30 Jahre im Seminarhotel Linde Stettlen

Ein Jubiläum und ein Abschied

Christoph und Sonja Meierhofer haben viele Jahre lang das Seminarhotel und Restaurant Linde in Stettlen geführt. Jetzt feiern sie gleich doppelt: Einerseits das 30-Jahr-Jubiläum, zugleich aber den pensionierungsbedingten Abschied. Hier geben sie einen Rückblick auf viele Jahre voller trauriger und fröhlicher Erlebnisse.

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Nach 30 Jahren Hotel und Restaurant Linde wartet ein neuer Lebensabschnitt auf das Ehepaar Christoph und Sonja Meierhofer. (Foto: zvg/cw)

Am Morgen liegt die Linde Stettlen noch im Schatten, aber schon bald wird die Sonne sie warm anleuchten. Im Innern ist Geschäftsführer Christoph Meierhofer schon voll an der Arbeit: Ein Hotelgast hat eine Frage wegen seiner Abreise, dann geht Meierhofer rasch mit einer Angestellten das Tagesprogramm durch. Auf dem Arm trägt er seine dreijährige Grosstochter Mia, «ein richtiges Linden-Kind», schmunzelt er.

 

Viel Herzblut in den dreissig Jahren

Er lässt einen Kontrollblick durch den hellen Gastraum schweifen: Das Frühstücksbuffet ist abgeräumt, zum Mittagessen werden bei diesem Wetter die meisten Gäste auf der Terrasse sitzen. Ende Jahr ist damit Schluss: Meierhofer wird pensioniert. Ein bisschen wehmütig ist sein Lächeln schon, wenn er daran denkt, dass die letzten Monate angebrochen sind. Auch wenn er nicht Pächter ist, sondern als Geschäftsführer angestellt ist: Dreissig Jahre sind eine lange Zeit, und er hat viel Herzblut in die Linde gesteckt.

 

Aber jetzt ist es auch gut so

Meierhofer nickt seiner Frau liebevoll zu, dann sagt er mit Überzeugung: «Aber jetzt ist es auch gut so, gell.» Sonja Meierhofer lächelt zustimmend: Ja, die Familie musste oft zurückstecken in all diesen Jahren, und sie musste ihren Mann viele Stunden entbehren, wenn er in der Linde stand, während sie zuhause zu den drei Kindern schaute. «Wir kamen nach Stettlen, als ich mit dem zweiten Kind schwanger war», erinnert sie sich.

Damals hätte ihr Mann, gelernter Koch, Kellner und Absolvent der höheren Gastronomiefachschule Thun, auch eine Stelle in Kairo annehmen können. Die Linde Stettlen gewann, die Familie zog ins Dorf. Er kutschierte als Geschäftsführer mit den Gästen, sie brachte 16 Monate nach dem zweiten schon das dritte Kind zur Welt und hatte zuhause alle Hände voll. Einen halben Tag pro Woche half sie mit den Administrationsarbeiten für die Linde, und als alle Kinder zur Schule gingen, liess sie sich zu fünfzig Prozent anstellen.

 

«Es ist ein bisschen ‘unsere’ Linde»

Sie hat bis heute die Administrationsarbeiten der Linde fest im Griff, «diese Arbeit liegt mir sehr». Inzwischen sind die Kinder längst erwachsen, an diesem Morgen schaut gerade der mittlere Sohn Nicola, 30, vorbei. Er fühle sich in der Linde zuhause, sagt er, obwohl die Familie nie dort gewohnt hat: «Wir waren trotzdem oft hier, so dass es ein bisschen ‘unsere’ Linde ist.»

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Vorne die Familie Meierhofer mit Christoph, Sonja und dem mittleren Sohn Nicola (von links). Hinter ihnen: Ein Bild der alten «Speisewirthschaft zur Linde» (Foto: cw)

Dass die Familie nicht in der Wirtewohnung wohnen würde, haben die Meierhofers zusammen beschlossen: «Ich wollte nicht, dass unsere Kinder als 'Gaststubenkinder' aufwachsen», erklärt Sonja Meierhofer. «Sie sollten ein richtiges Zuhause haben.» Die Familie wohnte etwas weiter oben in Stettlen, und sie kochte meistens selbst für die Kinder. Und doch war die Linde zentral im Familienleben – und vor allem ein wichtiger Begegnungsort für Gäste sowie ein wichtiger Treffpunkt für Vereine, Feste und Anlässe.

 

Intensive Momente, manche schön, manche traurig

Mit all den Gästen und Mitarbeitenden kam in der Linde viel Leben zusammen. Sonja Meierhofer erzählt von intensiven Jahren und vielen wunderschönen Momenten mit Familienfeiern und glücklichen Gästen. Aber auch von tieftraurigen Erlebnissen, als beispielsweise ein Mitarbeiter sein achtjähriges Kind verlor. Oder als während der Pandemie eine junge Mitarbeiterin starb. «Wir könnten ein Buch schreiben voller schöner und trauriger Geschichten.»

In der Linde stecken aber auch amüsante Geschichten. Christoph Meierhofer hat ein Ölbild aus dem Empfangsraum geholt, eines, das die Familie seit jeher begleitet: Es zeigt den Christen Fritz, damals noch von allen «Stettlen-Zwerg» genannt, der seinerzeit dem Linden-Gründer Samuel Ryff den Boden verkaufte. Dieses Bild, so erzählen die Meierhofers,  hätten sie immer dort aufgehängt, wo ein Quäntchen Glück nötig war. Als das Restaurant nicht so lief, hängten sie es in die Gaststube, wenn es im Hotel harzte, fand es einen Platz hinter der Reception.

 

«Sälüüü Fritzi»

Ob das Bild tatsächlich Glück bringt? Meierhofer lacht, so genau weiss das niemand. Aber auf jeden Fall ist im Testament irgendeiner Grossmutter aus Stettlen festgehalten, dass es in die Linde gehört, und die Familie Meierhofer hält es in Ehren. «Ich erinnere mich noch gut, wie in meinen ersten Jahren die älteste Stettlerin jedesmal zum Bild ging und es mit ‘Sälüüü Fritzi’, begrüsste», erzählt Christoph Meierhofer: «Offenbar hatte sie mit ihm gespielt, als sie noch ein Kind war.»

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Glücksbringer: Christoph Meierhofer zeigt das Ölbild des Stettler Originals Fritz Christen. (Foto: cw)

Schöne Erinnerungen an eine vergangene Zeit. «In den letzten Jahren hat sich viel verändert», sagt Meierhofer nachdenklich. Die Gäste legen sich seiner Erfahrung nach heutzutage weit weniger fest: Am Wochenende, vermutet er, planen viele zuerst ihre Aktivitäten, Fussballmatch, Bötlifahren oder Bergwandern, dann essen sie irgendwo unterwegs ein günstiges Zmittag. «Dabei ist das gemeinsame Familien-Sonntagessen mit den Grosseltern vielfach verlorengegangen.»

 

Vegan, regional, gutbürgerlich und Kaviar

Gleichzeitig seien die Ansprüche der Kundschaft gestiegen: «Wir müssen eine grosse Vielfalt bieten, Veganes, Vegetarisches, ohne Schwein, ernährungsbewusst, regional», er überlegt kurz, da müsse man einen Mix finden, um allem gerecht zu werden. Ah ja, und gewünscht würde von Cervelat bis Kaviar alles, Gutbürgerliches, jedes Segment, vor allem im Bankettbereich, und Variationen nach Saison. Er lacht kurz auf: «Da hat eine Pizzeria mehr Glück, das passt für alle.»

Auch die Vereine seien früher noch häufigere Gäste gewesen: Noch vor ein paar Jahren seien sie zuerst einmal zum Frühschoppen vorbeigekommen und nach dem Singen und Turnen gleich noch einmal. Schon vor zehn Jahren beobachtete er zudem eine leichte Veränderung: «Das Umfeld zeigt sich nervöser und gestresster“, schrieb er schon zum 20-Jahr-Jubiläum. Immerhin, der Turnverein und der Gemeinnützige Verein mit je 400 Mitgliedern seien auch heute noch wichtige Gäste, sagt Meierhofer, «aber Jodler hat es nur noch etwa 60».

 

Treue Mitarbeitende über all die Jahre hinweg

Kurz lassen die Meierhofers die vielen Jahre in Gedanken passieren, dann sagt Sonja Meierhofer zufrieden: «Das Schöne ist, dass uns über all die Jahre die Mitarbeitenden treu blieben, wir sind wie eine grosse Familie.» Sie überschlägt kurz, fast alle arbeiten seit über zehn, einige sogar schon dreissig Jahre bei ihnen: «Insgesamt bringen wir es wohl zusammen auf rund 200 Dienstjahre.» Mit ihnen sind auch die Stammgäste älter geworden, einige sind bereits gestorben, andere immer noch treue Gäste.

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Wer will? Das stattliche Gasthaus Linde sucht ab Winter 2026 neue Betreuer:innen. (Foto: zvg)

Diese Stammgäste wird es besonders hart ankommen, wenn sich Meierhofers Ende Jahr verabschieden: «Für einige ist die Linde quasi ihre Stube, und sie haben sogar Mühe mit den Betriebsferien», weiss Christoph Meierhofer. Auch die Monteure, einige seit Jahren von ihren Firmen in der Linde einquartiert, gehören schon halb zur Linden-Familie. Das Hotel soll zwar ebenso weitergeführt werden wie das Restaurant, aber die Gäste werden sich wohl noch an die neuen Pächter:innen oder Geschäftsführer:innen gewöhnen müssen.

 

Meer und Wärme und andere Pläne

Und die Meierhofers? «Wir werden irgendwo ans Meer und an die Wärme reisen», antwortet Christoph Meierhofer ohne Zögern. Wohin und was genau, mögen die Beiden jetzt noch nicht planen, das seien zwei so unterschiedliche Dinge, das gehe nicht einfach so neben der Arbeit. Auch, was sie danach mit ihrer neu gewonnenen Zeit anfangen, lassen sie noch offen: «Zuerst will ich hier alles zu einem guten Ende bringen, erst dann kann ich so richtig neue Pläne schmieden.»

Zunächst feiert die Familie einmal ihr ganz persönliches Jubiläumsjahr: Sonja Meierhofer feiert ihren 60. Geburtstag, der älteste Sohn Adrian seinen 40. Geburtstag. Und dann räblet es nur so von 30-Jahr-Jubiläen: Der mittlere Sohn Nicola wird 30, der Partner der Tochter ebenfalls, und Sonja und Christoph Meierhofer feiern den 30. Hochzeitstag und zugleich 30 Jahre Linde. «Das ist nicht selbstverständlich in der heutigen Zeit», sinniert Christoph Meierhofer. «Wir schätzen sehr, dass wir alle gesund beisammen sind.»

 

Die letzten Monate sind angebrochen

Inzwischen scheint die Sonne heiss auf die Linde, und schon bald werden die ersten Gäste zum Mittagessen einkehren. Es wird ein ganz gewöhnlicher, betriebsamer Tag in der Linde Stettlen. Einer in der Reihe von Wochen, bevor die Meierhofers den Schlüssel abgeben, um sich zu neuen Zielen aufzumachen.

Rund um den Gasthof Linde

Das Hotel und Restaurant Linde bietet 25 Zimmer mit insgesamt 45 Betten, ein Frühstücksbuffett gehört dazu. Im Restaurant erhalten die Gäste «bodeschtändigi Choscht» oder geniessen einen «mondänen Höhenflug». Dabei finden sich auf der Karte diverse witzige Menus: «Müetis Chrüterläberli», «Stumpe-Fritzes-Rindsrügge» und «Fleischlos aber nid reizlos» versprechen eine innovative Küche.

 

Abschiedsveranstaltungen

Christoph und Sonja Meierhofer werden die Leitung der Linde auf Ende Dezember abgeben. Bis dahin bleibt das Restaurant von Montag bis Samstag täglich geöffnet, an Sonn- und Feiertagen auf Anfrage.

Zum Abschluss sind zwei besondere Anlässe geplant:

  • Am 30./31. Oktober 2026: Comeback-Band Fondue Chinoise à discretion
  • Am 13./14./15. November 2026: Metzgete mit musikalischer Unterhaltung

Details werden auf der Homepage der Linde Stettlen zu finden sein.

 

Neue Pächterin, neuer Pächter für die Linde gesucht

Interessierte können sich melden via Mail info@bernapark.ch oder beim zuständigen Immobilienverwalter Vinh Ly unter Telefon 031 932 62 02.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 23.07.2026
Geändert: 23.07.2026
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