«Das grösste Risiko ist immer der Mensch»
Nach wie vor ist es in der Region sehr trocken. Kurz vor dem 1. August haben wir mit den Zuständigen der Feuerwehr Worb gesprochen. Wir wollten wissen, wie sie die Lage vor dem Nationalfeiertag einschätzen.
BERN-OST: Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr die Bilder von den Waldbränden in Frankreich seht?
Roland Probst (Kommandant Feuerwehr Worb): Ich bin sehr froh, dass wir keine grösseren Wälder hier haben. Zudem finde ich es störend, wenn in den Medien Touristen jammern, die jetzt nach Hause müssen.
Andy Marchand (Stellvertretender Kommandant Feuerwehr Worb): Man liest von drei Dutzend Genfer, Waadtländer und Neuenburger Feuerwehrleuten, die in Frankreich aushelfen, was ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein scheint. Auf der anderen Seite können sie dort etwas lernen, was uns hier an Erfahrung fehlt.
Wäre die Feuerwehr hier für einen solchen Einsatz vorbereitet?
Andy Marchand: Wir haben nicht so grosse Wälder, das können wir nicht mit Frankreich vergleichen. Wenn es brennen würde, wäre unsere Taktik, das Feuer an der Ausbreitung zu hindern. Im schlimmsten Fall müsste man einen kleinen Wald wohl aufgeben.
Wir hatten auch schon kleinere Flurbrände, aber einen Brand, bei dem viele Bäume brennen, kennen wir hier bislang nicht.
Seit einer Woche gilt das Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe sowie ein Feuerwerksverbot im Kanton Bern. Ist die Lage heute kritischer als noch vor einer Woche?
Roland Probst: Es ist immer noch kritisch. Was fehlt, ist ein mehrtägiger Regen.
Wo seht ihr die grösste Gefahr: Wald, Felder oder Hecken?
Roland Probst: Ein Brand kann überall entstehen. Bezüglich Gefahr kommt es vor allem darauf an, was sich in unmittelbarer Nähe des Brandes befindet.
Andy Marchand: Ein Feuer entsteht nicht einfach so von allein. Das grösste Risiko ist immer der Mensch, ein weggeworfener Zigarettenstummel reicht bereits.
Wie schaut das Kommando der Feuerwehr Worb dem 1. August entgegen?
Roland Probst: Wir werden wie immer einen Pikettdienst haben. Sechs Mann sind bereit und können innert 15 Minuten vor Ort sein. Wir denken aber, der Bevölkerung ist klar, wie trocken es ist.
Andy Marchand: Wenn ich an letztes Jahr zurückdenke, begann es am 1. August um 20 Uhr zu regnen, was mich damals beruhigte. Dieses Jahr ist kein Regen in Sicht.
Wie gefährlich sind Raketen oder Zuckerstöcke?
Roland Probst: An einem 1. August hatten wir glücklicherweise deswegen noch nie einen Einsatz.
Andy Marchand: Am 1. Januar wurden wir gerufen, um eine glimmende Feuerwerksbatterie zu löschen und zu entsorgen.
Was wünscht ihr euch von der Bevölkerung?
Andy Marchand: Seit das Feuerverbot gilt, verhält sich die Bevölkerung sehr vernünftig. An den Wochenenden kontrollieren wir gemeinsam mit dem Werkhof die 26 offiziellen Feuerstellen der Gemeinde. Diese wurden mit rot-weissem Band gekennzeichnet, damit man kein Feuer entfacht.
Die Leute verhielten sich bisher vorbildlich und haben sich an das Feuerverbot in Waldesnähe gehalten. Wir hoffen, dass das am 1. August auch so bleibt!
Die Regierungsstatthalterämter des Kantons Bern haben ein Feuerverbot im Wald und Waldesnähe sowie ein generelles Feuerwerksverbot erlassen. Das Verbot gilt für den gesamten Kanton Bern bis voraussichtlich am 6. August.