Nach dem Brand in Boll

«Es ist wunderschön, die riesige Hilfsbereitschaft im Dorf zu spüren»

Das Feuer an der Lindentalstrasse 5 in Boll hat die beiden Wohnungen vollständig zerstört. Andreas Krebs, Hausbesitzer und Inhaber der Tor- und Metallbaufirma A. Krebs AG, hat seinen Optimismus nicht verloren: Er ist froh, konnten sich alle aus dem Haus retten. Auch sein Geschäft sei nutzbar, die Tankstelle könne wieder eröffnet werden, und die Solidarität ringsum helfe enorm.

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Andreas Krebs: «Alle bieten ihre Unterstützung an.» (Foto: rb)

Im Haus an der Lindentalstrasse in Boll schliefen alle tief in dieser Nacht auf Freitag, den 14. August: Andreas Krebs, seine fünfzehnjährige Tochter und seine Partnerin, die oft bei ihm ist, wohnten im ersten Stock direkt über dem Metallbau-Geschäft, Sohn Roman Krebs und seine Partnerin im zweiten Stock. Dann, aus dem Nichts, ein lauter Knall. Es müsse wohl kurz vor halb vier Uhr in der Früh gewesen sein, erinnert sich Andreas Krebs. Er war sofort hellwach, sprang auf und schaute zum Küchenfenster hinaus: «Ich sah gleich, dass es brennt, im Tankstellendach war bereits ein Loch», erzählt er.

 

Durch den Hintereingang in den Hof

Ohne zu zögern, weckten alle im Haus einander. Zeit blieb ihnen gerade genug, um sich Handy, Portemonnaie und Schlüssel zu schnappen, dann verliess die Familie das Haus im Laufschritt durch den Hintereingang der Werkstatt. So standen sie im Hof, noch schlaftrunken, und fühlten sich wie in einer anderen Realität, während sie bereits die Sirenen der Feuerwehr näherkommen hörten.

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So sah das Haus in unversehrtem Zustand aus – bis in jener Nacht auf Freitag, 14. August 2026. (Foto: zvg)

Derweil streifte sich Andreas Krebs eine lange Arbeitshose über und schlüpfte in die schweren Schuhe, packte einen Feuerlöscher und löschte das glimmende Töffli im Hof. Dann trafen schon der Reihe nach die Feuerwehren von Vechigen, Ostermundigen und Stettlen ein, dazu die Berufsfeuerwehr von Schutz und Rettung Bern.

 

«Ein Riesenmerci an die Feuerwehr ...

Die Feuerwehren löschten, was noch zu löschen war, schützten das Nachbarshaus vor übergreifenden Flammen, kontrollierten die Tanksäule, bei der dank der hohen Sicherheitsvorschriften nie Explosionsgefahr bestand, und regelten den Verkehr. Mehr noch: Sie brachten sogar Notfallkleidung mit, Trainerhosen, Pullis und T-Shirts für die im Schlaf überraschten Familienmitglieder. «Die Feuerwehren, aber auch Sanitätspolizei, Polizei und Gemeinde haben einfach grossartig gearbeitet», fasst Andreas Krebs zusammen. «Ihnen allen ein Riesenlob und ein Riesenmerci!»

 

... und an das ganze Dorf»

Der Brand blieb im Dorf nicht unbemerkt, und sofort scharten sich Leute in der Strasse. Sie kamen aber nicht zum Glotzen, sondern zum Helfen, boten Unterstützung und standen zur Seite, auch in den Tagen danach. «Es ist wunderschön, die riesige Hilfsbereitschaft und Solidarität im Dorf zu spüren», sagt Andreas Krebs dankbar: «Alle bieten ihre Unterstützung an, fragen, wie es geht.» Dank der vielen Gesten und Unterstützungsangebote fühle sich die Familie gut aufgehoben. «Das hilft, und all diesen Personen möchte ich ganz herzlich danken.»

Noch in der Brandnacht zeigte ein spezieller Atemtest, den die Rettungssanitäter mit den Familienmitgliedern durchführte, dass zum Glück niemand vom stark riechenden Rauch Schaden erlitten hatte. Und die folgenden Tage zeigen beispielhaft, wie es läuft, wenn ein Dorf zusammenhält und die Gemeinde unbürokratische Unterstützung bietet: Im Handumdrehen fanden sich Notunterkünfte für die Familie, Andreas Krebs mit Tochter und Partnerin wohnt jetzt vorübergehend in Worb, sein Sohn mit Partnerin konnte in Utzigen eine zurzeit leerstehende Wohnung mieten.

 

Ist noch etwas zu retten?

Nachdem die Feuerwehren ihre Arbeit vollendet hatten, durfte die Familie die zerstörten Wohnungen wieder betreten: Ein Blick in die Runde sollte ihnen zeigen, was sich allenfalls noch mit einigem Aufwand und chemischer Behandlung retten lässt. Ein paar Lieblingskleider könne man vielleicht noch chemisch reinigen, sagt Krebs, und die schöne Treichel vom Schwingen, ein emotionales Erinnerungsstück, lasse sich wahrscheinlich behandeln.

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Eine Nacht mit weitreichenden Folgen: Das Haus, hier im Vollbrand, ist nicht mehr bewohnbar, praktisch alles darin zerstört. (Foto: Kantonspolizei Bern)

Auch das eine oder andere Lieblingsmöbel aus dem ersten Stock könne vielleicht ein Antikschreiner mit einer Spezialbehandlung vom Rauchgeschmack befreien. Alles andere ist unbrauchbar. Ein harter Schlag. Andreas Krebs ist kurz still, dann sagt er: «Ja, es ist Scheisse und wäre nicht nötig gewesen. Aber das Wichtigste ist, dass wir alle fünf gesund draussen sind. Und gut ist, dass auch das Geschäft laufen kann.»

 

Viele Versicherungsgespräche liegen an

Dieser Tage hat er nebst der Arbeit im Geschäft viel zu tun, ellenlange Gespräche und Abklärungen mit Versicherungen stehen an. Diese werden in rund drei Wochen zeigen, wie es weitergeht: Wie hoch der Schaden ist, wie viel davon gedeckt ist, was mit der Liegenschaft möglich ist und ob ein Wiederaufbau der Wohnungen finanzierbar und sinnvoll ist. Die Tankstelle, das steht bereits fest, wird überprüft, instandgestellt und wieder eröffnet.

Dabei werden auch die Erkenntnisse der Brandermittler einfliessen. Zurzeit stehe zwar ein erster Verdacht zur Brandursache im Raum, sagt Andreas Krebs. Bis dieser einwandfrei bewiesen ist, will er allerdings nichts dazu sagen.

 

«Wir wollen vorwärts schauen»

Ein grosser Schreck liegt hinter der Familie, viel Mühsal noch vor ihnen. Bis alle Abklärungen und Verhandlungen durch sind, dauert es Wochen, bis allenfalls die Wohnungen wieder stehen, sicher Monate. Dennoch klingt Andreas Krebs weder bitter noch frustriert: «Man muss das so sehen: Was vorbei ist, ist vorbei», sagt er schlicht. Und: «Wir wollen vorwärts schauen und auch das Positive sehen.»

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Das Gebäude an der Lindentalstrasse nach dem Brand: Was daraus wird, muss sich erst zeigen. (Foto: Vechigen)

Die Firma kann weiterhin montieren

Die Firma A. Krebs AG ist an ihrem Standort geöffnet und wie üblich erreichbar. Auf der Website wird darüber informiert, dass es in der Firma gebrannt habe. Das Wichtigste sei aber: «Allen geht es gut. Niemand wurde verletzt.» Zwar seien die Wohnbereiche durch das Feuer leider zerstört worden, aber: «Unsere Montagetermine finden wie geplant statt!» Die Tankstelle bleibe bis auf weiteres geschlossen. Zugleich danken Andreas Krebs mit Familie und Krebs-Team für die überwältigende Anteilnahme: «Eure Unterstützung gibt uns Kraft.»

 

Spendenaufruf der Gemeinde Vechigen

Ein Direktlink auf die Zahlungsplattform TWINT zur Unterstützung der betroffenen Familie Krebs ist auf der Gemeinde-Website unter Aktuelles aufgeschaltet.


Autor:in
Claudia Weiss, claudia.weiss@bern-ost.ch
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Erstellt: 21.08.2026
Geändert: 21.08.2026
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