Gebaut wird – die Frage ist, wie hoch
An der Hünigenstrasse in Konolfingen sind fünf Wohnhäuser mit bis zu sieben Stockwerken geplant. Dafür braucht es die Zustimmung des Stimmvolks. Am Infoanlass gab es einzelne Fragen zur Höhe und zur Gestaltung, eine grössere Diskussion blieb aus.
Im Zentrum von Konolfingen, gleich hinter dem Mehrzweckplatz soll eine neue Siedlung entstehen (BERN-OST berichtete). Fünf Wohnblöcke sollen auf der grünen Wiese gebaut werden. Vier Stockwerke sind an der Hünigenstrasse heute erlaubt. Künftig sollen es bis zu sieben sein. Gemeinde und Planer stellten am Dienstagabend das Projekt vor. Die Bevölkerung kann sich bis Ende November dazu äussern.
Das Grundstück zwischen Hünigenstrasse und Birkenweg ist bereits als Bauland eingezont. Auch bei einem Nein zu den höheren Häusern wäre eine Überbauung möglich. Sie müsste sich dann nach den geltenden Vorschriften richten.
Höhere Häuser, mehr Freiraum
Auf der rund 6500 Quadratmeter grossen Parzelle der Familie Stucki plant Losinger Marazzi fünf Wohnhäuser mit fünf bis sieben Stockwerken. Vorgesehen sind 70 bis 80 Mietwohnungen «im mittleren Preissegment». Sie sollen Familien sowie jüngere und ältere Menschen ansprechen.
Neben höheren Wohnblöcken sollen auch zusammenhängende Aussenflächen geschaffen werden. Geplant sind ein öffentlicher Spielplatz, eine grüne Spielfläche sowie ein Gemeinschaftsplatz für alle auf einer erhöhten Plattform über der Einstellhalle.
Gemeindepräsident Jonas Rohrer (SVP) sagte gleich zu Beginn: «Der Wohnraum ist knapp und teuer, dies ist eine Chance qualitativ guten Wohnraum zu schaffen.» Raumplaner Philipp Hubacher sprach von einem «raumplanerischen Idealfall» und betonte die zentrale Lage: Bahnhof, Schulen und das Inseli liegen in der Nähe.
Wie verbindlich ist das Bild?
Bei der anschliessenden Diskussion kamen nur wenige Fragen aus dem Publikum. Wie stark die gezeigte Visualisierung dem späteren Bau entspreche, wollte ein Mann wissen. Nach Auskunft der Planer zeigt sie die angestrebte Anordnung und Grösse der Häuser bereits weitgehend. Bei der Begrünung sowie bei Material und Farbe der Fassaden seien noch Änderungen möglich.
Eine weitere Frage galt den Pflanzen. Diese müssten auch einen Sommer überstehen können, erklärten die Projektverantwortlichen. Ein Teil des Regenwassers soll auf den Dächern zurückgehalten und für die Bewässerung genutzt werden. Die Aussenräume sollen der Bevölkerung auch zum Aufenthalt dienen.
Von vier auf sieben Etagen
Ein Besucher griff den Unterschied zwischen den bisher erlaubten vier und den geplanten sieben Stockwerke auf. Die dafür nötige Änderung der Bauvorschriften gilt für die Projektparzelle. Der angrenzende Mehrzweckplatz bleibt unangetastet.
Die Höhe von bis zu sieben Stockwerken war laut den Verantwortlichen bereits vor dem Nein zur Überbauung des Mehrzweckplatzes vorgesehen. Sie sei somit keine Folge davon, dass nun eine kleinere Fläche bebaut werden kann.
Das Volk entscheidet
Für die höheren Häuser muss die Gemeinde die Vorschriften der Zone mit Planungspflicht, kurz ZPP, ändern. Diese legt die Spielregeln für die Bebauung fest. Die Überbauungsordnung regelt anschliessend genauer, wo und wie gebaut werden darf.
Losinger Marazzi plant das Projekt an einen Investor zu verkaufen. Projektleiter Marko Rados nannte als mögliche Käufer eine Pensionskasse oder eine Bank.
So geht es weiter
Die Mitwirkung läuft bis am 23. November. Bis dahin können schriftliche Anregungen und Einwände bei der Gemeinde eingereicht werden. Die Unterlagen sind auf huenigenstrasse.ch einsehbar.
Nächstes Jahr ist die kantonale Vorprüfung vorgesehen. Die Abstimmung über die ZPP-Änderung soll voraussichtlich 2028 an der Urne stattfinden. Die Baubewilligung wird für 2029 erwartet.
Was ist eine ZPP?
ZPP bedeutet «Zone mit Planungspflicht». Das Gebiet ist Bauland. Bevor gebaut werden kann, braucht es in der Regel einen verbindlichen Plan für das ganze Areal: die Überbauungsordnung. Sie legt fest, wo die Häuser stehen, wie hoch sie werden dürfen, wie die Zufahrt verläuft und welche Flächen frei bleiben.