. In anderen Sportarten kann man etwas mit Kraft kompensieren. Bei uns geht das nicht.»

 

Besonders deutlich zeige sich das in einem Final. Dort scheidet jeweils nach jeder Runde die schlechteste Schützin aus. «Man muss mental bereit sein und ständig liefern. Ein unkonzentrierter Schuss und man ist draussen.»

Mit zehn Jahren zur Pistole

Dass Daniela Röthlisberger einmal schiessen würde, war vorprogrammiert. Ihr Vater war Jungschützenleiter im 300-Meter-Gewehrschiessen und meldete sie und ihren Bruder für einen Luftpistolenkurs an. «Wir haben es ausprobiert und sind dabeigeblieben.»

 

Später schoss sie zwar auch mit dem Gewehr und probierte verschiedene Disziplinen aus. Das Pistolenschiessen entsprach ihr jedoch am besten. Wer noch nie geschossen hat, könne sich oft nur schwer vorstellen, was daran faszinierend sei. «Viele sagen nach den ersten Schüssen, dass es fast süchtig macht. Man will beim nächsten Schuss noch besser treffen.»

 

Olympia als Ziel

Daniela Röthlisberger hat ein klares Ziel: «Einmal bei den Olympischen Spielen teilnehmen, wäre schon stark.» Der Weg an die Weltspitze ist noch weit. Die Spiele in Los Angeles in zwei Jahren hält Röthlisberger für zu kurzfristig. Ihr Blick richtet sich weiter nach vorne. «Die Olympischen Spiele Brisbane 2032 habe ich mir als Ziel gesetzt.»

 

Ob sie irgendwann vollständig vom Sport leben möchte, weiss sie noch nicht. «Profisportlerin zu sein, wäre zwar ein Traum. Gleichzeitig gefällt mir mein Beruf sehr gut.»

Daniele Röthlisberger schiesst mit der Luftpistole auf zehn Meter sowie mit der Sportpistole auf 25 Meter. Bei Nationalen und internationalen Wettkämpfen platzierte sie sich mehrmals unter den ersten drei. Zu ihren grössten Erfolgen zählt der Sieg im Mixed-Team-Wettbewerb über 25 Meter am Europacup-Final vor zwei Jahren. Für ihre Leistung wurde Röthlisberger dieses Jahr an der Gemeindeversammlung von Konolfingen geehrt (BERN-OST berichtete).


Autor:in
Rolf Blaser, info@bern-ost.ch
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Erstellt: 04.08.2026
Geändert: 04.08.2026
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