Christine Mosimann macht weiter

Badi Beizli Biglen sicher. Und Chäsi Arni?

Ein Beizli geht in den Winterschlaf, ein anderes muss erst noch zum Leben erweckt werden: Das Badi Beizli Biglen wird Christine Mosimann nächstes Jahr weiterführen. Für die Wintersaison wollte sie mit einem neuen Dorflädeli samt Café in der ehemaligen Chäsi Arni loslegen. Doch die Eröffnung verzögert sich.

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Christine Mosimann und das Badi Beizli Biglen: Sie starten gemeinsam in den nächsten Sommer. (Bild: biglen.ch/Archiv BERN-OST)

Die erste Saison liegt hinter Christine Mosimann und dem Badi Beizli Biglen. Ein herausfordernder Start: Anfangs wollte niemand baden, weil es nasskalt war. Am Ende konnte niemand mehr baden, obschon es sonnenheiss war,  weil die Saison abgeschlossen und das Wasser abgelassen war. Aber Mosimann, Köchin und Servicefachfrau mit Wirtepatent liess sich den Schwung nicht nehmen: Fröhlich servierte sie in ihrem umgestalteten «Paradiesli» Fitnessteller, Pommes und Glace. Und mittlerweile steht fest: Die 58-Jährige wird das Badi Beizli auch nächstes Jahr weiterführen.

 

Beizli geht in den Winterschlaf

Dieser Tage hat sie das Beizli voller Elan für den Winter vorbereitet, alles sauber geputzt, verräumt und abgeschlossen, es wird nächsten Mai nach dem Winterschlaf wieder eröffnet. Sie selbst hingegen hatte alles andere als Winterschlaf im Sinn. Ganz im Gegenteil, sie wollte voll durchstarten und hat vom neuen Besitzer der ehemaligen Chäsi Arni das Ladenlokal gemietet. Dort plant sie ein Dorflädeli mit Café.

«Über den Winter findet ihr uns im Chäsi Arni Laden & Café – Kaffee, Znüni, Kiosk-Leckereien & Emmentaler Spezialitäten», hat sie im Gemeinde-Mitteilungsblatt Biglebach vom Oktober optimistisch verkündet. Käse und Milchprodukte vom Milchland Rüegsau will sie dort verkaufen, Fleisch aus der Metzgerei Gygax in Lützelflüeh und frisches Brot aus der Hofbäckerei Brönnimann in Landiswil. Im hinteren Bereich, wo früher der Milchtank stand, so hatte sie überlegt, hätte es ideal Platz für ein paar Tische und ein nettes kleines Café.

 

Und was wird aus dem Chäsi-Café?

An sich eine prima Idee, das zeigten ihr die vielen begeisterten Reaktionen: «Rund um Arni freuen sich offensichtlich viele auf den neuen Treffpunkt im Dorf.» Christine Mosimann hat alles geplant, im September den Laden zurechtgemacht und eingeräumt und sich auf eine Eröffnung am 1. Oktober gefreut. Nur: So einfach geht das nicht.

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Die ehemalige Chäsi Arni: Was wird aus den Plänen? (Foto: Archiv BERN-OST)

Auf der Gemeinde Arni erfuhr Christine Mosimann, dass dafür noch etliche Bewilligungen notwendig sind. Wir haben bei Gemeindeschreiberin Stephanie Beer nachgefragt und erfahren: Für das Lädeli an sich ist zwar keine weitere Bewilligung nötig, weil in der Käserei bereits ein Laden vorhanden war. Aber: «Weil Christine Mosimann im Lädeli alkoholische Getränke verkaufen möchte, ist dafür eine spezielle Betriebsbewilligung nötig.»

 

Vom Gesuch bis zur Bewilligung

Ein entsprechendes Gesuch müsse vorab von der Gemeinde Arni geprüft und anschliessend an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland übermittelt werden. Dort wird wieder alles kontrolliert. «Sind alle gesetzlichen Grundlagen eingehalten, erteilt das Regierungsstatthalteramt die Betriebsbewilligung.» Vom Moment, in dem das vollständige Gesuch bei der Gemeinde vorliegt, rechnet Stephanie Beer mit «ungefähr drei Wochen, bis die Bewilligung erteilt wird». 

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Ein neues Lädeli mit oder ohne Café in Arni? (Foto: Archivbild BERN-OST)

Soweit zum Lädeli. Komplizierter wird es mit dem Café: Da im Gebäude der Käserei bisher nichts Derartiges betrieben wurde, braucht es eine Baubewilligung vom Regierungsstatthalteramt für die Umnutzung der Räumlichkeiten. «Neue Gastgewerbebetriebe unterliegen immer der Baubewilligungspflicht durch das Regierungsstatthalteramt», erklärt die Gemeindeschreiberin. «Ausserdem ist eine gastgewerbliche Betriebsbewilligung nötig.»

 

Das kostet Zeit ...

Auch dieses Gesuch durchläuft die Prüfung vonseiten der Gemeinde und landet dann beim Regierungsstatthalteramt. Dieses wiederum entscheidet nach gründlicher Prüfung, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, damit eine gastgewerbliche Betriebsbewilligung erteilt werden kann.

Für die Eröffnung des geplanten Cafés rechnet Stephanie Beer daher deutlich länger als für das Lädeli: Allein für die Baubewilligung dauere es mindestens vier Monate ab dem Eintreffen des vollständigen Baugesuchs. 

 

 ... und Geld

Ausserdem kostet die Bearbeitung einiges. Die Kosten für die Baubewilligung, weiss Stephanie Beer aus Erfahrung, hängen von verschiedenen Faktoren ab. «Sie liegen aber eher bei 2000 bis 3000 Franken als bei 200 Franken.» Für Christine Mosimann ist das viel Geld. Geld, das sie zurzeit nicht hat: «Ich erhalte seit dem Ende der Badisaison im September keinen Lohn mehr.» Und das Warten kostet sie wertvolle Zeit, in der sie weiterhin keinen Rappen verdient.

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Viel Regen anfangs der ersten Saison im Badi Beizli Biglen – und Hoffnung auf viel Sonne in der nächsten Saison. (Foto: Archiv BERN-OST)

Diese Flut an Vorschriften und Bewilligungen, sagt sie etwas ernüchtert, erkläre vielleicht, warum überall Cafés, Restaurants und kleine Läden verschwinden. Umso mehr hofft sie auf die nächsten Wochen: Sie hat inzwischen die Papiere beisammen und denkt, eine Eröffnung im späten Herbst sei realistisch. Zumindest für das Lädeli.

 

Baldiges Durchstarten

Sie weiss, wie dringend viele Leute nach der Schliessung der Chäsi Arni im letzten Jahr ein Lädeli herbeisehnen und sagt: «Ich habe mir das einfacher vorgestellt.» Hat sie alle Hürden überwunden, kann Christine Mosimann ihre Energie dafür wieder voll ausleben: Im Winter mit dem neuen Lädeli in der alten Chäsi Arni. Und nächsten Sommer wieder in ihrem kleinen Paradies im Badi Beizli Biglen. «Darauf freue ich mich.»

Geschichte der Chäsi Arni

Die Chäsi Arni war bis 2025 der letzte Laden im Dorf. Markus Leuenberger und Theres Aeschbacher hatten Käserei und Laden seit 2009 betrieben und verkauften dort Milch, Butter, Rahm, Joghurt, Quark, Ziger, Molke und den eigenen Emmentaler in verschiedenen Reifegraden. Der Grundsatz lautete, dass die Frischprodukte tatsächlich aus Arni-Milch hergestellt wurden. 

 

Dann kam 2025 das ziemlich abrupte Ende: Die Käsereigenossenschaft verlor infolge des Rückzugs von Cremo aus dem Emmentaler-AOP-Geschäft ihren Käseabnahmevertrag. Trotz der Suche nach einer Alternative fand sich kein neuer Abnehmer. Ende April 2025 beschloss die Genossenschaft deshalb, die Käseproduktion einzustellen.

 

Ab Juni 2025 wurde keine Milch mehr angenommen und kein Käse mehr produziert. Der Laden blieb zunächst freitags und samstags geöffnet, solange noch Käse aus dem Keller vorhanden war. Die Einzelfirma «Chäsi Laden Aeschbacher», die Theres Aeschbacher 2009 gegründet hatte, wurde schliesslich per 19. Juni 2026 aus dem Handelsregister gelöscht.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 27.10.2026
Geändert: 27.10.2026
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